Donnerstag, 09.02.2012

Urteil im Doping-Skandal um Eufemiano Fuentes

CAS stürzt das Denkmal Jan Ullrich

Das Urteil ist gefällt: Schier endlose 2088 Tage nach der Operacion Puerto ist Jan Ullrich als Dopingsünder verurteilt worden. Der Internationale Sportgerichtshof sprach gegen den Toursieger von 1997 wegen dessen Verwicklung in den Skandal um Dopingarzt Eufemiano Fuentes eine zweijährige Sperre aus.

Jan Ullrich - Toursieger von 1997 als Dopingsünder überführt
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Jan Ullrich - Toursieger von 1997 als Dopingsünder überführt

Der 38-jährige Ullrich, der bereits im Februar 2007 seine Karriere beendet hatte, wird demnach rückwirkend vom 22. August 2011 an gesperrt. Außerdem wurden ihm alle Resultate ab dem 1. Mai 2005 gestrichen. So wird ihm der dritte Platz bei der Tour 2005, der zweite Rang bei der Deutschland-Tour im gleichen Jahr und der Gesamtsieg bei der Tour de Suisse 2006 aberkannt.

"Das CAS-Urteil ist deutlich. Es ist bedauerlich, dass Jan Ullrich nicht vorher die Chance ergriffen hat, um von sich aus Klarheit zu schaffen. Wir hoffen auch in seinem eigenen Interesse, dass er zumindest jetzt einsichtig ist und sich entsprechend erklärt. Dieses Urteil hat gerade im Zusammenhang mit der Contador-Entscheidung abschreckende Signalwirkung", sagte Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

CAS verurteilt zwei Toursieger in vier Tagen

Damit hat der CAS innerhalb von vier Tagen das Denkmal eines weiteren Toursiegers sportjuristisch zum Einsturz gebracht. Erst am Montag war der Spanier Alberto Contador wegen seines positiven Dopingtests auf Clenbuterol bei der Tour 2010 für zwei Jahre gesperrt. Ihm wurden außerdem der Toursieg 2010 und der Giro-Erfolg 2011 aberkannt.

Tony Martin - die deutsche Radsporthoffnung in Bildern
"Ich bin die Nummer eins!" Tony Martin ist am Gipfel angekommen. Bei der WM 2011 in Kopenhagen holte er sich den Sieg im Zeitfahren. Ein langer, harter Weg liegt hinter ihm
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"Ich bin die Nummer eins!" Tony Martin ist am Gipfel angekommen. Bei der WM 2011 in Kopenhagen holte er sich den Sieg im Zeitfahren. Ein langer, harter Weg liegt hinter ihm
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Tony Martins Profi-Karriere begann 2008 beim Team Columbia. Sein Abitur machte der gebürtige Cottbuser 2004 auf der Sportschule in Erfurt
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Tony Martins Profi-Karriere begann 2008 beim Team Columbia. Sein Abitur machte der gebürtige Cottbuser 2004 auf der Sportschule in Erfurt
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Teamchef Bob Stapleton (M.) hält viel vom ausgebildeten Polizeimeister. Bei der Tour 2009 unterstützte Martin Kapitän Michael Rogers (l.)
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Bei seiner Tour-Premiere sorgte Martin für Aufsehen. Auf der 3. Etappe übernahm er die Führung in der Nachwuchswertung
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Bei seiner Tour-Premiere sorgte Martin für Aufsehen. Auf der 3. Etappe übernahm er die Führung in der Nachwuchswertung
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Zwölf Tage lang fuhr er im Weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrers durch Frankreich - zumeist im Kreis seiner Teamkollegen
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Zwölf Tage lang fuhr er im Weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrers durch Frankreich - zumeist im Kreis seiner Teamkollegen
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Und für das Team Columbia gab es noch mehr zu feiern: Der Brite Mark Cavendish (r.) gewann sechs Etappen und führte zwischenzeitlich die Sprintwertung an
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Erst kurz vor Paris musste Martin das Weiße Trikot wieder abgegen. Nach der 15. Etappe war Andy Schleck in der Gesamtwertung besser. Der Luxemburger wurde am Ende Zweiter
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Erst kurz vor Paris musste Martin das Weiße Trikot wieder abgegen. Nach der 15. Etappe war Andy Schleck in der Gesamtwertung besser. Der Luxemburger wurde am Ende Zweiter
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Der persönliche Höhepunkt für Martin sollte aber noch folgen. Am vorletzten Tag kam er auf dem Mont Ventoux als Zweiter an - deutlich vor Lance Armstrong und Alberto Contador
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Der persönliche Höhepunkt für Martin sollte aber noch folgen. Am vorletzten Tag kam er auf dem Mont Ventoux als Zweiter an - deutlich vor Lance Armstrong und Alberto Contador
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Die größte Stärke von Martin ist der Kampf gegen die Uhr. Bei der WM 2009 im schweizerischen Mendrisio gewann er im Zeitfahren die Bronzemedaille
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Die größte Stärke von Martin ist der Kampf gegen die Uhr. Bei der WM 2009 im schweizerischen Mendrisio gewann er im Zeitfahren die Bronzemedaille
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Während der Tour 2010 blieb immer mal wieder Zeit für einen Plausch mit Landsmännern wie dem Milram-Kapitän Linus Gerdemann (r.)
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Während der Tour 2010 blieb immer mal wieder Zeit für einen Plausch mit Landsmännern wie dem Milram-Kapitän Linus Gerdemann (r.)
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Mark Cavendish (r.) weiß, bei wem er sich nach seinen Tour-Etappensiegen zu bedanken hat. Denn Martin gehört auch zu den Anfahrern für den Briten mit den schnellen Beinen
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Auch bei der Tour de France 2011 ein starkes Team: Mark Cavendish (l.) sicherte sich durch die Hilfe von Tony Martin das Grüne Trikot
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Auch bei der Tour de France 2011 ein starkes Team: Mark Cavendish (l.) sicherte sich durch die Hilfe von Tony Martin das Grüne Trikot
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Der Deutsche war bei der Tour 2011 ebenfalls erfolgreich. Er gewann das Einzelzeitfahren. Später konnte er diesen Erfolg bei der Vuelta 2011 wiederholen
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Ullrich will sich zeitnah zu der CAS-Entscheidung äußern. Bereits am Mittwoch hatte der frühere deutsche Radstar gesagt, dass das Urteil so oder so ein "Glückstag" für ihn sei. Dann könne er endlich mit der Vergangenheit abschließen. In den sechs Jahren habe er viel leiden müssen, bis hin zum Burnout.

Blutbeutel und Geldzahlungen an Fuentes

Der CAS sah in seinem Urteil die Verwicklung von Ullrich in den Skandal um Dopingarzt Eufemiano Fuentes als erwiesen an. 2006 waren beim spanischen Arzt unter anderem Blutbeutel sichergestellt worden, die per DNA-Abgleich Ullrich zugeordnet wurden. Das Bundeskriminalamt hatte außerdem wegen Geldzahlungen in Höhe von 80.000 Euro ermittelt. Im zivilrechtlichen Verfahren hatte Ullrich mit der Staatsanwaltschaft Bonn gegen Zahlung von 250.000 Euro eine Einstellung der Ermittlungen erwirkt.

Sportjuristisch war es nie zu einem Urteil gekommen, nachdem die Disziplinarkammer des Olympischen Komitees der Schweiz die Angelegenheit wegen fehlender Zuständigkeit im Februar 2010 zu den Akten gelegt hatte. Der Radsport-Weltverband UCI und Antidoping Schweiz schalteten daraufhin den CAS ein.

Beim Einspruch von Antidoping Schweiz erklärte sich der CAS für nicht zuständig, wohl aber bei dem der UCI. Insgesamt war das Urteil durch den Sportgerichtshof dreimal aufgeschoben worden.

BDR: Sperre gilt auch für Jedermann-Rennen

Damit ist Ullrich bereits zum zweiten Mal wegen eines Dopingvergehens verurteilt worden. 2002 war er während der Reha-Phase nach einer Knieoperation positiv auf Amphetamine getestet. Ullrich hatte den positiven Test mit der Einnahme einer Pille in einer Diskothek erklärt. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) sperrt ihn wegen Medikamentenmissbrauchs für sechs Monate.

Allzu groß dürfte Ullrich das Urteil nicht groß stören. Seine Karriere hat er längst beendet. Ein Zurück in die Branche, egal in welcher Position, soll es nicht mehr geben. Das hatte Ullrich klargestellt. Vielmehr will der Olympiasieger von 2000 seinem Hobby in Jedermann-Veranstaltungen nachkommen, was für Ullrich auch ein Weg aus der Isolation ist.

Doch auch da droht ihm Ungemach. Laut BDR Anti-Doping-Code gilt die Sperre auch für Jedermann-Veranstaltungen. Im Ullrich-Lager sieht man die Entwicklung dagegen gelassen. Sein Berater Falk Nier erklärte auf dapd-Anfrage: "Da gibt es keine konkreten Regeln. Das liegt meistens im Ermessen des Veranstalters. Bei dieser Regelung geht es in erster Linie um die offizielle Zeitmessung und das ist gar nicht das Ziel von Jan."

Ullrich: "Ich habe nie betrogen"

Nachdem sein Name im Zuge des Fuentes-Skandal 2006 gefallen war, hatte seine so ruhmreiche Karriere - neben dem Toursieg stand er sechs weitere Male in Paris auf dem Podium - von heute auf morgen ein jähes Ende gefunden. Unmittelbar vor dem Startschuss der Tour 2006 hatte das Team Telekom Ullrich aus dem Aufgebot gestrichen und suspendiert.

"Ich habe nie betrogen", wiederholte Ullrich stets, was wohl eher darauf abzielte, dass die gesamte Weltelite gedopt sei. Fortan hatte sich Ullrich in seine Schweizer Wahlheimat zurückgezogen. Kaum noch Sport, sein Pensum im Leistungssport von "35.000 Kilometer" jährlich schrumpfte auf "1000", dann das Erschöpfungssyndrom, das sicherlich auch in den juristischen Konfrontationen seine Ursache hatte.

"Mir ging es gesundheitlich schlecht", sagte er am Mittwoch. Nun hat er das dunkle Kapitel seiner Vergangenheit hinter sich gelassen.


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