Zwölf Jahre am Rollstuhl gefesselt

Van der Vorst: Wundersame Heilung

SID
Samstag, 31.12.2011 | 12:14 Uhr
Monique van der Vorst wird 2012 wieder professionell Rad fahren
© Imago
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Wenn Monique van der Vorst an das Jahr 2011 zurückdenkt, fühlt sie sich immer noch wie in einem Traum. Gut zwölf Monate ist es her, da befand sie sich noch am Anfang ihrer Rehabilitation.

Sie musste nach einer wundersamen Heilung das Gehen neu erlernen, alltägliche Dinge des Lebens waren völlig neu für sie. Beharrlich kämpfte sie sich Tag für Tag in die Normalität zurück.

Ein Jahr später ist ihr persönliches Märchen um ein weiteres Kapitel reicher. Der renommierte niederländische Frauen-Radrennstall Rabobank nahm sie für 2012 unter Vertrag.

Schicksalsschlag mit 13 Jahren

Was war passiert? Monique war ein völlig normales Mädchen, als sie mit 13 Jahren einen schweren Schicksalsschlag erlitt. Sie hatte Probleme beim Gehen und musste operiert werden. Doch es wurde nicht besser. Wie sich herausstellte, litt van der Vorst unter Muskeldystrophie.

Eines ihrer Beine schwoll derart dick an, dass sogar eine Beinamputation drohte. In jener Zeit begann sie mit dem Handbikesport, was sich als Glücksfall erwies. Die erhöhte Blutzirkulation soll dazu geführt haben, dass ihre Schwellung zurückging.

Doch ihr linkes Bein war gelähmt, und das rechte Knie funktionierte auch nicht mehr richtig. Das muntere Mädchen aus Gouda war von einem Tag auf den anderen am Rollstuhl gefesselt. "Es war der Horror. Alle meine Freunde waren normal, nur ich saß im Rollstuhl. Ich brauchte drei Jahre, um meine Behinderung zu akzeptieren."

Van der Vorst holte Siege wie am Fließband

Der Sport half ihr aus der Lebenskrise. Wie besessen trainierte sie auf ihrem Handbike, und gewann Rennen für Rennen: Sie wurde Europameisterin, Weltmeisterin, stellte Weltrekorde auf, und, und, und.

Doch das Schicksal meinte es wieder nicht gut mit ihr. Beim Training in den USA wurde sie im April 2008 von einem Auto angefahren. Van der Vorst wurde am Rückenmark verletzt. Von da an waren ihre beiden Beine gelähmt. Doch Aufgeben war nicht ihr Ding.

"Ich hatte ein großes Ziel, das waren die Paralympics in Peking", erklärt van der Vorst. Und tatsächlich kämpfte sich die querschnittsgelähmte Ausnahmeathletin wieder heran und gewann in der chinesischen Hauptstadt zwei Silbermedaillen.

Ehrgeizig verfolgte die Studentin weiter ihre Ziele. Van der Vorst gewann, was es im Behindertensport in ihrer Kategorie zu gewinnen gab. Auch im Triathlon war sie eine Klasse für sich.

Doch der nächste Rückschlag sollte im Frühjahr 2010 folgen. Beim Training auf Mallorca kollidierte sie mit einem Radfahrer. Eine Verletzung konnten die Ärzte nicht finden, doch schreckliche Krämpfe machten ihr von da an das Leben zur Hölle.

"Wunder von Mallorca"

Dreieinhalb Monate lag sie im Krankenhaus, als auf einmal das Wunder geschah. "Ich war frustriert, weil ich nur noch meine Hände benutzen konnte. Doch plötzlich spürte ich ein Kribbeln in meinen Füßen", schildert die Blondine das medizinische Wunder.

Den Ärzten fehlte jegliche Erklärung. Im Juli 2010 legte van der Vorst nach zwölf Jahren ihre ersten Schritte zu Fuß zurück. Für sie fing das Leben noch einmal von vorne an.

Monate später setzte sie sich auch wieder aufs Fahrrad, so wie vor gut 13 Jahren. Und van der Vorst trainierte mit jener Besessenheit, die sie einst zu eine der besten Behindertensportlerinnen der Welt gemacht hatte.

Der Traum von den Paralympics in London 2012 ist nun geplatzt, van der Vorst wird es verschmerzen können. Nun will sich die 27-Jährige im Frauen-Radsport durchsetzen, an der Seite der mehrfachen Weltmeisterin Marianne Vos bei Rabobank.

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