Motorsport

Hülkenberg zwischen den Welten

SID
Nico Hülkenberg (r.) triumphiert mit Porsche in Le Mans
© getty

Mit dem Debüt-Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans hat Nico Hülkenberg seinen Ruf als Ausnahmekönner unterstrichen - in der Formel 1 könnte er trotz allem nie bei einem Top-Rennstall landen. Es wäre eine unvollendete Karriere.

Ein Wochenende mit wenig Schlaf hatte seine Spuren hinterlassen, und Nico Hülkenberg musste sich nach seinem historischen Triumph in Le Mans erst mal kneifen. "Es war kein Traum - wir haben es wirklich geschafft", schrieb der 27-Jährige am Montagmorgen bei Twitter und schickte ein weiteres Siegerfoto um die Welt. Der Stolz auf die eigene Leistung bei den 24 Stunden war groß bei einem der besten deutschen Rennfahrer der Gegenwart. In der Formel 1 hat er selten Grund zur Freude.

"So ein Siegergefühl habe ich noch nie gehabt", sagte Hülkenberg bei auto motor und sport: "Wahrscheinlich ist es das Größte, was ich je gewonnen und erreicht habe." Die Zusammenfassung seines Sieges beim wichtigsten Langstreckenrennen liest sich in der Tat beeindruckend. Der erste Erfolg für einen Debütanten seit 17 Jahren, der erste für einen aktiven Formel-1-Piloten seit 24 Jahren und der erste Sieg für Rekordgewinner Porsche seit 1998 - seinen Ruf als Ausnahmekönner unterstrich Hülkenberg bereits bei seinem ersten Auftritt auf dem Traditionskurs.

Chancenlos in der F1

Eine gewisse Tragik in Hülkenbergs Karriere wird allerdings deutlich beim Blick auf eine andere Statistik. Es war der erste Sieg des Emmerichers seit 2009, seit einem GP2-Rennen in Portimao. Im folgenden Jahr wechselte "Hülk" erstmals in die Formel 1, doch ein siegfähiges Auto durfte er dort trotz seiner anerkannten Klasse nie steuern.

Nach seinem Le-Mans-Triumph wird er die schönen Gefühle nun also mit nach Österreich nehmen, wo am Sonntag (ab 14.00 Uhr im LIVE-TICKER) das nächste Rennen in der Königsklasse steigt. Er wird viele Komplimente hören, er wird viele Fragen zu seinem Sieg beantworten - und ab Freitag wird Hülkenberg sich dann wieder in seinen Force India setzen und auf einen Platz im oberen Mittelfeld hoffen.

Mehr ist im Normalfall nicht möglich, so war es auch bei seinen Karriere-Stationen Sauber und Williams. Dass da seit Jahren ein potenzieller Weltmeister seine Runden dreht, ist bekannt in der Formel 1, und fast immer, wenn ein Top-Rennstall neue Fahrer sucht, wird auch Hülkenbergs Name gehandelt.

Ferrari-Deal platzt

Er selbst sieht rückblickend bislang "vielleicht eine echte Möglichkeit, in einem Top-Team zu landen. Besonders viel ist das nicht", sagt der Rheinländer. Im Kopf hat er dabei wohl den Sommer vor zwei Jahren, als sich ein Wechsel zu Ferrari zerschlug. Die Scuderia sagte per SMS ab und verpflichtete Kimi Räikkönen, heute Teamkollege von Sebastian Vettel.

Die Italiener und Räikkönens unklare Zukunft bleiben wohl Hülkenbergs größte Hoffnung. Denn bei Mercedes haben Weltmeister Lewis Hamilton und Nico Rosberg langfristige Verträge, und ob Red Bull Racing, Williams oder gar McLaren-Honda in Zukunft wieder zu Top-Adressen reifen, bleibt abzuwarten.

Mittlerweile ist Hülkenberg 27 Jahre alt, ob er da bereits an einen Wechsel auf die Langstrecke denkt, wird er nach seinem Sieg mit den Teamkollegen Nick Tandy (England) und Earl Bamber (Neuseeland) immer häufiger gefragt. Doch der Blondschopf blockt das ab. "Ich gebe nicht auf", sagt Hülkenberg, "ich bin ein Kämpfer. Und ich glaube an meine Chance." Er weiß, dass seine Formel-1-Karriere ohne echte Siegchance unvollendet wäre.

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