Pereiro zum Tour-Sieger erklärt - Teuer für Landis

Von dpa
Freitag, 21.09.2007 | 13:12 Uhr
pereiro, landis, tour
© Getty
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Malibu - Floyd Landis hat den von ihm initiierten Justiz-Marathon in mehrfacher Weise teuer bezahlt. Nicht nur, dass sich seine Anwalts-Kosten auf rund 1,5 Millionen Euro belaufen.

14 Monate nach seinem Sieg bei der Tour de France und knapp 16 Wochen nach seiner Anhörung vor der American Arbitration Association (AAA) in Malibu ist der 31-jährige US-Radprofi wegen Testosteron-Dopings für zwei Jahre gesperrt worden.  Der Weltverband UCI erklärte, nicht auf eine Entscheidung des Internationalen Schiedsgericht CAS zu warten, das Landis noch anrufen könnte, und kürte den Spanier Oscar Pereiro zum Toursieger 2006.

Pereiro zufrieden

Andreas Klöden rückt damit in den Annalen auf Rang zwei vor.

"So zu gewinnen wünscht sich keiner. Aber ich bin zufrieden, dass nach eineinhalb Jahren endlich eine Entscheidung gefallen ist. Ich hatte es satt, nur der 'virtuelle Sieger' zu sein", sagte Pereiro, der Anfang des Jahres selbst Doping-Vorwürfe entkräften konnte.

Tour-Direktor Christian Prudhomme hatte Landis intern schon vor der vergangenen Frankreich-Rundfahrt aus allen Siegerlisten streichen lassen. Jetzt bekam er die Legitimation des Dachverbandes.

"Es hat lange gedauert, bis das bestätigt wurde, was wir schon alle wussten, nämlich dass er uns betrogen hat", sagte Prudhomme.

Erster aberkannter Sieg in der Tour-Geschichte

Durch die Aberkennung des Tour-Sieges ist Landis der erste Sportler in der 105-jährigen Geschichte der Tour, der nachträglich den Titel verliert. Der Beginn der Sperre wurde rückwirkend auf den 30. Januar 2007 festgelegt, wie das dreiköpfige Gericht mitteilte.

"Ich begrüße das Urteil. Aber die Langwierigkeit ist ein Riesenproblem. Es muss in Zukunft Eilverfahren geben, die vielleicht zwei Monate dauern", sagte T-Mobile-Teamchef Rolf Aldag.

Landis uneinsichtig

Landis, der Autogrammkarten verkauft und sich auf Touristen-Touren verdingt hatte, um seine Anwaltskosten zu decken, sah den Schiedsspruch in der Pepperdine Universität in Malibu mit anderen Augen.

"Dieses Urteil ist ein Schlag für jeden Athleten. Die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA war unfähig, die Hauptpunkte der Anklage zu beweisen. Das zeigt, wie fehlerhaft dieses System ist. Ich bin unschuldig, und wir haben das bewiesen", ließ Landis über die ihn vertretende Kanzlei Gibson, Dunn & Crutcher mitteilen.

"Bei der Untersuchung wurden so viele Fehler gemacht, aber das Schiedsgericht hat all diese Ungereimtheiten ignoriert. Es ist ein klares Fehlurteil", betonte sein Anwalt Maurice Suh.

Ob Landis den Gang vor das Schiedsgericht in Lausanne anstrebt, ließ er zunächst offen, sagte aber: "Ich habe keinen Grund für die Annahme, dass CAS noch ehrlich ist."

Untersuchung als "schlampig" bezeichnet

Bei der Anhörung vor der AAA im Mai hatte die Landis-Verteidigung darauf verwiesen, dass die nachträgliche Untersuchung der Doping-Proben im französischen Labor Chatenay-Malabry fehlerhaft gewesen sei, und die Ergebnisse deshalb als "schlampig" bezeichnet. Eine Angestellte des Labors, die mehrfach positive Landis-Analysen vorgenommen hatte, gab technische Fehler zu.

"Die festgestellten Daten waren ausgezeichnet. Ich habe keinen Anhaltspunkt gefunden, dass schlampig gearbeitet wurde", sagte der Kölner Doping-Experte Wilhelm Schänzer, der als Gutachter an dem Landis-Verfahren beteiligt war.

Das Gericht betonte, dass diese Mängel nicht ausreichten, um den positiven Test für ungültig zu erklären. Zudem räumten die Richter in ihrer 84 Seiten umfassenden Urteilsbegründung ein, dass der bei Landis durchgeführte und positiv ausgefallene Test nicht den Standards der Welt-Antidoping-Agentur WADA entspreche.

Doch eine anschließende, präzisere und teurere Untersuchung habe eindeutig einen Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln ergeben.

"Allein diese Analyse genügt schon als Basis, um von einem Steroid-Missbrauch zu sprechen", so die Richter.

2:1-Stimmen für schuldig 

In ihrer Abstimmung hatten die drei Juroren Landis mit 2:1-Stimmen für schuldig gesprochen, auf der 17. Etappe der Tour de France im vergangenen Jahr mit Testosteron gedopt zu haben. Nach seinem 10:05-Minuten-Einbruch am Vortag hatte er am 20. Juli in Morzine eine wundersame Wiederauferstehung gefeiert und mit 5:42 Minuten Vorsprung als Solist gewonnen. Nach Einschätzung des geständigen Radprofis Jörg Jaksche sei Testosteron im Arsenal der Doper "eine Machete, EPO eine Atombombe".

Dem streng gläubigen Mennoniten Landis reichte die simple Waffe zum Betrug der Konkurrenz und zur Zerstörung seiner Karriere.

LeMond-Aussagen ohne Einfluss

Die Aussagen des Belastungszeugen Greg LeMond, die bei der Verhandlung für einen Hauch von Hollywood gesorgt hatten, hätten bei der Urteilsfindung keine Rolle gespielt, sagten die Richter.

Der dreifache US-Toursieger hatte berichtet, dass Landis dessen Aussage mit der Drohung verhindern wollte, publik zu machen, dass LeMond als Kind missbraucht worden sei.

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