Motorsport

"Ich wollte kein zweiter Schumi sein"

Von Interview: Bastian Strobl
Marco Wittmann geht mit BMW in seine erste DTM-Saison
© bmw

Marco Wittmann hat sein großes Ziel erreicht. Im neuen BMW-Team MTEK geht er in der DTM-Saison 2013 an den Start. Im Interview spricht der 23-Jährige über die Zusammenarbeit mit Timo Glock, seinen Ex-Manager Willi Weber und kritisiert die Paydriver in der Formel 1.

SPOX: Herr Wittmann, wie fühlt man sich als offizieller DTM-Pilot?

Marco Wittmann: Sehr gut, ich kann mich nicht beklagen. Es ist ein schönes Gefühl, diesmal als Stammfahrer an den Start gehen zu dürfen. Im letzten Jahr war ich noch als Testfahrer unterwegs, jetzt kann ich endlich mit meinem eigenen Auto die Strecke unsicher machen.

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SPOX: Wann haben Sie die frohe Kunde erhalten?

Wittmann: Zwei Wochen nach dem Saisonende 2012 kam BMW auf mich zu. Ich konnte es im ersten Moment gar nicht fassen. Der Motorsport ist meine Leidenschaft. Es hat sich wirklich ein Kindheitstraum erfüllt.

SPOX: Sie wohnen in Markt Erlbach, einem 6000-Seelen-Dorf in Mittelfranken. Sind Sie dort durch das DTM-Engagement mittlerweile eine kleine Berühmtheit?

Wittmann: Nein, ich kann noch ganz normal über die Straße gehen. Vielleicht werde ich im Supermarkt häufiger erkannt, das kann schon sein. Aber die Leute verfolgen mich nicht und flippen aus, nur weil sie mich sehen (lacht). Außerdem bin ich sowieso nicht häufig zu Hause.

SPOX: Erst Anfang März waren Sie mit ihren Teamkollegen in einem kleinen Trainingslager im italienischen Viareggio. Was stand dort auf dem Programm?

Wittmann: Wir haben uns ein bisschen gequält. Es ging vor allem um die körperliche und mentale Verfassung. Wo kann man sich noch verbessern? Wo ist man auf einem guten Level? Der Spaß kam allerdings auch nicht zu kurz. Volleyball, Tennis, ein Ausflug in einen Hochseilgarten - es war viel geboten.

SPOX: Timo Glock, Ihr Kollege beim neuen BMW-Team MTEK und der nächste DTM-Debütant, war ebenfalls mit von der Partie. Können Sie von seiner langjährigen Erfahrung profitieren?

Wittmann: Wir können uns gegenseitig weiterhelfen und pushen. Er hat sicherlich viel erlebt in der Formel 1 und kann mir ein paar Tipps geben. Aber dafür habe ich durch meine Zeit als Testfahrer bereits mehr Erfahrungen in einem DTM-Wagen gesammelt.

SPOX: Mit Ihnen, Glock und MTEK gehen drei Neulinge zusammen in die Saison 2013. Befürchten Sie einen holprigen Start?

Wittmann: Das würde ich so nicht unterschreiben. Das Team ist zwar neu auf die Beine gestellt worden, aber wir haben dennoch genügend erfahrene Leute sowie Ingenieure aus der Formel 1 mit an Bord. In den nächsten Wochen gilt es nun, die Details wie die Boxenstopps anzugehen. Trotzdem erwartet wohl niemand, dass wir gleich das erste Rennen gewinnen werden.

SPOX: Haben Sie als gelernter Karosseriebauer eigentlich Vorteile in der Kommunikation mit den Mechanikern?

Wittmann: Ich habe sicherlich mehr Verständnis, was in der Vorbereitung und an den Rennwochenenden auf die Mechaniker zukommt. Auch bei den Setups kann meine Ausbildung nicht unbedingt schaden. Immerhin arbeite ich nebenbei immer noch ein wenig in der Werkstatt meines Vaters. Das lenkt mich ab und holt mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. In den nächsten Wochen gehört mein Fokus aber voll und ganz der DTM.

SPOX: Beim Saisonstart auf dem Hockenheimring werden Sie Neuland betreten, nachdem Sie im letzten Jahr an den DTM-Wochenenden zur Untätigkeit gezwungen wurden.

Wittmann: Das stimmt! Ich war zwar überall dabei, habe als Test- und Entwicklungsfahrer allerdings nur an den Meetings und Briefings teilgenommen. Ich habe viel gelernt, aber als Rennfahrer will man auf der Strecke sein. Umso wichtiger war es im Vorjahr, bei Rennen in anderen Serien teilgenommen zu haben. Man muss im Rhythmus bleiben und darf die Aggressivität nicht verlieren.

SPOX: Das Highlight war wohl das 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife.

Wittmann: Ein unglaubliches Erlebnis! Der Tag-Nacht-Wechsel ist eine große Herausforderung. Außerdem waren wir mit unseren GT3-Autos die Schnellsten im Feld und mussten ständig andere Wagen überholen. Ein kleiner Fehler und das Rennen ist nicht nur für dich, sondern auch für deine Kollegen gelaufen. Das war ein besonderer Druck.

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