113. Paris-Roubaix

Degenkolb gewinnt "Hölle des Nordens"

SID
Sonntag, 12.04.2015 | 17:02 Uhr
Erst Mailand-San Remo, jetzt Paris-Roubaix! Degenkolb befindet sich in absoluter Topform
© getty
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Himmlischer Höllenritt: Radprofi John Degenkolb hat nach einer taktischen Meisterleistung als erster Deutscher seit 119 Jahren den Frühjahrs-Klassiker Paris-Roubaix gewonnen. Der 26-Jährige aus dem Team Giant-Alpecin triumphierte bei der 113. Ausgabe der sogenannten "Hölle des Nordens" nach 253,5 Kilometern, davon 52,7 über das berüchtigte Kopfsteinpflaster, im Velodrom von Roubaix. Den bislang einzigen deutschen Sieg hatte Josef Fischer 1896 bei der Premiere errungen.

Es war bereits Degenkolbs zweiter Coup in dieser Saison. Vor drei Wochen hatte der gebürtige Thüringer bereits bei Mailand-Sanremo gesiegt. Degenkolb ist erst der dritte Fahrer überhaupt, der diese beiden Radsport-Monumente innerhalb eines Jahres für sich entschieden hat. 1986 war dies zuletzt dem Iren Sean Kelly gelungen. 2014 hatte Degenkolb bei Paris-Roubaix schon Rang zwei belegt. Das Podium komplettierten Zdenek Stybar (Tschechien/Etixx-Quick Step) und Greg Van Avermaet (Belgien/BMC).

Der Wahl-Frankfurter hatte im Sprint einer Spitzengruppe das größte Stehvermögen, nachdem er zuvor eine Attacke von Van Avermaet eindrucksvoll gekontert hatte. Degenkolb war unglaublich wachsam, an den Schlüsselstellen immer präsent und stark genug, um alle Versuche seiner Gegner, ihn abzuhängen, zu beantworten.

"Ich kann es kaum glauben"

"Das ist wovon ich immer geträumt habe. Ich musste so hart arbeiten, ich kann es kaum glauben", sagte Degenkolb mit Freudentränen in den Augen und dreckverschmiertem Gesicht. Kurz darauf durfte er die Pflasterstein-Trophäe entgegennehmen und sich auch über 30.000 Euro Preisgeld freuen.

Bradley Wiggins schaffte in seinem letzten großen Straßenrennen zwar nicht seinen erhofften Paukenschlag, aber kampflos ergab sich der frühere Tour-Sieger auch nicht in sein Schicksal und attackierte gut 30 km vor dem Ziel vehement. Flandern-Triumphator Alexander Kristoff, der besonders hoch gehandelt worden war, landete auf Rang zehn. Das Rennen war anders als in den Jahren, in denen die diesmal verletzten Tom Boonen und Fabian Cancellara dominierten, bis ins Finale hinein offen.

"Wie großartig wäre ein Sieg für Johnny?"

"Unser Team fährt clever und sieht stark aus. Wie großartig wäre noch ein Sieg für Johnny?", twitterte Top-Sprinter Marcel Kittel eingangs der Schlussphase, der die "Königin der Klassiker" wegen seines Trainingsrückstandes nur von der Couch aus verfolgen konnte. Und sein Teamkollege machte aus dem Wunsch kurz darauf Realität.

Degenkolb, der mit Frau und Sohn zu seinem Lieblingsrennen gekommen war und diese im Ziel innig herzte, hatte sich am Vormittag betont locker gegeben, schließlich war mit dem Erfolg in Sanremo das Mindestziel schon längst erreicht. "Ich spüre wenig Druck, weil wir schon einen großen Sieg haben", sagte er.

Vor den nächsten Herausforderung mit der 102. Tour de France als Höhepunkt im Juli sehnte er sich dennoch erst einmal nach einer Ruhepause und hoffte zuvor auf ein weiteres Glanzstück. "Es war mental und körperlich hart für mich, aber meine Form ist immer noch gut. Ich möchte noch einmal eine tolle Leistung zeigen", hatte Degenkolb angekündigt. Die Umsetzung hätte besser nicht sein können.

Nach einer ersten Rennstunde, die in einem wahren Höllentempo - Durchschnitt bei Rückenwind über 50 km/h - zurückgelegt worden war, ließ das Peloton einige Ausreißer gewähren. Auch der tapfere Schwarzwälder Ralf Matzka (Bora-Argon 18) zählte zu den neun Fahrer, die fast zehn Minuten Vorsprung herausarbeiteten, deren Chancen aber von vornherein gegen Null tendierten.

Für Diskussionsstoff sorgte ein heikler Zwischenfall an einem Bahnübergang, den eine Reihe von Fahrern trotz geschlossener Schranke noch vor einem heranbrausenden TGV überquerte. Die Regularien schreiben für diesen Fall eigentlich einen Ausschluss vor, die Rennjury sprach jedoch zunächst noch keine Sanktionen aus.

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