Radsport-Legende Rudi Altig im Interview

"Joey Kelly kennt kein Nein"

Von Interview: Benedikt Treuer
Donnerstag, 02.07.2015 | 10:32 Uhr
Joey Kelly (l.) und Rudi Altig befuhren gemeinsam den Nordseeküstenradweg
© getty
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Deutscher Meister, Europameister, Weltmeister, Weltrekordler: Rudi Altig ist eine deutsche Radsport-Legende. Vor dem Start der Tour de France (Sa., 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) erzählt der 78-Jährige im Interview mit SPOX von Rundfahrten mit Joey Kelly, der Ursache des schlechten Radsport-Images, Makel in der Gesellschaft und Gänsehaut in der DDR. Außerdem verrät Altig, dass er sich gerne mal gehen ließ, und dass er über seinen Spitznamen heute nur noch lachen kann.

SPOX: Herr Altig, sind die Muskeln schon wieder bereit für das nächste Abenteuer oder regenerieren Sie noch vom Nordseeküstenradweg?

Rudi Altig: Das habe ich schon längst vergessen, das ist erledigt. Und so schlimm war es gar nicht. (lacht)

SPOX: Was treibt jemanden in Ihrem Alter dazu an, noch einmal in flottem Tempo von Belgien bis Norwegen zu strampeln - worüber dann ein Film gemacht wurde - inklusive einigen Höhenmetern?

Altig: Wenn man kleine Gänge fährt, sieht es im Fernsehen flotter aus, als es in Wahrheit ist. Man muss dazu sagen, dass wir einen Teil auch mit dem Auto zurückgelegt haben. Wir waren dreieinhalb Wochen unterwegs - in dieser Zeit wäre so eine Strecke gar nicht möglich. Es gab natürlich trotzdem mühevolle Abschnitte, in denen die Beine etwas müder wurden. 150 Kilometer haben wir gelegentlich schon einmal am Tag hingelegt. Im Großen und Ganzen war es aber eine schöne Sache.

SPOX: Immerhin war es auch eine illustre Runde: Sie waren in Begleitung der 13-fachen Radweltmeisterin Jeannie Longo und von Entertainer und Extremsportler Joey Kelly. Wie kam das zustande?

Altig: Ich habe beide angesprochen, nachdem ich von ARTE gefragt wurde, ob ich bei so einer Rundtour mitmachen würde. Ich wollte die Gruppe ein wenig mischen. Da haben eine Französin und ein irischer Extremsportler gut reingepasst.

SPOX: Waren Sie schon immer Fan der Kelly Family oder sind Sie es spätestens jetzt?

Altig: Ich bin Fan der Kelly Family und Fan von Joey, jedoch kenne ich weder Vater noch Mutter der musikalischen Familie. Dafür kenne ich Joey schon einige Jahre und weiß, dass er immer zu allem bereit ist und alles mitmacht. So war es auch diesmal wieder. Joey Kelly kennt kein Nein.

SPOX: Wie sind Sie während der Rundreise so fit geblieben? Haben Sie täglich Stunden mit Kelly in der Eistonne verbracht?

Altig: Nein, dazu kam es nicht, obwohl wir rund um die Uhr zusammen unterwegs waren. Wir mussten uns alle aber erst einmal finden, zumal nicht immer alles so lief, wie es geplant war. Es kam durchaus vor, dass wir abends ins Hotel kamen und das Restaurant schon geschlossen war. Dann gab es eben nichts mehr zu essen. Auch wenn das nicht immer so einfach war, muss man es hinnehmen. Wir waren ja Globetrotter.

SPOX: Dabei gab es schon Phasen in Ihrem Leben, in denen Sie das Radfahren fast komplett abgeschrieben hatten. 1996 sagten Sie beispielsweise aus, kaum noch gefahren zu sein, maximal fünf- oder sechsmal im Jahr. Haben Sie Ihre Liebe zur Anstrengung wiedergefunden?

Altig: Ich muss es ehrlich gesagt nicht mehr haben. Ich fahre, wenn ich muss oder bei schönem Wetter unbedingt mal will. Touristikfahrten im großen Pulk mit 50 Leuten mache ich aber nicht mehr mit. Da wollen alle nur zeigen, wie schnell sie fahren können - ich will aber einfach nicht mehr schnell fahren. Das bin ich früher oft genug.

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SPOX: Ihre Radsportkarriere hatte zahlreiche Highlights - angefangen, als Sie noch gar nicht Profi waren. 1959 gewannen Sie den Amateur-Weltmeistertitel im Verfolgungsfahren in Amsterdam. Vor dem Endlauf hielten Sie einige Zuschauer sicher für verrückt: Sie standen inmitten der Arena eine halbe Stunde lang Kopf...

Altig: ...und die anderen Fahrer eben nicht. Deshalb bin ich wohl aus der Masse herausgestochen. Das war eine Übung aus der Jogalehre. Außerdem hat es den Vorteil, dass dich keiner anspricht, wenn du auf dem Kopf stehst. So hatte ich meine Ruhe.

SPOX: Der anschließende Schritt ins Profilager war logisch, jedoch löste er in der Bundesrepublik Entsetzen aus. Wegen Olympia?

Altig: Das war mir egal. Vielleicht dachten einige, wir hätten dadurch sicheres Gold verloren. Ich habe aber ans Geldverdienen gedacht. Als ich nach der Weltmeisterschaft das Angebot erhielt, Radsport professionell zu betreiben, konnte ich es nicht ausschlagen. So hätte doch jeder gehandelt, wenn er dadurch das doppelte Gehalt bezieht.

SPOX: Bot Ihnen die Teilnahme an den olympischen Spielen aber keinen Anreiz?

Altig: Die fanden damals in Rom statt, weshalb es mich gar nicht interessiert hat. Das war nichts Besonderes für mich. Wenn man den Giro d'Italia fährt, kommt man dreimal nach Rom. Wäre Olympia in Südafrika oder Australien gewesen, hätte ich vielleicht noch ein Jahr gewartet, denn der Profi-Radsport spielte sich hauptsächlich in Europa ab.

SPOX: Es zahlte sich aber aus. 1960 wurden Sie in Leipzig Profi-Weltmeister in der Verfolgung und dann spielte man Ihnen zu Ehren inmitten des Kalten Kriegs erstmals in der DDR das Deutschlandlied. Beschreiben Sie den Moment.

Altig: Als das Lied angespielt wurde, war das Gänsehaut pur. Die Hymne wurde jedoch abgebrochen.

SPOX: Wieso?

Altig: Weil offenbar die Nadel über den Teller des Plattenspielers rutschte.

SPOX: Also war dieser emotionale Moment nur von kurzer Dauer?

Altig: Im Gegenteil. 20.000 Leute haben die Hymne weitergesungen. Das ist mir unter die Haut gegangen.

SPOX: 1962 erlebten Sie auch ein spektakuläres Tour-de-France-Debüt. Sie gewannen drei Etappen und die Sprintwertung. Wie oft denken Sie noch daran zurück, wenn Sie heute die Tour schauen?

Altig: Natürlich denkt man daran zurück, aber das ist über 50 Jahre her. Von daher habe ich auch schon ein bisschen Abstand dazu gewonnen. Es ist auch längst nicht mehr so, dass ich mir den Wecker stelle, um jede Etappe mitverfolgen zu können.

Seite 1: Altig über die Kelly Family und eine Panne, die zum Gänsehautmoment wurde

Seite 2: Altig über das Radsport-Image und den Wunsch, sich mal gehen zu lassen

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