Donnerstag, 03.05.2012

Neu-Direktor Acquarone soll das Rennen aus der Krise führen

Der Giro probt den Neustart - auch in Deutschland

Auf den Siegerpodesten der vergangenen Jahre stand das Who-is-Who der Dopingsünder, selbst die treuen Tifosi wendeten sich immer mehr von ihrem Rennen ab: Der Giro d'Italia steckt vor seiner 95. Auflage in der Krise und droht nördlich des Apenins weiter an Bedeutung zu verlieren.

Der Giro d'Italia bietet jedes Jahr wunderschöne Bilder, aber Probleme gibt es trotzdem zu genüge
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Der Giro d'Italia bietet jedes Jahr wunderschöne Bilder, aber Probleme gibt es trotzdem zu genüge

Der Veranstalter RCS hat deshalb den schillernden Renndirektor Alberto Zomegnan abgelöst und durch den Teamplayer Michele Acquarone ersetzt. Er soll das am Samstag in Dänemark startende Rennen aus der Krise führen.

Doch zumindest was die Konsequenzen von Dopingsperren angeht, hat Acquarone eine nicht überall auf Wohlwollen stoßende Meinung. Dass Alberto Contador der Gesamtsieg des vergangenen Jahres im Zuge seines Dopingfalls aberkannt wurde, passt Acquarone jedenfalls überhaupt nicht.

"Im Rennen war Contador der Stärkste. Er ist großartig gefahren und daher ist er für uns auch der Sieger", sagt der Renndirektor im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd.

Tifosi pfiffen Contador aus

Die Schuld daran, dass die Ergebnisliste des Giro wieder einmal überarbeitet werden musste, trägt in diesem Fall auch eher der Weltverband UCI. Er verschleppte den Fall des bereits im Juli 2010 positiv getesteten Contadors.

Die Tifosi hatten ihr Urteil da längst gefällt: Sie pfiffen Contador bei seiner Klettershow gnadenlos aus. Der nun als Sieger geführte Michele Scarponi war einst Kunde des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes.

Die Gesamtwertungen der vergangenen Jahre lassen ebenfalls kein gutes Haar an der zweitgrößten Landesrundfahrt der Welt. 2010 gewann Ivan Basso, ebenfalls ein früherer Fuentes-Kunde und mittlerweile wieder genauso schnell unterwegs wie vor seiner Sperre.

Vor drei Jahren mussten in Danilo Di Luca und Franco Pellizotti die Zweit- und Drittplatzierten disqualifiziert werden - sie waren den Dopingjägern in die Falle gegangen. Und 2008 gewann Contador vor dem mittlerweile für zwölf Jahre aus dem Verkehr gezogenen Riccardo Ricco.

Gedenken an Weylandt

Im dänischen Herning soll nun ein farbenfroher Neustart erfolgen, der die Fahrer auf 21 Etappen und 3.504 Kilometer sowie den Giro in eine bessere Zukunft schickt. Zu dieser gehören die Starts im Ausland, womöglich auch bald in Deutschland. "Ich denke, dass wir noch vor 2020 in Deutschland starten. Vielleicht in München, Hamburg oder Berlin", sagt Acquarone.

Tony Martin - die deutsche Radsporthoffnung in Bildern
"Ich bin die Nummer eins!" Tony Martin ist am Gipfel angekommen. Bei der WM 2011 in Kopenhagen holte er sich den Sieg im Zeitfahren. Ein langer, harter Weg liegt hinter ihm
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"Ich bin die Nummer eins!" Tony Martin ist am Gipfel angekommen. Bei der WM 2011 in Kopenhagen holte er sich den Sieg im Zeitfahren. Ein langer, harter Weg liegt hinter ihm
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Tony Martins Profi-Karriere begann 2008 beim Team Columbia. Sein Abitur machte der gebürtige Cottbuser 2004 auf der Sportschule in Erfurt
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Tony Martins Profi-Karriere begann 2008 beim Team Columbia. Sein Abitur machte der gebürtige Cottbuser 2004 auf der Sportschule in Erfurt
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Teamchef Bob Stapleton (M.) hält viel vom ausgebildeten Polizeimeister. Bei der Tour 2009 unterstützte Martin Kapitän Michael Rogers (l.)
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Teamchef Bob Stapleton (M.) hält viel vom ausgebildeten Polizeimeister. Bei der Tour 2009 unterstützte Martin Kapitän Michael Rogers (l.)
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Bei seiner Tour-Premiere sorgte Martin für Aufsehen. Auf der 3. Etappe übernahm er die Führung in der Nachwuchswertung
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Bei seiner Tour-Premiere sorgte Martin für Aufsehen. Auf der 3. Etappe übernahm er die Führung in der Nachwuchswertung
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Zwölf Tage lang fuhr er im Weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrers durch Frankreich - zumeist im Kreis seiner Teamkollegen
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Zwölf Tage lang fuhr er im Weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrers durch Frankreich - zumeist im Kreis seiner Teamkollegen
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Und für das Team Columbia gab es noch mehr zu feiern: Der Brite Mark Cavendish (r.) gewann sechs Etappen und führte zwischenzeitlich die Sprintwertung an
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Und für das Team Columbia gab es noch mehr zu feiern: Der Brite Mark Cavendish (r.) gewann sechs Etappen und führte zwischenzeitlich die Sprintwertung an
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Erst kurz vor Paris musste Martin das Weiße Trikot wieder abgegen. Nach der 15. Etappe war Andy Schleck in der Gesamtwertung besser. Der Luxemburger wurde am Ende Zweiter
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Erst kurz vor Paris musste Martin das Weiße Trikot wieder abgegen. Nach der 15. Etappe war Andy Schleck in der Gesamtwertung besser. Der Luxemburger wurde am Ende Zweiter
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Der persönliche Höhepunkt für Martin sollte aber noch folgen. Am vorletzten Tag kam er auf dem Mont Ventoux als Zweiter an - deutlich vor Lance Armstrong und Alberto Contador
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Der persönliche Höhepunkt für Martin sollte aber noch folgen. Am vorletzten Tag kam er auf dem Mont Ventoux als Zweiter an - deutlich vor Lance Armstrong und Alberto Contador
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Die größte Stärke von Martin ist der Kampf gegen die Uhr. Bei der WM 2009 im schweizerischen Mendrisio gewann er im Zeitfahren die Bronzemedaille
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Während der Tour 2010 blieb immer mal wieder Zeit für einen Plausch mit Landsmännern wie dem Milram-Kapitän Linus Gerdemann (r.)
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Während der Tour 2010 blieb immer mal wieder Zeit für einen Plausch mit Landsmännern wie dem Milram-Kapitän Linus Gerdemann (r.)
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Mark Cavendish (r.) weiß, bei wem er sich nach seinen Tour-Etappensiegen zu bedanken hat. Denn Martin gehört auch zu den Anfahrern für den Briten mit den schnellen Beinen
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Auch bei der Tour de France 2011 ein starkes Team: Mark Cavendish (l.) sicherte sich durch die Hilfe von Tony Martin das Grüne Trikot
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Auch bei der Tour de France 2011 ein starkes Team: Mark Cavendish (l.) sicherte sich durch die Hilfe von Tony Martin das Grüne Trikot
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Der Deutsche war bei der Tour 2011 ebenfalls erfolgreich. Er gewann das Einzelzeitfahren. Später konnte er diesen Erfolg bei der Vuelta 2011 wiederholen
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Zu dieser Zukunft wird auch immer der tragische Tod von Wouter Weylandt gehören, der im vergangenen Jahr auf der dritten Etappe verunglückte. Dem Belgier wird in diesem Jahr die dritte Etappe gewidmet, sie wird sogar eigens in "WW Special", seinen Spitznamen, umbenannt. Seine Nummer 108 soll nie wieder vergeben werden.

Nach den ebenso schweren wie spektakulären Italien-Rundfahrten unter der Führung Zomegnans, wurde der Giro in diesem Jahr humaner gestaltet. Dieselbe Politik dieses indirekten Anti-Dopingkampfes verfolgt man bei der Tour de France bereits seit ein paar Jahren - offiziell mit Erfolg.

Eine unmenschliche Etappe

Das Giro-Spektakel soll am vorletzten Tag seinen Höhepunkt finden. Auf der 218 Kilometer langen Etappen müssen unglaubliche 5.700 Höhenmeter überwunden werden. Unter anderem steht der legendäre Mortirolo auf dem Programm, ehe am Stilfser Joch das große Finale eingeläutet wird. Einige Fahrer bezeichneten diese Etappe bereits kurz nach der Präsentation als unmenschlich.

Aus deutscher Sicht wird interessant zu beobachten sein, wie sich das Team NetApp bei seiner ersten dreiwöchigen Rundfahrt schlägt. Auf den Mann für das Gesamtklassement, den Tschechen Leopold König, muss der Zweitdivisionär verletzungsbedingt verzichten. Der Gesamtsieg wird vermutlich zu einer rein italienischen Angelegenheit.

Ivan Basso (Liquigas), Michele Scarponi und Damiano Cunego (beide Lampre) bilden den engsten Favoritenkreis. Gute Chancen haben auch Roman Kreuziger (Tschechien/Astana), John Gadret (Frankreich/AG2R), Frank Schleck (Luxemburg/RadioShack) und Ryder Hesjedal (Kanada/Garmin).

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