Montag, 03.05.2010

Radsport

UCI suspendiert Tour-Bergkönig Pellizotti

Wegen auffälliger Blutwerte hat der Radsport-Weltverband Francesco Pellizotti, Sieger der Bergwertung der letztjährigen Tour de France, offenbar vorläufig suspendiert.

Pellizotti gewann 2009 die Bergwertung bei der Tour de France
© Getty
Pellizotti gewann 2009 die Bergwertung bei der Tour de France

Fünf Tage vor Beginn des Giro d'Italia bringt ein weiterer prominenter Dopingskandal den Radsport zurück in die Negativ-Schlagzeilen.

Der Radsport-Weltverband UCI hat den Tour-Bergkönig Francesco Pellizotti wegen auffälliger Blutwerte suspendiert und ein Diszplinarverfahren eingeleitet. Das bestätigte Renato Di Rocco, Präsident des italienischen Radsport-Verbands.

Der Liquigas-Kapitän war im vergangenen Jahr Gesamtdritter des Giro und hatte anschließend auch das gepunktete Trikot bei der Frankreich-Rundfahrt gewonnen.

Auffällige Werte im Blutpass

Wie die spanische Sporttageszeitung "Marca" berichtet, soll auch gegen den Slowenen Tadej Valjavec vom Team AG2R ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden sein.

"Es ist bestätigt, dass es Pellizotti ist, aber ich habe die Unterlagen der UCI noch nicht gesehen, deshalb kann ich keine Details nennen", sagte Di Rocco der Nachrichtenagentur "Reuters". UCI-Sprecher Enrico Carpani hatte zuvor gesagt, dass in Kürze eine Pressemitteilung veröffentlicht werde, auf der "einige Namen aufgeführt sind".

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Nach Informationen der "Gazzetta dello Sport" ist die UCI Pellizotti wegen dessen Werten bei der Tour 2009 auf die Schliche gekommen. Vom letztjährigen Giro-Podium hat damit nur noch der siegreiche Russe Denis Mentschow freie Fahrt.

Bereits im Sommer vergangenen Jahres war der zweitplatzierte Danilo Di Luca überführt worden. Doch auch auf Mentschow könnte in Sachen Doping noch etwas zukommen. Der Russe soll Kunde der Wiener Blutbank Humanplasma gewesen sein, es gilt aufgrund laufender Ermittlungen jedoch die Unschuldsvermutung.

Weitere Athleten im Visier

In Pellizotti ist damit offenbar ein weiterer Tour-Bergkönig des Dopings überführt. Denn der 32-Jährige würde sich in eine namhafte Riege unter anderem neben Richard Virenque (Frankreich), Michael Rasmussen (Dänemark) oder Bernhard Kohl (Österreich) einreihen. Seit 1994 waren nur Laurent Jalabert, Christophe Rinero (beide Frankreich) und Mauricio Soler (Kolumbien) nicht des Dopings überführt worden.

Das Dauerthema hat den Radsport also offenbar wieder im Griff. Bereits in der vergangenen Woche hatte die UCI vier Dopingfälle gemeldet. Der Italiener Mattia Gavazzi (Colnago), der Schweizer Thomas Frei (BMC Racing), der Chinese Li Fuyu (RadioShack) sowie der Spanier Manuel Vazquez (Andalucia) waren den Fahndern ins Netz gegangen. Bei allen Profis hätten auffällige Werte im Biologischen Pass zu Zielkontrollen geführt.

Pellizottis Rennstall Liquigas ist in Sachen Doping kein unbeschriebenes Blatt. Vor zwei Jahren hatte man den damals wegen der Verwicklung in die Operacion Puerto noch gesperrten Ivan Basso unter Vertrag genommen und heftige Kritik geerntet. Weniger Monate später war Manuel Beltran bei der Tour de France des Epo-Dopings überführt worden.

Aldag: Blutpass das beste Mittel im Anti-Doping-Kampf

UCI-Präsident Pat McQuaid hatte bereits vor Wochen angekündigt, dass man eine Handvoll Athleten im Visier habe. "Wir haben uns ihre Biologischen Pässe angeschaut und sehen keine andere Erklärung für ihre Werte, als das sie potenziell dopen", sagte der Ire.

Erst am Wochenende hatte der geständige Dopingsünder und heutige Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag den Kampf des Radsports gegen illegale Substanzen gelobt. "Das Heldenhafte ist abgefallen. Aber man muss fairerweise auch sagen, dass der Radsport bei allen Problemen, die er hat, im Kampf gegen Doping am meisten leistet im Vergleich mit fast allen anderen Sportarten", sagte Aldag.

Der Biologische Pass sei laut Aldag im Moment mit Abstand die beste aller Möglichkeit im Kampf gegen Doping. Er funktioniere jedoch nur dann, wenn man konsequent weiter daran arbeite.

Nach einer einjährigen Datensammlung hatte die UCI im vergangenen Jahr erstmals fünf Fahrer aufgrund von Unregelmäßigkeiten im Blutpass gesperrt. Die Spanier Igor Astarloa, Ruben Lobato und Ricardo Serrano sowie die Italiener Pietro Caucchioli und Francesco De Bonis erhielten Fahrverbote.

Der Blutpass oder auch Biologische Pass wurde im Jahr 2007 eingeführt. Derzeit sind die Blutprofile von über 700 Profis erfasst. Abweichungen von langfristigen Werten können durch den Pass als Doping interpretiert werden.

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