Freitag, 09.07.2010

Radsport

LeMond und Landis belasten Armstrong erneut

Floyd Landis hat seine Doping-Anschuldigungen gegen seinen früheren Teamkollegen Lance Armstrong bekräftigt. Auch Greg LeMond berichtet über zweifelhafte Äußerungen des US-Stars.

Erneut das Ziel schwerer Vorwürfe: Lance Armstrong
© Getty
Erneut das Ziel schwerer Vorwürfe: Lance Armstrong

Lance Armstrong wird die dunklen Schatten seiner Vergangenheit nicht los und steht erneut im Mittelpunkt massiver Doping-Anschuldigungen. Der dreimalige Toursieger Greg LeMond bezichtigte den Texaner erstmals öffentlich des Epo-Dopings, und auch Floyd Landis setzte mit neuen Vorwürfen seinen persönlichen Rachefeldzug gegen Armstrong und Co. fort.

Unterdessen wurde der ebenfalls schwer belastete Teamchef Johan Bruyneel bereits vom belgischen Radsport-Verband verhört - Armstrongs Mentor stritt alles ab.

"Ich habe Lance mal erzählt, hätte ich Epo genommen, dann hätte ich wohl mit acht Minuten anstatt mit acht Sekunden Vorsprung die Tour 1990 gewonnen. Daraufhin sagte Armstrong: 'Komm, jeder nimmt doch Epo'. So war das Gespräch mit Armstrong", sagte LeMond der "ARD". Der frühere Tour-Champion hatte sich in der Vergangenheit schon des Öfteren als Armstrong-Kritiker hervorgetan, in dieser Deutlichkeit aber noch nie.

Tour de France 2010 - Das sind die Favoriten
ALBERTO CONTADOR (27/ Team Astana): Der Spanier gewann die Tour bei seinen letzten beiden Starts. Am Berg kaum zu schlagen, gehört er auch im Zeitfahren zu den Stärksten
© Getty
1/9
ALBERTO CONTADOR (27/ Team Astana): Der Spanier gewann die Tour bei seinen letzten beiden Starts. Am Berg kaum zu schlagen, gehört er auch im Zeitfahren zu den Stärksten
/de/sport/diashows/tour-de-france-2010/tour-favoriten/tour-de-france-armstrong-contador-schleck-evans-mentschow-rogers-wiggins-sastre.html
LANCE ARMSTRONG (38/ Team RadioShack): Der US-Amerikaner dominierte die Große Schleife von 1999 bis 2006. Sein Comeback 2009 war mit Platz drei vielversprechend
© Getty
2/9
LANCE ARMSTRONG (38/ Team RadioShack): Der US-Amerikaner dominierte die Große Schleife von 1999 bis 2006. Sein Comeback 2009 war mit Platz drei vielversprechend
/de/sport/diashows/tour-de-france-2010/tour-favoriten/tour-de-france-armstrong-contador-schleck-evans-mentschow-rogers-wiggins-sastre,seite=2.html
ANDY SCHLECK (25/ Saxo Bank): Der Luxemburger (l., daneben Bruder Frank) stand schon bei Tour und Giro auf dem Podium und ist Topfavorit auf den Sieg in der Nachwuchswertung
© Getty
3/9
ANDY SCHLECK (25/ Saxo Bank): Der Luxemburger (l., daneben Bruder Frank) stand schon bei Tour und Giro auf dem Podium und ist Topfavorit auf den Sieg in der Nachwuchswertung
/de/sport/diashows/tour-de-france-2010/tour-favoriten/tour-de-france-armstrong-contador-schleck-evans-mentschow-rogers-wiggins-sastre,seite=3.html
CADEL EVANS (33/ BMC Racing): Der Australier kommt über den Kampf gegen die Uhr, doch der große Wurf ist ihm bei der Tour noch nicht gelungen. Vielleicht als Weltmeister?
© Getty
4/9
CADEL EVANS (33/ BMC Racing): Der Australier kommt über den Kampf gegen die Uhr, doch der große Wurf ist ihm bei der Tour noch nicht gelungen. Vielleicht als Weltmeister?
/de/sport/diashows/tour-de-france-2010/tour-favoriten/tour-de-france-armstrong-contador-schleck-evans-mentschow-rogers-wiggins-sastre,seite=4.html
CARLOS SASTRE (35/ Cervelo Test Team): Der Spanier siegte vor zwei Jahren dank seines Husarenritts nach L'Alpe d'Huez. Seither knüpfte er nicht mehr an seine frühere Form an
© Getty
5/9
CARLOS SASTRE (35/ Cervelo Test Team): Der Spanier siegte vor zwei Jahren dank seines Husarenritts nach L'Alpe d'Huez. Seither knüpfte er nicht mehr an seine frühere Form an
/de/sport/diashows/tour-de-france-2010/tour-favoriten/tour-de-france-armstrong-contador-schleck-evans-mentschow-rogers-wiggins-sastre,seite=5.html
BRADLEY WIGGINS (30/ Sky): Der Brite war der Überraschungsmann bei der vergangenen Tour, die er auf Platz vier beendete. Zählt zu den besten Zeitfahrern im Radzirkus
© Getty
6/9
BRADLEY WIGGINS (30/ Sky): Der Brite war der Überraschungsmann bei der vergangenen Tour, die er auf Platz vier beendete. Zählt zu den besten Zeitfahrern im Radzirkus
/de/sport/diashows/tour-de-france-2010/tour-favoriten/tour-de-france-armstrong-contador-schleck-evans-mentschow-rogers-wiggins-sastre,seite=6.html
IVAN BASSO (32, Team Liquigas): Kommt als Giro-Sieger zur Tour und ist voller Selbstbewusstsein: "Ich will gewinnen. Ich trage die Tour in meinem Herzen."
© Getty
7/9
IVAN BASSO (32, Team Liquigas): Kommt als Giro-Sieger zur Tour und ist voller Selbstbewusstsein: "Ich will gewinnen. Ich trage die Tour in meinem Herzen."
/de/sport/diashows/tour-de-france-2010/tour-favoriten/tour-de-france-armstrong-contador-schleck-evans-mentschow-rogers-wiggins-sastre,seite=7.html
MICHAEL ROGERS (30/ Team HTC-Columbia): Der Australier war schon dreimal Weltmeister im Zeitfahren. Doch am Berg verliert er häufig Zeit auf die Konkurrenz
© Getty
8/9
MICHAEL ROGERS (30/ Team HTC-Columbia): Der Australier war schon dreimal Weltmeister im Zeitfahren. Doch am Berg verliert er häufig Zeit auf die Konkurrenz
/de/sport/diashows/tour-de-france-2010/tour-favoriten/tour-de-france-armstrong-contador-schleck-evans-mentschow-rogers-wiggins-sastre,seite=8.html
DENIS MENTSCHOW (32/ Team Rabobank): Der Russe gewann schon den Giro und dominierte 2005 und 2007 bei der Vuelta. Bei der Tour war er 2003 bester Nachwuchsfahrer
© Getty
9/9
DENIS MENTSCHOW (32/ Team Rabobank): Der Russe gewann schon den Giro und dominierte 2005 und 2007 bei der Vuelta. Bei der Tour war er 2003 bester Nachwuchsfahrer
/de/sport/diashows/tour-de-france-2010/tour-favoriten/tour-de-france-armstrong-contador-schleck-evans-mentschow-rogers-wiggins-sastre,seite=9.html
 

Landis: Doping bei US-Postal an der Tagesordnung

So gestaltet sich die dreizehnte und letzte Tour de France alles andere als ruhig für Armstrong. Es vergeht kaum ein Tag ohne neue Anschuldigungen und pikante Details. Und mittendrin ist erneut Landis, der bereits im Mai mit seinem Doping-Geständnis ein kleines Erdbeben in der Radsport-Welt ausgelöst hatte.

Zum Tour-Start in Rotterdam hatte der frühere Radprofi, dem der Toursieg 2006 nach einer positiven Dopingkontrolle aberkannt worden war, in einem Bericht des "Wall Street Journals" über systematisches Blutdoping bei US-Postal berichtet.

Epo, Bluttransfusionen und Testosteron seien an der Tagesordnung gewesen. Sogar Rennräder sollen für die Beschaffung von unerlaubten Mitteln verkauft worden sein.

Am Donnerstag zitierte nun die "ARD" aus E-Mails, die direkt von Landis an Armstrong gerichtet waren. "Mr. Armstrong, ich sage Ihnen in aller Deutlichkeit, dass ich Sie und unsere früheren Mannschaftskameraden beschuldige, Blutdoping betrieben und Dopingmittel genommen zu haben, so dass Sie dreimal die Tour de France gewinnen konnten", hieß es in einer E-Mail.

"Das Publikum wurde betrogen"

Ferner berichtete Landis nun, wie Armstrong ihm erklärt habe, warum Bluttransfusionen nötig seien, weil der neue Epo-Test so lästig sei.

Nachdem Armstrong mehrmals die Glaubwürdigkeit von Landis infrage gestellt hatte, richtete dieser eine weitere Email an Armstrong: "Bitte hören Sie mit Ihren Drohungen auf und erstatten Sie stattdessen Strafanzeige. Die Anschuldigungen sind begründet. Das Publikum wurde betrogen."

Angesprochen auf die Vorwürfe hatte Armstrong stets nach dem selben Schema reagiert und den alten Teamkollegen diskreditiert. "Landis' Glaubwürdigkeit ist wie eine Tüte saure Milch. Wenn man den ersten Schluck genommen hat, weiß man, dass der Rest auch schlecht ist", hatte Armstrong zum Tour-Auftakt gesagt und die Anschuldigungen als "glatte Lüge" abgetan.

Bilder des Tages - 9. Juli
Lust aufs Training sieht anders aus: Die Fußball-Profis Tim Cahill, Leon Osman und Phil Neville schauen lieber ihren FC-Everton-Mitspielern zu, wie sie sich abmühen
© Getty
1/7
Lust aufs Training sieht anders aus: Die Fußball-Profis Tim Cahill, Leon Osman und Phil Neville schauen lieber ihren FC-Everton-Mitspielern zu, wie sie sich abmühen
/de/sport/diashows/1007/bilder-des-tages/0907/tim-cahill-fc-everton-hanley-ramirez-lebron-james-miami-heat-jd-fortune-supercars-ichiro-suzuki.html
Unlust scheint derzeit weit verbreitet zu sein: Auch beim Football-Training der Sydney Swans gibt's lange Gesichter. Mitten drin: Adam Goodes
© Getty
2/7
Unlust scheint derzeit weit verbreitet zu sein: Auch beim Football-Training der Sydney Swans gibt's lange Gesichter. Mitten drin: Adam Goodes
/de/sport/diashows/1007/bilder-des-tages/0907/tim-cahill-fc-everton-hanley-ramirez-lebron-james-miami-heat-jd-fortune-supercars-ichiro-suzuki,seite=2.html
Zumindest einer verbreitet gute Laune: Das Maskottchen der Southland Stags. Es unterstützte sein Rugby-Team beim ITM-Cup gegen North Otago
© Getty
3/7
Zumindest einer verbreitet gute Laune: Das Maskottchen der Southland Stags. Es unterstützte sein Rugby-Team beim ITM-Cup gegen North Otago
/de/sport/diashows/1007/bilder-des-tages/0907/tim-cahill-fc-everton-hanley-ramirez-lebron-james-miami-heat-jd-fortune-supercars-ichiro-suzuki,seite=3.html
Die Musiker Kirk Pengilly (l.) und J.D. Fortune schauten beim V8-Supercar-Training vorbei und ließen keine Fotowünsche offen
© Getty
4/7
Die Musiker Kirk Pengilly (l.) und J.D. Fortune schauten beim V8-Supercar-Training vorbei und ließen keine Fotowünsche offen
/de/sport/diashows/1007/bilder-des-tages/0907/tim-cahill-fc-everton-hanley-ramirez-lebron-james-miami-heat-jd-fortune-supercars-ichiro-suzuki,seite=4.html
Achtung, ducken: MLB-Profi Ichiro Suzuki von den Seattle Mariners steckte nicht auf, sondern versuchte noch, den Foulball der New York Yankees zu erwischen. Voller Einsatz eben
© Getty
5/7
Achtung, ducken: MLB-Profi Ichiro Suzuki von den Seattle Mariners steckte nicht auf, sondern versuchte noch, den Foulball der New York Yankees zu erwischen. Voller Einsatz eben
/de/sport/diashows/1007/bilder-des-tages/0907/tim-cahill-fc-everton-hanley-ramirez-lebron-james-miami-heat-jd-fortune-supercars-ichiro-suzuki,seite=5.html
Das MLB-Team der Florida Marlins um Hanley Ramirez hingegen interessierte sich weniger für das Spiel als für den Wechsel LeBron James' zu den Miami Heat
© Getty
6/7
Das MLB-Team der Florida Marlins um Hanley Ramirez hingegen interessierte sich weniger für das Spiel als für den Wechsel LeBron James' zu den Miami Heat
/de/sport/diashows/1007/bilder-des-tages/0907/tim-cahill-fc-everton-hanley-ramirez-lebron-james-miami-heat-jd-fortune-supercars-ichiro-suzuki,seite=6.html
Die Heat-Fans reagierten nach James' live übertragener Entscheidung für Miami mit Applaus
© Getty
7/7
Die Heat-Fans reagierten nach James' live übertragener Entscheidung für Miami mit Applaus
/de/sport/diashows/1007/bilder-des-tages/0907/tim-cahill-fc-everton-hanley-ramirez-lebron-james-miami-heat-jd-fortune-supercars-ichiro-suzuki,seite=7.html
 

Franke stärkt Landis den Rücken

Dopingexperte Werner Franke schenkt den Aussagen von Landis dagegen Glauben. "Floyd Landis hat Angst, dass er in die Hölle kommt. Deshalb fängt er jetzt an, alles hervorzuholen. Das ist ja eine strenge Sekte, in der er ist", meinte der Heidelberger Molekularbiologe, der nicht fassen kann, dass Armstrong immer noch fahren darf.

Wie auch immer die Wahrheit aussieht, auf Armstrong könnten noch weitaus anstrengendere Tage zukommen als in den Bergen von Frankreich.

In den USA wird bereits seit einigen Wochen gegen Armstrong wegen Betrugs und Verschwörung ermittelt. Chefermittler Jeff Novitzky hat sich gar der Sache angenommen. Wenn es ganz dick kommt, muss Armstrong unter Meineid vor Gericht aussagen. Sollte er dann nachweislich lügen, droht eine Haftstrafe wie bei Sprinterin Marion Jones.

Bruyneel streitet alles ab

Aussagen musste Landis noch nicht, sein Mentor Bruyneel indes schon. Bei der mündlichen Anhörung vor dem belgischen Radsport-Verband hat der 45-Jährige alle Vorwürfe abgestritten. Chefermittler Jaak Fransen will aber weitere Ermittlungen einleiten. Bis die Untersuchung abgeschlossen ist, werde es keine weiteren Statements geben, hieß es in einer Mitteilung des Verbandes.

Bis dahin wird es weitere Anschuldigungen geben, wie von LeMond, der bereits 2006 gegen seinen Landsmann gewettert hatte. Weil LeMond im Jahr 2001 Armstrongs Kontakte zum umstrittenen italienischen Arzt Michele Ferrari kritisiert hatte, habe ihn der Texaner massiv unter Druck gesetzt.

"Lance hat mich bedroht, meine Frau, mein Geschäft, mein Leben", sagte der zweimalige Weltmeister damals. Das Comeback von Armstrong bezeichnete LeMond als "Albtraum". Zumindest in dieser Hinsicht wird er in zwei Wochen wieder gut schlafen können.

Bruyneel weist im Verhör Doping-Vorwürfe zurück


Diskutieren Drucken Startseite
Trend

Wer gewinnt die Tour de France 2016?

Chris Froome
Nairo Quintana
Alberto Contador
Fabio Aru
Richie Porte
Thibaut Pinot
Ein anderer Fahrer

www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.