Startschuss für Super-Team RadioShack-Nissan

SID
Freitag, 06.01.2012 | 17:47 Uhr
In der Saison 2012 will ein neues Team den Radsport aufmischen: RadioShack-Nissan
© Getty
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Mit dem großen Ziel Toursieg geht der neue Super-Rennstall RadioShack-Nissan in die Radsport-Saison 2012. Der langjährige Armstrong-Mentor Johan Bruyneel und der dreimalige Tourzweite Andy Schleck führen nach dem Zusammenschluss der beiden Teams Leopard und RadioShack den teuersten Radrennstall aller Zeiten an.

Mit dem dreimaligen Tourzweiten Andy Schleck und dem langjährigen Armstrong-Mentor Johan Bruyneel an der Spitze will das Team RadioShack-Nissan die Radsport-Welt in Grund und Boden fahren.

Entsprechend seinem Selbstverständnis hat Bruyneel auch schon gleich das klare Ziel ausgegeben. "Andy war bei der Tour dreimal Zweiter und 2010 ganz nah dran. Wir haben Fahrer, die in allen Rennen um den Sieg mitfahren können, aber unser Ziel ist der Toursieg", sagte der Belgier auf der Teampräsentation. Bruyneel hatte einst Lance Armstrong zu sieben und den Spanier Alberto Contador zu zwei Triumphen bei der Frankreich-Rundfahrt geführt.

Dafür steht ihm eine Ansammlung an hochkarätigen Stars zur Verfügung. Durch den Zusammenschluss der beiden Teams Leopard und RadioShack kämpfen nun die beiden Schleck-Brüder Andy und Fränk (Luxemburg), der viermalige Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara (Schweiz), der zweimalige Tour-Zweite Andreas Klöden (Mittweida) sowie die wichtigen Edelhelfer wie Haimar Zubeldia (Spanien) oder Jaroslaw Popowitsch (Ukraine) nicht mehr gegen- sondern miteinander.

40-jähriger Voigt hofft auf 15. Tour-Teilnahme

Altmeister Jens Voigt, mittlerweile schon 40 Jahre alt, darf bei dem ehrgeizigen Radsport-Projekt, das mehr als 20 Millionen Euro pro Jahr verschlingen soll, auch mitmachen. Und der Berliner hat trotz der großen Konkurrenz seine 15. Tour-Teilnahme im Visier. Neben Voigt und Klöden gehören dem Team auch noch die beiden Deutschen Linus Gerdemann (Münster) und Robert Wagner (Magdeburg) an.

Und im Hintergrund mischt in Armstrong natürlich ein alter Bekannter mit. Seine Krebsstiftung Livestrong tritt als Co-Sponsor. Da ist es wenig verwunderlich, dass das neue Konstrukt nicht überall Anhänger findet. Denn auf welchen Grundlagen die jahrelange Herrschaft von Armstrong und Bruyneel wohl basierte, wurde bei den Doping-Ermittlungen in den USA mehr und mehr deutlich.

Für Geschäftsmann Becca zählt nur der Erfolg

Dem millionenschweren Geschäftsmann Flavio Becca ist das ziemlich egal, der Unternehmer aus Luxemburg will den größtmöglichen Erfolg. Nachdem das Projekt Toursieg 2011 gescheitert war und die beiden Schleck-Brüder neben Toursieger Cadel Evans (Australien) in Paris "nur" die Plätze zwei und drei belegt hatten, musste Teamchef Brian Nygaard gehen. Bereits einen Tag nach dem Tourfinale gab es die ersten Kontakte zu Bruyneel.

Entstanden ist ein neues Super-Team mit 30 Fahrern aus 14 Nationen. Eine Entwicklung, die etwa der frühere Highroad-Sportdirektor Rolf Aldag scharf kritisierte. Negativ für den Radsport sei das. Er könne nur hoffen, dass sie über das viele Geld stolpern werden, meinte der Westfale, der sich nach dem Aus seines Teams in den Triathlon-Sport verabschiedete und künftig nur noch als Berater von Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin auf der Radsport-Bühne zu sehen sein wird.

"Es ist eine Ehre für mich"

Stattdessen sollen 2012 die Trikots der RadioShack-Fahrer zu sehen sein, insbesondere das von Andy Schleck. "Ich bin zuversichtlich. Es ist eine Ehre für mich, so viele erfahrene Fahrer an meiner Seite zu haben", sagte Andy Schleck, der nach eigenen Angaben an seinen Zeitfahr-Fähigkeiten gearbeitet habe. Bruyneels Aufgabe wird es nun sein, dem schnellsten Brüderpaar der Szene Erfolgsdenken zu vermitteln.

Dass es mit dem Toursieg bislang nicht geklappt hat, lag auch daran, dass die beiden Luxemburger stets zu sehr Rücksicht aufeinander genommen hatten. Ein schweres Unterfangen wartet da auf den Belgier, beim ersten Trainingslager in Calpe hat sich das Schleck-Duo jedenfalls geweigert, getrennte Zimmer zu beziehen.

Und die Streckenführung der Tour ist dem jüngeren Schleck angesichts der vielen Zeitfahrkilometer auch nicht gerade auf den Leib geschneidert. Gut möglich, dass dies Klöden ("Mein Traum bleibt, eine große Rundfahrt zu gewinnen.") in die Karten spielen könnte. Dafür darf Schleck womöglich bald seinen ersten Toursieg bejubeln. Sollte Contador Mitte Januar vom Internationalen Sportgerichtshof CAS wegen Dopings gesperrt werden, fiele Schleck der Toursieg 2010 in den Schoß.

Voigt wohl vor letzter Saison im Radsport

Altmeister Jens Voigt wird vermutlich Ende des Jahres seine Radsport-Karriere beenden. "Wahrscheinlich wird es die letzte Saison sein. Definitiv möchte ich das aber nicht sagen. Vielleicht hält der Motor auch länger als der Kopf", sagte der zweimalige Deutschland-Tour-Sieger am Rande der Radioshack-Nissan-Teampräsentation der Nachrichtenagentur dapd. Voigt ist mit 40 Jahren der älteste Fahrer in der WorldTour.

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