Motorsport

Mick Schumacher vor Formel-3-Titelgewinn: Schwimmen in Papas Genpool

Mick Schumacher ist der Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher.
© imago

Mick Schumacher befindet sich seit Monaten auf einem Höhenflug und steht nun kurz vor dem Titelgewinn in der europäischen Formel-3-Meisterschaft. Die Spekulationen um seine Zukunft nehmen zu, selbst in der Formel 1 ist der Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher jetzt immer öfter ein Thema. Wann folgt der Aufstieg in die Königsklasse?

Dass es ausgerechnet im "Wohnzimmer" seines Vaters passieren sollte, ist wohl eine dieser Geschichten, die nur der Sport schreibt. Hier, wo Michael Schumacher 1991 sein Debüt und ein Jahr später seinen ersten Sieg in der Formel 1 feierte, triumphierte nun Ende Juli Mick Schumacher zum ersten Mal in der Formel 3.

"Wie es scheint, ist Spa ein guter Ort für die Schumacher-Familie", freute sich der Junior damals nach der Zieleinfahrt: "Als ich heute Vormittag den Regen sah, hatte ich mich schon gefreut: Ich mag Regen und auch abtrocknende Bedingungen sehr."

Von Platz sechs gestartet, kämpfte sich Schumacher in schwierigen Mischverhältnissen schnell hinter die führenden Marcus Armstrong und Robert Shvartzman, nur um binnen weniger hundert Meter beide auf einen Schlag zu überholen - inklusive erfolgreicher Attacke in der legendären Eau Rouge.

Ein verdienter Sieg, der einen festgezurrten Knoten endlich zum Platzen brachte.

Anders als es sein Nachname vielleicht vermuten lässt, ist der 19-Jährige nämlich kein Überflieger der Sorte Max Verstappen. Schumacher brauchte in der Formel 4 über ein Jahr, um regelmäßiger Kandidat für die vorderen Ränge zu werden. Und er benötigte geschlagene 44 Rennen für seinen ersten Erfolg in der Formel 3, selbst Podestplatzierungen waren in den ersten Saisonläufen Mangelware. Schwächen zeigte Schumacher dabei vor allem im Qualifying, wo ihm auf eine schnelle Runde die Geschwindigkeit fehlte.

Mick Schumacher fährt in der Formel 3 wie entfesselt

Mit dem Kunststück in Belgien hat sich das Bild jedoch gewandelt. Statt Pleiten, Pech und Pannen holt sich der 19-Jährige mittlerweile einen Pokal nach dem nächsten ab. Acht Mal gewann er in den folgenden zwölf Rennen, fünf davon sogar in Serie. Hinzu kommen zwei weitere Podestplätze. Den deutlichen Rückstand in der Meisterschaft hat Schumacher damit längst egalisiert, vor dem Saisonfinale in Hockenheim am Wochenende führt der Prema-Pilot mit einem satten 49-Punkte-Polster vor Daniel Ticktum (329 zu 280).

"Die Ergebnisse zeigen eine konstante Steigerung. Gerade für Formel-3-Verhältnisse ist es ungewöhnlich, dass jemand aus der Boxengasse herausfährt und aus dem Stegreif vorne liegt", staunt Lukas Gajewski, der die Formel 3 für n-tv kommentiert, im Gespräch mit SPOX.

Schumacher strahle jetzt ein ganz anderes Selbstbewusstsein aus, erklärt Gajewski weiter: "Am Saisonanfang ist er ein bisschen mit Scheuklappen durchs Fahrerlager gelaufen, mit den Erfolgen im Rücken wurde er lockerer. Er spürt natürlich auch eine gewisse Genugtuung der Fachpresse gegenüber, die ihn vor ein paar Monaten noch extrem schnell getadelt hat."

Schumacher hat bewiesen, dass er auch bei Misserfolg geduldig wartet und sich von Rückschlägen nicht beeindrucken lässt. "Das ist generell eine Schumacher-Stärke, also glaube ich schon, dass ich das in den Genen habe", wies er gegenüber RTL auf seine DNA hin. Und DTM-Chef Gerhard Berger bestätigte: "Er zeigt schön langsam die Schumacher-Gene."

Mick Schumacher in der Medienwelt groß geworden

Erbgut? Neues Selbstvertrauen? Mit diesen Erklärungen gibt sich die Konkurrenz nicht zufrieden. Der rasante Aufstieg muss andere, unlautere Gründe haben, meint daher Red-Bull-Junior Ticktum und kündigte medienwirksam an, er werde am Ende der Saison "die ungefilterte Sicht auf einige Dinge" geben und "auspacken".

Es sind Provokationen, die Schumacher souverän abwehrt. "Ich höre mir so etwas nicht an. Wir haben uns weiterentwickelt, während andere vielleicht an einem Punkt stehen geblieben sind. Ich wünsche ihm viel Glück, dass er im Titelkampf dabei bleibt. Aber ich konzentriere mich auf mich, das ist mein Schlüssel", winkte er ab und machte damit seinem Ruf als Medien-Profi alle Ehre. Lockere Sprüche und polarisierende Aussagen? Findet man bei Schumi Junior selten. "Er antwortet immer sehr überlegt", weiß auch Gajewski: "Er will auf keinen Fall Kontroversen auslösen. Man spürt, dass er ein absoluter Sonderfall ist."

Bei dem Rummel, der Schumacher schon seit seinen Kindestagen begleitet, kein Wunder. Seine Kartsport-Karriere begann er unter dem Pseudonym Mick Betsch, dem Mädchennamen seiner Mutter Corinna, um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu provozieren. Und auch später hielt man sich mit Öffentlichkeitsarbeit zurück. Erst sollte der Junge lernen, mit der Last seines Nachnamens umzugehen, dann ging es ins Rampenlicht.

Maurizio Arrivabene: "Die Tür in Maranello ist immer offen"

Trotz allem hilft ein Name wie Schumacher natürlich im Motorsport-Business. "Wie kann man zu einem Namen wie diesem in Maranello Nein sagen?", fragte etwa Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene kürzlich: "Mit einem Namen wie diesem, der mit Ferrari Geschichte geschrieben hat, ist die Tür in Maranello immer offen."

Solche Umgarnungen werden in Zukunft wohl nicht weniger werden, sollte Schumacher seinen Titel in den letzten drei Saisonläufen tatsächlich perfekt machen. "Es ist schön zu sehen, dass meine Performance ankommt. Wenn es ein Team wie Ferrari ist, ist es sehr schön. Aber auch generell im Thema Formel 1 zu sein, ist positiv", frohlockte der Teenager über die jüngsten Aufmerksamkeiten.

Kommt die Formel 1 zu früh für Mick Schumacher?

Doch auch er wird wissen, dass die Königsklasse noch mindestens zwei Schritte entfernt ist. Ein Engagement für 2019 kommt nicht in Frage, selbst wenn er die für die Superlizenz nötigen Punkte mit dem Formel-3-Titel gesammelt hätte. Wahrscheinlicher ist da schon der Aufstieg in die Formel 2, wo er ebenfalls für seinen derzeitigen Rennstall Prema an den Start gehen könnte.

"Im Hinblick auf die Karriereleiter macht das absolut Sinn", findet Gajewski und zieht damit die Formel 2 auch der in Japan ansässigen Super Formula vor, in der sich Schumacher fernab der heimischen Presse weiterentwickeln könnte: "Ich glaube, es wäre besser für ihn, wenn dieser große Rummel jetzt so langsam mal startet. Die Formel 2 fährt im Rahmenprogramm der Formel 1. So lernt er die Abläufe an einem Wochenende kennen und kann sich auf das Gesamtpaket besser vorbereiten. Für den Einstieg in die Formel 1 wäre das extrem wichtig."

Betrachtet man die jüngsten Fortschritte in seiner Karriere, verbunden mit dem marketingtechnischen Bonus, den ein Schumacher zweifelsohne mitbringt, scheint der Formel-1-Einstieg nur noch eine Frage nach dem Wann und nicht mehr nach dem Ob zu sein. Eine Entwicklung, die dem Youngster gefallen wird, denn sein Ziel ist klar: "Ich möchte Formel-1-Weltmeister werden!"

Mick Schumachers Karrierestationen

JahrStationErgebnis
2008 - 2014Kartsport-
2015Deutsche Formel 4Platz 10
2016MRF Challenge Formel 2000Platz 10
2016Deutsche Formel 4Platz 2
2016Italienische Formel 4Platz 2
2017MRF Challenge Formel 2000Platz 3
2017Europäische Formel 3Platz 12
2018Europäische Formel 3-
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung