Montag, 14.11.2016

Jonas Folger ist vor seiner ersten Fahrt auf einer MotoGP-Maschine leicht nervös

MotoGP beginnt: Folger "leicht nervös"

Jonas Folger hat Respekt vor dem Ungetüm. 250 PS, 350 km/h, die neue Maschine strotzt vor Kraft. "Ich bin leicht nervös, aber das ist normal", sagte der 23-Jährige mit Blick auf seinen ersten Einsatz in der MotoGP bei Testfahrten in Valencia und betonte: "Die Vorfreude überwiegt."

Am Dienstag ist es für den Oberbayern soweit. Direkt im Anschluss an das Saisonfinale beginnt für die Teams aus der Königsklasse die Vorbereitung auf das neue Jahr, Aufsteiger Folger gibt sein Debüt. Es geht zunächst darum, sich nach dem Wechsel aus der Moto2 an die deutlich stärkere Yamaha YZR-M1 zu gewöhnen.

"Ich muss übermorgen schon wieder fahren", sagte Folger direkt nach seinem letzten Einsatz in der mittleren Klasse am Sonntag bei Eurosport, berichtigte sich aber schnell: "Nein, ich muss nicht, ich darf übermorgen schon wieder fahren. Ich fahre ja gerne." Es wartet ein Aha-Erlebnis. Und eine echte Herausforderung.

Folger steht vor den spannendsten Monaten seiner bisherigen Karriere im Motorrad-Zirkus. Schon seit Anfang Mai ist fix, dass der fünfmalige Grand-Prix-Sieger 2017 für den französischen Tech3-Rennstall an den Start gehen wird. Es ist eine Ehre gegen die Besten der Besten antreten zu dürfen, doch der Druck steigt.

Fokus auf das neue Jahr

Natürlich beschäftigt den ruhigen Vertreter, wie er sich schlagen wird. "Ich hatte schon immer irgendwie das neue Jahr im Kopf", sagt der Wahl-Spanier aus Tordera. Darum ist noch mehr als sonst volle Konzentration gefragt: "Ich schaue, dass ich am Dienstag fit bin und mich vorbereite auf die neue Aufgabe."

An seiner Seite fährt ein guter Bekannter. Der Franzose Johann Zarco, alter und neuer Moto2-Champion, steigt mit auf, Tech3 krempelt komplett um. Beide beginnen bei Null und können sich bei Größen wie Valentino Rossi aus Italien oder dem spanischen Weltmeister Marc Márquez gerade anfangs viel abschauen.

Folger muss sich auf mehr Kraft, mehr Elektronik und mehr Rampenlicht einstellen. Durch den Abschied von Stefan Bradl (26), der nach fünf Jahren aus der MotoGP in die zweitklassige Superbike-WM geht, ist er ab sofort der einzige Deutsche in der Königsklasse.

Bradl vor Abschied

Vergleiche sind dadurch unvermeidlich. Bradl hat vor allem in seinen ersten drei Jahren beim Team LCR Honda überzeugt und 2013 mit Platz zwei in Laguna Seca/USA für ein echtes Highlight gesorgt. Folger hat zwar viel Potenzial, ist aber längst nicht so konstant wie der Zahlinger. Das wurde in der abgelaufenen Saison wieder deutlich.

"Es war mental ein wirklich schwieriges Jahr, denn es wurde sehr viel von mir erwartet", sagt Folger rückblickend. Er sollte um den Titel mitfahren, am Ende reichte es nur zu einem Sieg, fünf Podiumsplätzen und Rang sieben (167 Punkte) im Klassement.

Zeitweise ging in der WM über Wochen nichts zusammen ("einfach keine Lösung gefunden"). Will Folger in der 1000ccm-Kategorie bestehen, muss sich das ändern. Sein neuer Chef Hervé Poncharal wird genau hinschauen. Und der Franzose ist beileibe nicht der einzige.


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