Sonntag, 20.06.2010

Radsport

Kim Kirchen in künstliches Koma versetzt

Radprofi Kim Kirchen ist nach seinem Herzstillstand in ein künstliches Koma versetzt worden. Der behandelnde Arzt will ihn so medizinisch besser überwachen können.

Kim Kirchen belegte bei der Tour den France 2008 den achten Rang der Gesamtwertung
© Getty
Kim Kirchen belegte bei der Tour den France 2008 den achten Rang der Gesamtwertung

Die Radsport-Welt bangt um Kim Kirchen. Der frühere T-Mobile-Profi ist nach einem Herzstillstand in ein künstliches Koma versetzt worden. Nach ersten Untersuchungen in einem Züricher Krankenhaus schlossen die Ärzte einen Infarkt und eine Thrombose aus, der Zustand soll stabil sein.

Kirchen war Freitagnacht nach der siebten Etappe der Tour de Suisse im Hotel zusammengebrochen und musste reannimiert werden.

"Das ist bedrückend und relativiert alle Dinge im Sport. Wenn es um Leben und Tod geht, sind Siege oder die Frage, ob er als Rennfahrer weitermachen kann, sekundär", sagte Rolf Aldag. Der Ex-Profi war in den Teams T-Mobile und Columbia vier Jahre lang Sportchef von Kirchen und ist gut mit dem Luxemburger befreundet.

Gesundheitsprobleme bereits im April

Der 31-Jährige, dessen Frau Caroline am kommenden Donnerstag Zwillinge zur Welt bringen soll, hatte bereits im April über Schwindel und Atemnot geklagt und war in seiner Heimat eingehend von Spezialisten untersucht worden. "Die Ärzte haben nichts gefunden, aber ich nehme das ernst", hatte Kirchen gesagt.

Sein Zimmerkollege Joaquin Rodriguez schlug am Freitagabend im Landhaus Sonne in Dürrten kurz vor Mitternacht Alarm. Kirchen wurde von einem Arzt seines Teams Katjuscha und seinem Freund Marc Joseph reannimiert. Joseph und Kirchens Vater Erny hatten den Radprofi auf der Rundfahrt besucht.

Der behandelnde Arzt in Zürich versetzte Kirchen am Samstagabend in ein Koma, um ihn besser medizinisch überwachen zu können. Für mindestens 24 Stunden sollte der Profi im Koma verbleiben, erst dann könnten weitere Rückschlüsse gezogen werden.

Fragwürdige Informationspolitik des Rennstalls

Der russische Rennstall Katjuscha betrieb nach Kirchens Kollaps eine fragwürdige Informationspolitik. Sportdirektor Serge Parsani sprach zunächst nur davon, dass Kirchen sich schlecht gefühlt habe und vom Teamarzt ins Krankenhaus gebracht worden sei.

Sprinter Robbie McEwen verkündete via Twitter deutlich schlimmere Nachrichten: "Ich hoffe, Kim Kirchen wird wieder okay. Er ist zusammengebrochen, brauchte medizinische Hilfe und wurde ins Krankenhaus eingeliefert."

Aldag und das Team Columbia waren bereits nach dem Fleche Wallonne Ende April in Kirchens Probleme eingeweiht. "Unser Arzt hat damals alle Unterlagen weitergegeben. Bei solchen Dingen ist es wichtig, alles über die medizinische Vergangenheit zu wissen", sagte Aldag.

Rolf Aldag bietet Hilfe an

Bei Columbia bestehe der Arzt darauf, dass sich selbst die sportliche Leitung um Aldag und Erik Zabel einmal im Jahr einem Check unterzieht. Aldag hatte nach den Meldungen über Kirchens kritischen Zustand versucht, Kontakt zu Caroline Kirchen aufzunehmen, um seine Hilfe anzubieten.

Kirchen sollte die am 3. Juli in Rotterdam beginnende Tour de France als einer der Kapitäne des Teams Katjuscha bestreiten. Eine Teilnahme an der Großen Schleife ist nun nahezu ausgeschlossen.

Der Luxemburger Zeitfahrmeister war 2006 und 2007 für das T-Mobile-Team gefahren und im Anschluss bis 2009 für den Nachfolger Columbia. Bei der Tour de France 2007 hatte Kirchen Stefan Schumacher das Gelbe Trikot auf der sechsten Etappe abgenommen und anschließend vier Etappen getragen. Die Rundfahrt hatte er als Siebter beendet.

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