Martin: "Platz zwei wäre eine Enttäuschung"

SID
Dienstag, 20.09.2011 | 13:28 Uhr
Tony Martin ist Favorit auf den Gewinn der Goldmedaille im Zeitfahren der Rad-WM
© Getty
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Mission Gold: Tony Martin hat bei der Straßenrad-WM in Kopenhagen im Zeitfahren (Mi., 15 Uhr im LIVE-TICKER) nur den Titel als Ziel - selbst die Silbermedaille wäre ihm zu wenig. Der gebürtige Cottbuser geht als Favorit an den Start, aber auch Teamkollege Bert Grabsch ist nicht zu unterschätzen.

Ein "Schuss ins Blaue" soll für Tony Martin mit einer Goldmedaille um den Hals enden. Denn für ihn wäre am Mittwoch im Einzelzeitfahren der Straßenrad-Weltmeisterschaft schon ein zweiter Platz eine Niederlage. Nicht anderes als der Sieg ist Martins Ziel beim letzten Saisonhöhepunkt in Kopenhagen. "Silber wäre eine Enttäuschung", sagt der gebürtige Cottbuser unumwunden vor seiner persönlichen Mission Gold.

2009 und 2010 hatte Martin jeweils WM-Bronze gewonnen, damals war er jedoch nicht als Top-Favorit ins Rennen gegangen. Diese Rolle hatte der Schweizer Fabian Cancellara inne, der bereits viermal den Zeitfahrtitel geholt hat und lange als nahezu unschlagbar galt.

Doch die Ausgangslage hat sich verändert. Martin hat Cancellara sowohl bei der Tour de France als auch bei der Vuelta in Spanien deutlich hinter sich gelassen. Er gewann die bisher wichtigsten Zeitfahren der Saison und ist nun der Gejagte. "Ich nehme die Favoritenrolle an, ich habe gelernt, damit zu leben", sagt Martin.

Der Kurs passt nicht perfekt zu Martin

Allerdings könnte ihm der Kurs in der dänischen Hauptstadt einen Strich durch die Rechnung machen. Die 46,4 Kilometer lange Strecke ist topfeben und mit einigen engen Kurven gespickt - nicht das ideale Terrain für Martin, der es lieber hügeliger mag.

"Es ist schon ein kleiner Dämpfer für mich. Die Rennen, die ich gewonnen habe, waren schwerer", sagt er. Zudem beklagt sich der Deutsche über die offenbar mangelhafte Präparation des Kurses. Dieser sei als manchen Stellen sehr dreckig. "Das ist mir schon unverständlich, warum die Strecke teilweise nicht gereinigt ist".

Dennoch behält Martin Gold fest im Visier. Er glaubt, mit den Umständen zurechtzukommen, sich arrangieren zu können. "Ich bin viel selbstbewusster und selbstsicherer geworden, habe mental einen großen Sprung gemacht." Das sei im Vergleich sogar noch wichtiger als die körperliche Komponente. "Man braucht aber auch Glück und Risikobereitschaft", sagt Martin.

Traum vom Rundfahrt-Erfolg erst einmal ausgeträumt

Für die Vorbereitung auf die WM hat er anders als in den letzten Jahren mit der Vuelta eine dreiwöchige Landesrundfahrt gewählt. Diese "neue Situation" habe auch Testcharakter für die kommende Saison.

Da sind die Olympischen Spiele in London Martins großes Ziel und die Tour de France soll dann zum Formaufbau dienen. "Die Vorbereitung war diesmal ein Schuss ins Blaue. Wenn jetzt etwas schief gehen sollte, haben wir noch ein Jahr Zeit, um das zu korrigieren", sagt er.

Von seinen großen Rundfahrtambitionen hat er sich zunächst verabschiedet: "Der Traum von einer Top-Ten-Platzierung bei der Tour ist erst mal aufgeschoben. Ich habe zwei große Enttäuschungen hinter mir und die Entscheidung dann auch früh getroffen. Ich habe gesehen, wie schön es ist, einen Etappensieg zu erringen und ich weiß nicht, ob mir ein siebter oder achter Platz mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung bringt", sagte Martin.

Cancellara, Wiggins - oder Grabsch?

Bei der WM zählen neben Cancellara die Briten Bradley Wiggins und David Millar zu den härtesten Rivalen des deutschen Sieganwärters. Aber auch Bert Grabsch könnte ein Wörtchen mitreden. Der Zeitfahrweltmeister von 2008 ist so etwas wie das "dark horse" - ein Fahrer, den nur wenige auf der Rechnung haben, der aber für einen Spitzenplatz infrage kommt.

"Viele unterschätzen mich", sagt der 36-jährige Grabsch: "Das sollten sie aber nicht, denn ich bin immer für eine Überraschung gut. Der Kurs liegt mir sehr." Grabsch sagt das mit großer Überzeugung und womöglich kann er seinen Coup von den deutschen Meisterschaften wiederholen. Da besiegte Grabsch Tony Martin. Er ist übrigens der einzige, dem das in dieser Saison bei einem Einzelzeitfahren geglückt ist.

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