Freitag, 06.05.2016

DTM-Pilot Timo Glock im Interview

"Formel 1 hat ihre DNA verloren"

Timo Glock fuhr jahrelang in der Formel 1, seit 2013 ist er für BMW in der DTM aktiv. Im Interview spricht der Hesse vor dem Saisonstart der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft über seine Erwartungen in diesem Jahr, Vor- und Nachteile der DTM und die Misere der Formel 1. Außerdem erinnert er sich an die harte Zeit nach dem Formel-1-Saisonfinale 2008.

Timo Glock fährt seit 2013 in der DTM
© getty
Timo Glock fährt seit 2013 in der DTM

SPOX: Herr Glock, Sie hatten bei den DTM-Testfahrten Anfang April einen Unfall und mussten anschließend ins Krankenhaus gebracht werden. Wie geht es Ihnen heute?

Timo Glock: Ich bin soweit fit. Das war an dem Tag selbst eigentlich auch kein Problem, ich sollte nur als Sicherheitsmaßnahme ins Krankenhaus, um zu checken, ob meine Wirbel noch alle in Ordnung sind. Das Auto war eh so beschädigt, dass ich an dem Tag nicht mehr fahren konnte.

SPOX: Ihr Teamkollege ist in diesem Jahr Marco Wittmann, mit dem Sie bereits in Ihrem Debütjahr die Garage geteilt haben. 2014 hat er die Meisterschaft gewonnen. Wie sehen Sie sich im Teamduell aufgestellt?

Glock: Marco hatte jetzt zwei sehr gute Jahre. Für mich ist er auf jeden Fall eine Messlatte und ich hoffe natürlich, dass ich mit ihm auf Augenhöhe kämpfen kann. Vielleicht kann ich sogar das eine oder andere von ihm lernen. Die DTM ist insgesamt so eng zusammen, da ist es echt schwierig, eine Prognose abzugeben. Mein Ziel ist es, im Gegensatz zu den letzten Jahren konstant in die Punkte zu fahren. Dann ist man eigentlich automatisch in den Top 10 oder sogar in den Top 5 dabei.

SPOX: Sie fahren seit 2013 in der DTM und waren in dieser Zeit für das BMW-Team MTEK unterwegs. Zur neuen Saison sind Sie zu RMG gewechselt. Warum dieser Schritt?

Glock: Das wurde von BMW so entschieden, da hatte ich keinen Einfluss drauf. Mir war aber klar, dass das irgendwann passieren wird, denn nach drei Jahren verändert man gerne mal die Fahrer-Team-Konstellation. Ich denke, für mich ist das ganz gut gelaufen. Es war eine tolle Zeit bei MTEK - und jetzt freue ich mich auf die Saison mit RMG.

SPOX: Wenn Sie auf Ihre bisherige DTM-Zeit zurückblicken: Gibt's dann den Daumen nach oben oder nach unten?

"Fast jeder Fahrer hat die Möglichkeit, Siege einzufahren und um die Meisterschaft zu kämpfen."

Glock über das große Plus der DTM

Glock: Daumen nach oben! Es gibt wenige Formel-1-Fahrer, die in der DTM Rennen gewonnen haben oder auf dem Podium standen. Ich habe es geschafft. Die Bilanz ist deswegen auf jeden Fall positiv, auch wenn ich mich natürlich noch verbessern muss.

SPOX: Zu dieser Saison gibt es eine bedeutenden Vorteil für Sie: BMW darf mit 7,5 Kilogramm weniger an den Start gehen als die Konkurrenz von Audi und Mercedes. Inwieweit wird sich das Kräfteverhältnis dadurch verändern?

Glock: Das Feld wird definitiv noch enger zusammenrücken. Fast jeder Fahrer hat die Möglichkeit, Siege einzufahren und um die Meisterschaft zu kämpfen. Das ist das große Plus an der DTM. Was allerdings noch fehlt: Die Autos brauchen noch mehr Leistung und weniger aerodynamischen Abtrieb. Dadurch könnte man deutlich besser überholen und die Rennen würden noch besser werden.

SPOX: Der bewegliche Heckflügel, das DRS, darf zudem nicht mehr beliebig oft pro Rennen verwendet werden. Stattdessen gibt es eine begrenzte Anzahl, die je nach Strecke variiert. Welche Auswirkungen wird das auf das Renngeschehen haben?

Glock: Ich glaube, das wird im Vergleich zum Vorjahr wenig ändern. Es ist in der DTM schwierig, in das Ein-Sekunden-Fenster zu fahren, sodass man da nicht viel taktieren wird. Wenn man die Chance aufs DRS hat, wird man es nutzen. Wir Fahrer hatten eine andere Idee und wollten das Ein-Sekunden-Fenster komplett weglassen. Dann hätte man DRS unabhängig vom Gegner frühzeitig benutzen oder sich aufheben können - das wäre ein gutes strategisches Tool gewesen.

Seite 1: Glock über sein Saisonziel, Regeländerungen und Vor- und Nachteile der DTM

Seite 2: Glock über die Misere der Formel 1 und Vorwürfe nach dem Saisonfinale 2008

Interview: Dominik Geißler

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