Kein Glaube an Weltmeister-Fluch

Martin: WM-Titel in Team und Einzel das Ziel

SID
Freitag, 14.09.2012 | 14:15 Uhr
Tony Martin will seinen WM-Titel im Einzelzeitfahren verteidigen
© Getty
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Tony Martin überlässt in diesen Tagen nichts dem Zufall. Selbst seine Rennradschuhe hat er sich nach Maß anpassen lassen - mit den Regenbogenfarben des Zeitfahr-Weltmeisters.

Alles soll perfekt sein für den WM-Auftakt am Sonntag in Valkenburg, denn Pech hatte Martin in dieser Saison gleich für mehrere Jahre. Eine ältere Dame beförderte ihn mit dem Auto vom Rad, eine Scherbe durchbohrte seinen Reifen in einem der wichtigsten Zeitfahren der Karriere, ein unglücklicher Sturz bescherte ihm ein gebrochenes Kahnbein und das vorzeitige Aus bei der Tour de France. Da soll für den Titelverteidiger wenigstens bei der WM alles glattgehen.

Bereits am Mittwoch ist Martin in die niederländischen Ardennenausläufer gereist. Das erstmals seit 1994 wieder im Programm stehende Teamzeitfahren steht bei seinem Rennstall Omega-Pharma hoch im Kurs. "Ich denke wir haben gute Chancen, um eine Medaille zu fahren. Ich will fit sein und das Maximum abrufen können", sagt Martin im dapd-Gespräch. Bereits Mitte August hatten die sechs WM-Starter die 53,2 Kilometer lange Strecke erstmals besichtigt.

Kein Fluch, nur Pech

Ein goldener Auftakt in die Titelkämpfe wäre Balsam für Martins geschundene Seele. Der 27-Jährige gilt als Perfektionist, der keinen Fehler zweimal begeht. Doch gegen die unglaubliche Pechsträhne war auch er völlig machtlos. Von höheren Mächten hält Martin natürlich nichts: "Ganz ehrlich, ich glaube nicht an einen Fluch des Weltmeistertrikots. Es kann immer solche Jahre geben. Mit oder ohne das Trikot."

Und Martin ist versessen darauf, dass auch zu beweisen. Erst mit dem Team - der Sieger darf im kommenden Jahr ein spezielles Weltmeister-Symbol in die Trikots einarbeiten - und drei Tage später im Einzelzeitfahren. Auf dem technisch anspruchsvollen Kurs werden Martins stärkste Rivalen Bradley Wiggins und Fabian Cancellara allerdings fehlen. Wiggins begnügt sich lieber mit Helferdiensten im Straßenrennen, Cancellara hat die Saison nach einer weiteren Schulter-Operation bereits beendet.

Form bei Vuelta gefunden

Martin bedauert das regelrecht. "Es ist in dieser Saison das erste Mal, dass die Vorbereitung für mich ohne Problem verlaufen ist und ich hätte mich unter diesen Vorzeichen sehr gerne mit beiden gemessen", sagt der gebürtige Cottbuser. Für eine perfekte Vorbereitung hat er sich durch die sehr anspruchsvolle, weil sehr bergige Spanien-Rundfahrt gequält. Er brauchte nach den Rückschlägen in dieser Saison eine dreiwöchige Rundfahrt zum Formaufbau.

Nachdem Martin im Zeitfahren der Vuelta noch die Grenzen aufgezeigt bekam, rollt es rechtzeitig zur WM wieder besser. Das Regenbogentrikot will er nicht kampflos hergeben. Schließlich sollen die neuen Schuhe nicht gleich wieder im Schrank verschwinden.

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