Nach HTC-Auflösung

Mehrere Interessenten für Martin und Degenkolb

SID
Freitag, 05.08.2011 | 17:07 Uhr
Bei Tour-Etappensieger Tony Martin (l.) stehen die Teams Schange
© Getty
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Nach dem Aus des erfolgreichsten Radsportteams der Welt kommt Jörg Werner kaum noch zur Ruhe. Der Manager der beiden HTC-Profis Tony Martin und John Degenkolb wird mit Anfragen überhäuft.

"Seit Donnerstagnachmittag steht mein Telefon nicht mehr still. Beide werden eine große Auswahl haben, was ihr neues Team angeht", sagte Werner. Auch Sportchef Rolf Aldag muss sich wenig Sorgen machen, er hat angeblich ein Angebot vorliegen.

Am Donnerstagabend hatte Teambesitzer Bob Stapleton bekanntgegeben, dass der HTC-Rennstall am Ende der Saison aufgelöst wird.

Der US-Unternehmer hatte erfolglos nach einem neuen Hauptsponsor gesucht, auch eine Fusion mit einem anderen Team scheiterte in letzter Sekunde.

Hiobsbotschaft kam am Montag

Die Fahrer waren laut Stapleton bereits am Montag davon unterrichtet worden, dass die Mannschaft vor dem Aus steht. Dennoch kam die Nachricht für Tour-Etappensieger Martin und Degenkolb überraschend.

Noch am letzten Tag der 98. Tour de France hatte Stapleton in Paris verkündet, dass er unmittelbar vor einem Abschluss stehe. Man werde in den kommenden drei Jahren sogar über mehr Geld verfügen.

Am Sonntagabend erreichte Stapleton per E-Mail jedoch die Absage des potentiellen Geldgebers. Am Mittwoch scheiterten die letzten Gespräche über eine Vertragsverlängerung mit HTC, 24 Stunden später platzte die Fusion mit einem anderen Team.

Erstaunlich, dass ausgerechnet HTC-Highroad, hervorgangen aus dem ehemaligen T-Mobile-Rennstall, keine neuen, zahlungskräftigen Unterstützer fand.

Die Mannschaft um Cavendish, der schon seit Beginn seiner Profikarriere 2007 für Stapleton fuhr, war in den vergangenen Jahren immerhin eine der weltbesten. Seit seiner Gründung von Highroad im Jahr 2008 gewannen die Fahrer des Teams 484 Rennen, davon 54 Etappen bei den drei großen Rundfahrten Tour de France, Giro d'Italia und Vuelta (Spanien).

Cavendish wechselt offenbar zu Sky

Die Suche nach einem neuen Arbeitplatz dürfte Supersprinter Mark Cavendish am leichtesten fallen. Der Engländer, der insgesamt 20 Tour-Etappen gewonnen hat und in diesem Jahr auch das Grüne Trikot, wird seit geraumer Zeit ohnehin schon mit dem Sky-Team in Verbindung gebracht.

Stapleton bestritt, dass der drohende Abgang von Cavendish sich auf die am Ende erfolglosen Bemühungen um neue und potente Geldgeber ausgewirkt habe. "Das war kein entscheidender Faktor bei der Suche nach einem neuen Sponsor", sagte der Amerikaner.

HTC in der Zwickmühle

Zwei andere Faktoren dürften das Ende für Stapletons Rennstall beschleunigt haben. Der Amerikaner beklagte zum einen den "Aufstieg der Superteams, die ein Budget jenseits von 20 Millionen Euro" hätten.

HTC-Highroad sei dadurch in eine Zwickmühle geraten: "Du willst, dass dein Team weiter auf einer Führungsebene in diesem Sport ist, und dafür benötigst du substantiell mehr Geld." Dieses Geld könne er eben nicht mehr aufbringen, sagte Stapleton. Und somit sei es besser, jeden eigene Wege gehen zu lassen und Erfolg zu haben.

HTC zahlte zehn Millionen Euro jährlich, womit die Mannschaft laut Stapleton eher zu den Mittelgewichten zählte.

Martin und Degenkolb suchen nach sportlicher Perspektive

Während Cavendish vermutlich schon bei Sky unterschrieben hat, werden Martin und Degenkolb in den kommenden Tagen ihre Zukunft planen. Der 36 Jahre alte Zeitfahrspezialist Bert Grabsch dürfte es hingegen schwer haben, woanders unterzukommen.

Martin und Degenkolb wollen auf jeden Fall in der WorldTour bleiben. "Allein mit Blick auf die Olympischen Spiele in London sollte man schon die Tour de France bestreiten", sagte Werner.

Seinen Schützlingen gehe es bei den Verhandlungen weniger ums Geld, sondern eher um die sportliche Perspektive. Gerade beim Zeitfahrspezialisten Martin spielt die Qualität des Materials eine große Rolle.

Aldag und Zabel zu Sky?

Ob beide Profis im Paket wechseln werden, ist ebenfalls offen. Interessenten dafür gebe es laut Werner, doch der eine werde seine Zukunft nicht von der Entscheidung des anderen abhängig machen. Man wolle vor allem in Ruhe entscheiden und habe sich deshalb auch bewusst kein Ultimatum gesetzt.

Ihren jetzigen Sportchef Rolf Aldag könnten die beiden Profis unter Umständen wiedertreffen. Brian Holm, Sportlicher Leiter bei HTC, hatte während der Tour ausgeplaudert, dass es ein Paket-Angebot für Aldag, Berater Zabel sowie einige Fahrer gebe. Die Zeichen deuten darauf hin, dass es sich um das Team Sky handeln könnte.

Was bleibt, ist eine paradoxe Lehre aus dem Fall HTC. Auf der einen Seite gibt es immer weniger Unternehmen, die ein Engagement im von Dopingskandalen gebeutelten Radsport wagen. Auf der anderen Seite müssen die Sponsoren immer tiefer in die Tasche greifen, damit ihr Team konkurrenzfähig ist.

Der Radsportkalender 2011

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