Cipollini: "Er war ein Freund von uns allen"

Etappe unter Tränen: Profis gedenken Weylandt

SID
Dienstag, 10.05.2011 | 20:02 Uhr
Die Risiken des Radsports: Ex-Sprintkönig Mario Cipollini ist nach dem Unglück schockiert
© Getty
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Keine Siegerehrung und Trauerflor: Nach dem Unglück auf der gestrigen Etappe des Grio d'Italia wurde die vierte Etappe neutralisiert und ging nicht in die Gesamtwertung ein.

Als die Fahrer des Leopard-Teams mit Tränen in den Augen geschlossen über die Ziellinie rollten, läuteten in Livorno die Glocken. Mit den trauernden Teamkollegen des tödlichen verunglückten Belgiers Wouter Weylandt an der Spitze beendeten die sichtlich mitgenommenen Radprofis eine Etappe, die in die Geschichte des Giro d'Italia eingehen wird.

Tränen, Schweigen und Bestürzung statt des üblichen Spektakels bestimmten am Dienstag das Bild in der italienischen Küstenstadt.

"Ich bin schockiert und es ist für mich einfach unfassbar. Ich finde keine Worte, um meine Gefühle über Wouters Tod auszudrücken", meinte Fabian Wegmann, der die letzten Meter Arm in Arm mit seinen sieben verbliebenen Teamkollegen absolvierte. Der 30-Jährige aus Münster hatte beim Giro das Zimmer mit dem verunglückten Belgier geteilt: "Wouter war ein Freund."

Keine normale Etappe

"Das war für uns alle keine normale Etappe. Wir widmen Wouter diesen Tag, wir sind nur ihm zu Ehren gefahren", sagte der italienische Meister Giovanni Visconti stellvertretend für das gesamte Feld: "Wir wollten die Trauer mit der Radsportfamilie teilen. Nur deshalb sind wir heute gefahren."

Die vierte Etappe war zuvor neutralisiert worden und ging nicht in die Gesamtwertung ein. Jedes Team führte jeweils für zehn Kilometer das Feld an, zudem gab es wie schon am Montag keine Siegerehrung, die Fahrer trugen Trauerflor.

Trauermarsch von einer Militärkapelle

Begonnen hatte die traurige Etappe mit einer Schweigeminute, die wohl keiner der Beteiligten so schnell vergessen wird. Im Hafen von Genua spielte eine Militärkapelle einen Trauermarsch, ehe Fahrer, Zuschauer und Offizielle zum Teil mit Tränen in den Augen des Toten gedachten.

Anschließend ging es für den von Weylandts Leopard-Team angeführten Tross in Richtung Livorno, am Straßenrand erinnerten immer wieder Fans mit Weylandts Rückennummer "108" in den Händen und riesigen Trikots an den 26-Jährigen.

Weylandts Vater hatte zuvor die Mannschaft gebeten, weiter zu fahren. Anschließend besuchte die Familie die Unglücksstelle am Bocco-Pass. Die Eltern des Belgiers und seine schwangere Freundin Anne-Sophie, die im September das gemeinsame Kind erwartet, legten am Straßenrand Blumen nieder. Die Angehörigen waren noch am Montagabend wenige Stunden nach der traurigen Nachricht nach Mailand geflogen.

Garzelli stellt die Sinnfrage

"Das ist ein unglaubliches Unglück. Er war ein Freund von uns allen", sagte Ex-Sprintstar Mario Cipollini: "Diese Nachricht ist so unglaublich traurig. Aber das ist der Sport. Wir wissen, dass wir Risiken auf uns nehmen." Stefano Garzelli stellte gar die Sinnfrage: "Ich habe drei Kinder. Da denkt man sich schon: 'Was mache ich hier überhaupt?'"

Weylandt hatte am Montag bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über sein Rad verloren und war mit dem Kopf auf den Asphalt aufgeschlagen. Der Belgier erlag an der Unfallstelle einem Schädelbasisbruch und schweren Gesichtsverletzungen. "Er starb sofort und musste nicht leiden", zitiert die italienische Nachrichtenagentur Ansa den Rechtsmediziner Armando Mannucci.

Im Rosa Trikot des Gesamtführenden fährt weiterhin der schottische Zeitfahr-Spezialist David Millar (Garmin). Am Mittwoch geht es auf der 5. Etappe über 191 Kilometer von Piombino nach Orvieto. Die Rundfahrt endet nach 21 Teilstücken am 29. Mai mit einem Einzelzeitfahren traditionell in Mailand.

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