Donnerstag, 18.09.2014

Unter jubelnden Zuschauern

Voigts Rekordfahrt in die Rente

Nach seiner 51,115 Kilometer langen Rekordfahrt in die Rente hängte Jens Voigt unter dem Jubel der 16000 Zuschauer sein Rad an den symbolischen Nagel und atmete einmal tief durch.

Jens Voigt beendete seine Karriere mit einer sensationellen Leistung
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Jens Voigt beendete seine Karriere mit einer sensationellen Leistung

Nach seiner 51,115 Kilometer langen Rekordfahrt in die Rente hängte Jens Voigt unter dem Jubel der 16000 Zuschauer sein Rad an den symbolischen Nagel und atmete einmal tief durch. "Ich bin überglücklich", sagte der erste deutsche Stundenweltrekordler am Eurosport-Mikrofon: "Jetzt kann ich nach Hause fahren, meine Kinder in den Arm nehmen und sagen: Papa hat was geschafft."

Als erster Deutscher trug sich der Berliner bei seinem Stundenweltrekord einen Tag nach seinem 43. Geburtstag in Grenchen in die Liste ein, in der Legenden wie Eddy Merckx, Fausto Coppi und Jacques Anquetil stehen. "Dass ich da jetzt auch meinen kleinen Namen lesen darf, macht mich sehr, sehr stolz", sagte "Voigte", der seine Karriere nach 18 Profijahren mit dem Rekord von Grenchen beendet.

Standing Ovations

Unter dem tosenden Jubel der Zuschauer, die ihn mit Standing Ovations durch die letzten Runden trugen, erreichte Voigt in Grenchen sein großes, sein letztes Ziel - deutlich schneller als der Tscheche Ondrej Sosenka bei seinen 49,700 km 2005 in Moskau.

Im Ziel war Voigt zunächst zu erschöpft für große Gesten, vollkommen erledigt nahm er als erstes die Gratulation seiner Eltern entgegen und winkte mit einer Hand ins Publikum. Wenig später hatte er sich aber schon wieder gefangen: "Ich wusste ja, ich quäle mich zum letzten Mal in meinem Leben. Ab jetzt gibt es keine Schmerzen mehr."

Letztes große Ding

Einen "Tick zu schnell" sei er die Rekordfahrt angegangen, "deshalb musste ich auch in den zweiten 20 Minuten ein bisschen den Dampf rausnehmen". Dann zeigte ihm ein kurzer, schneller Blick auf die Uhr, dass es reichen würde. "Ich hab dann trotzdem nochmal einen Ticken zugelegt, schließlich war es das letzte große Ding in meinem Radsportleben."

Er wolle nicht langsam in die Rente rollen, sondern mit einem Knall abtreten, hatte Voigt dem übertragenden TV-Sender "Eurosport" im Vorfeld gesagt. Als dann der Weltverband UCI im März 2014 die Regeln änderte und wieder spezielle Zeitmaschinen mit Triathlonlenker und Scheibenrädern für die Stundenhatz zuließ, habe er sich gedacht: "Warte mal, das kann ich schaffen."

Eine Stunde vor dem offiziellen Start seiner Zeitenjagd hatte sich Voigt 30 Minuten lang zu den Klängen von Metallicas "Turn the Page" im Windschatten eines Mofarollers warmgefahren. Seine Rekordjagd ging er sehr schnell an, achtete aber dabei immer auf die Tafeln, die ihm sein Schweizer Betreuer Daniel Gisiger immer wieder zeigte. Nur nicht zu schnell, nur nicht so kurz vor dem Ziel doch noch einbrechen.

Kampf wurde härter

Die Toursieger der letzten 15 Jahre
Am Mont Ventoux ließ er Pantani (r.) noch gewinnen. Aber am zweiten Sieg von Armstrong konnte im Jahr 2000 weder der noch Jan Ullrich etwas ändern (Titel annulliert)
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Am Mont Ventoux ließ er Pantani (r.) noch gewinnen. Aber am zweiten Sieg von Armstrong konnte im Jahr 2000 weder der noch Jan Ullrich etwas ändern (Titel annulliert)
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Die Tour 2001 ging in die Geschichte ein: Armstrong mimte am Berg den Leidenden, warf dann Ullrich den berühmten Blick über die Schulter zu - und weg war er! (Titel annulliert)
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Die Tour 2001 ging in die Geschichte ein: Armstrong mimte am Berg den Leidenden, warf dann Ullrich den berühmten Blick über die Schulter zu - und weg war er! (Titel annulliert)
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Beim vierten Streich von Armstrong im Jahr 2002 war Ullrich nicht am Start, dementsprechend ungefährdet radelte der Dominator zum Sieg (Titel annulliert)
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Beim vierten Streich von Armstrong im Jahr 2002 war Ullrich nicht am Start, dementsprechend ungefährdet radelte der Dominator zum Sieg (Titel annulliert)
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Ein Jahr später bot sich ein anderes Bild: Ullrich verlangte Armstrong alles ab. 61 Sekun- den betrug am Ende sein Vorsprung, aber es reichte zum fünften Sieg (Titel annulliert)
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Ein Jahr später bot sich ein anderes Bild: Ullrich verlangte Armstrong alles ab. 61 Sekun- den betrug am Ende sein Vorsprung, aber es reichte zum fünften Sieg (Titel annulliert)
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Keine Geschenke gab es 2004: Armstrong holte sich fünf Etappensiege und das Mannschaftszeitfahren - der sechste Sieg in Serie! (Titel annulliert)
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Sieben auf einen Streich: Der letzte Sieg des Texaners gelang ihm 2005. Wegen Doping wurden Armstrong aber alle Titel wieder aberkannt (Titel annulliert)
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Eigentlich gewann Floyd Landis die Tour 2006. Drei Tage später flog er wegen Dopingmissbrauchs auf und aus dem Klassement. Der Titel ging an Oscar Pereiro
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2007 holte Alberto Contador (r.) seinen ersten Sieg. Am Berg war der Spanier eine Klasse für sich. Winokurow und der Däne Rasmussen (l.) wurden des Dopings überführt
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Überraschung! 2008 gewann der Spanier Carlos Sastre in Alpe d'Huez und siegte in Paris mit 58 Sekunden Vorsprung vor Cadel Evans
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Überraschung! 2008 gewann der Spanier Carlos Sastre in Alpe d'Huez und siegte in Paris mit 58 Sekunden Vorsprung vor Cadel Evans
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Ihn konnte auch das Comeback von Lance Armstrong nicht stoppen: Souverän holte sich Alberto Contador 2009 seinen zweiten Toursieg
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Der Luxemburger Andy Schleck (M.) bekam den Toursieg 2010 am grünen Tisch zugesprochen: Contador (l.) hatte gedopt. Verunreinigtes Steak - na klar!
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2011 durfte sich der Australier Cadel Evans in die Siegerliste eintragen. Im Zeitfahren und am Berg zermürbte er unter anderem die Gebrüder Schleck
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2012 fuhr Bradley Wiggins im Gelben Trikot am Triumphbogen vorbei. Er ist der erste Brite überhaupt, der die Frankreich-Rundfahrt gewinnen konnte
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Wieder Sky! Auch 2013 triumphierte das britische Team bei der Tour de France. Christopher Froome wurde der Nachfolger von Bradley Wiggins
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Vincenzo Nibali (M.) ließ bei der 2014er Tour de France nie Zweifel an seinem Sieg aufkommen und dominierte nach Belieben
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Anfangs wie eine Maschine, am Ende mit Schwächen: Trotzdem reichte es für Froome in Paris
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Anfangs wie eine Maschine, am Ende mit Schwächen: Trotzdem reichte es für Froome in Paris
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Nach zehn Kilometern war Voigt bereits 12,5 Sekunden schneller als der für den Rekord errechnete Fahrplan, nach 20 Kilometern hatte er das auf 24,3 Sekunden ausgebaut. Ganz ruhig saß der sechsfache Familienvater im Sattel seiner Maschine mit den schwarzen Scheibenrädern im Chronografen-Design.

Wie ein Uhrwerk drehte er einen Tag nach seinem 43. Geburtstag seine Runden auf dem 250 m langen Oval. Nach einer knappen halben Stunde ging er zum ersten Mal aus dem Sattel, um den Rücken ein wenig zu entlasten, dann ließ er sich wieder in die Standardposition zurückfallen.

Eine Viertelstunde vor dem Ende wurde deutlich, dass der einsame Kampf, den Jens Voigt gegen die Uhr und gegen sich selbst führte, härter wurde. Immer wieder rutschte er im Sattel hin und her, um seine Sitzposition zu verändern, die Zeiten, die bis dahin kontinuierlich bei 17,9 lagen, fielen. 17,5, 17,3, 17,1 - dennoch blieb er mit dem unermüdlichen Stakkato seiner Beine im Plan.

Neue Welle losgetreten

"Ich bin froh, dass ein Sportler wie Jens Voigt mit einem so hohen Bekanntheitsgrad diesen Rekordversuch fährt", sagte Brian Cookson, der Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI, vor dem finalen Showdown in Grenchen: "Ich hoffe, dass er viele andere animiert, es auch mal zu versuchen."

Voigt könnte durchaus eine neue Welle losgetreten haben, neben dem Schweizer Fabian Cancellara haben bereits der frühere Tour-Sieger Bradley Wiggins und auch Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin bekundet, durchaus Interesse am Stundenweltrekord zu haben. "Ich habe meinen Rekord, jetzt müssen die anderen zeigen, dass sie es besser können", sagte Voigt nach seinem großen Finale. Er hat vorgemacht, wie es geht.


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