Radsport

Rastloser Hennes Junkermann wird 75

SID
Mittwoch, 06.05.2009 | 11:42 Uhr
Hennes Junkermann gehörte Anfang der 60er Jahre zu den besten Radfahrern der Welt
© Getty
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"20.000 bis 25.000 Kilometer fahre ich pro Jahr", sagt der frühere Radprofi Hennes Junkermann. Der Krefelder feiert heute seinen 75. Geburtstag.

Auch an seinem Ehrentag gibt es keine Ausnahme. Wenn Hennes Junkermann heute seinen 75. Geburtstag feiert, wird er - so denn das Wetter mitspielt - vermutlich auf dem Rennrad sitzen. Der Radsport ist sein Leben, heute wie früher. Ein geruhsames Rentnerdasein ist für den Krefelder kein Thema.

"20.000 bis 25.000 Kilometer fahre ich pro Jahr", sagt Junkermann stolz und berichtet von seiner 100-km-Runde am Niederrhein. "Manchmal treffen wir uns mit 40 Mann. Ich rase nicht. Ich fahre für die Gesundheit, man muss ja fit bleiben", ergänzt der frühere Rundfahrt-Spezialist, der als erster Deutscher die Tour de France hätte gewinnen können, ja wenn ...

Junkermann als Top-Favorit zur Tour

47 Jahre liegt die Geschichte mit "dä Fisch" im Sommer nun schon zurück. Junkermann erzählt sie, als wäre es gestern gewesen und ärgert sich noch heute maßlos darüber. Als Gewinner der Tour de Suisse war er nach Frankreich gekommen und gehörte zu den Topfavoriten auf den Sieg.

"Der Ferdy Kübler (Toursieger von 1950, Anm. d. Red.) hat sogar eine Kiste Champagner darauf gewettet, dass ich sie gewinne", ergänzt Junkermann.

"Hätt ich misch doch dä Fisch nit jejesse"

Und es sah auch gut aus. Bis zur 14. Etappe liegt der 15-malige deutsche Meister gut im Rennen und scheint dem großen Jacques Anquetil den Gesamtsieg streitig machen zu können. Doch dann erscheint Junkermann am Morgen wie ein Häufchen Elend zum Start in Luchon. 47km später ist die Tour für ihn beendet.

"Hätt ich misch doch dä Fisch nit jejesse", klagte der ehrgeizige Radprofi damals, der wie neun weitere Fahrer mit einer Fischvergiftung aussteigen musste. Doch Junkermann glaubt im Nachhinein, dass da "ein linkes Ding" gelaufen ist: "Das war Sabotage. Die wollten nicht, dass ein kleiner Deutscher die Tour gewinnt."

Ein Jahr zuvor war ihm Ähnliches widerfahren. Auf der vorletzten Giro-Etappe hatte Junkermann zehn Minuten auf seine Konkurrenten herausgefahren, der Gesamtsieg war greifbar nah. Doch beim Anstieg zum Stilfser Joch musste er nach einem Schluck aus einer fremden Trinkflasche mit Magenkrämpfen vom Rad steigen. "Das waren schon schlimme Nackenschläge", erinnert sich der in St. Tönis bei Krefeld geborene Junkermann.

Große Erolge blieben aus

So blieben ihm die ganz großen Erfolge verwehrt. Am Ende reichte es zu zwei Gesamtsiegen bei der Tour de Suisse sowie Erfolgen beim GP Zürich (1957) und "Rund um den Henninger Turm" (1963). Bei der Tour standen ein vierter (1960) und ein fünfter Platz (1961) zu Buche.

Junkermann, der einst als Sportdirektor von Olympia Dortmund Fahrer wie Erik Zabel, Rolf Aldag oder Udo Bölts trainiert hatte, ist heute an der Rennstrecke kaum mehr zu sehen ("Ist mir zu hektisch"). Dennoch verfolgt er das Geschehen nach wie vor mit großem Interesse und auch Sorge.

"Der Radsport wird kaputt gemacht"

"Der Radsport wird kaputt gemacht, vor allem in Deutschland. In anderen Sportarten wird genauso gedopt, doch der Radsport ist der Sündenbock. Die Situation wird sich aber auch wieder beruhigen", sagt der frühere Kletterspezialist, der in Linus Gerdemann den derzeitigen Hoffnungsträger sieht: "Um die Tour zu gewinnen, ist er noch ein bisschen zu jung. Vielleicht in ein paar Jahren."

Junkermann wird dies verfolgen. Doch erst einmal steht sein Geburtstag an. Gefeiert wird aber nur im Familienkreis. "Ich feiere immer nur die runden Geburtstage groß. So Gott will, also in fünf Jahren wieder", sagt Junkermann, der immer noch in engem Kontakt mit seinen einstigen Kollegen wie Rudi Altig oder Rolf Wolfshohl steht.

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