Motorsport

Wahnsinn Le Mans - Rockenfeller unverletzt

SID
Mike Rockenfeller hatte bei seinem Unfall in Le Mans Glück im Unglück
© Imago

Audi-Pilot Mike Rockenfeller hat den schweren Unfall beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans unverletzt überstanden. Auch Teamkollege Allan McNish hatte Glück.

Wahnsinn, Wunder oder einfach nur Le Mans: Audi-Pilot Mike Rockenfeller hat überlebt, er hat den Horror-Crash mit mehr als 300 km/h bei den 24 Stunden von Le Mans nahezu unverletzt überstanden. Nichts anderes zählt, nichts anderes ist wichtig. Auch nicht, dass am Ende Marcel Fässler, André Lotterer und Benoît Tréluyer (Schweiz/Duisburg/Frankreich) den zehnten Gesamtsieg für Audi holten.

Team sendet via TV Genesungswünsche

Im Moment des größten Erfolges war das gesamte Audi-Team mit seinen Gedanken bei Rockenfeller. Für die Siegerehrung hatten die Mechaniker extra ein Schild mit der Aufschrift "Rocky - We wish you the best. We missed you here!" ("Wir wünschen dir das Beste. Wir haben dich hier vermisst") angefertigt und somit via Fernsehen ihre Genesungswünsche übermittelt.

Es war Samstagabend 22.41 Uhr, als den Zuschauern plötzlich der Atem stockte: Die Fernsehkameras zeigen umherfliegende Fahrzeugteile, dem ersten Eindruck nach sind es Tausende. Menschen schreien, packen sich fassungslos an den Kopf. Schon wieder ein Horror-Unfall, der das Blut in den Adern gefrieren lässt.

McNish ebenfalls mit schwerem Crash

Bereits sieben Stunden zuvor war der schottische Audi-Pilot Allan McNish bei einem schweren Crash nur haarscharf an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. McNishs Audi hatte sich nach einer Kollision überschlagen und war an den Reifenstapeln, hinter denen zahlreiche Fotografen und Streckenposten standen, hängengeblieben.

Das Video vom McNish-Crash

Nach einiger Zeit steht fest: Es hat erneut einen R18 TDI getroffen, diesmal ist es die Startnummer "1". Titelverteidiger Rockenfeller ist anscheinend schwer verunglückt. Minutenlang hält die Motorsport-Welt den Atem an, bangt um das Leben von Rocky.

In der Ungewissheit über den Gesundheitszustand des Rennfahrers erscheinen Augenblicke wie Stunden. Es vergeht eine gefühlte Ewigkeit, bis Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich vorsichtige Entwarnung gibt: "Rocky ist aus eigener Kraft aus dem Auto ausgestiegen."

Erleichterung nach erstem Schock

Applaus brandet auf, kollektive Erleichterung macht sich breit, Gesichtszüge entkrampfen sich langsam. Von großem Glück ist die Rede, einige sprechen von Schutzengeln. Andere gehen sogar noch weiter. "Es ist ein Wunder, früher wäre da niemand lebend ausgestiegen", sagt der ehemalige Formel-1-Pilot, DTM-Champion und Le-Mans-Sieger Hans-Joachim Stuck und ergänzt: "Kohlefaser sei Dank".

Das aus dem formfesten Verbundstoff gefertigte Monocoque hat standgehalten, es hat Rockenfeller das Leben gerettet. Der Rest des LMP1-Sportwagens hat sich dagegen in seine Bestandteile aufgelöst, ein weit verstreutes Wrack mit einem Schrottwert in Millionenhöhe.

Rockenfeller: "Sicherheitsstandards haben mir das Leben gerettet"

"Die Sicherheitsstandards sind einfach enorm und haben mir das Leben gerettet", sagt Rockenfeller hinterher: "Ich hatte noch nie in meinem Leben einen solchen Unfall und hoffe, dass ich das auch nicht mehr erfahren muss." Auch Rockenfellers Teamkollege McNish wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte: "Ich danke den Audi-Designern. Sie haben dieses Auto gebaut und offensichtlich einen sehr guten Job gemacht."

Neben dem Lob für die hohen Sicherheitsstandards könnten die beiden Horror-Crashs allerdings eine neuerliche Diskussion über die Beteiligung von Amateurfahrern an professionellen Langstreckenrennen entfachen. Rockenfellers Teamkollege Timo Bernhard kritisierte die Fahrweise von GT-Pilot Robert Kauffman: "Das kann man so nicht machen, das war lebensgefährlich. Wenn er sich nicht sicher ist, darf er hier nicht fahren."

Diskussion um Amateurfahrer auf der Strecke

Der Amerikaner Kauffman, ein erfolgreicher Börsenmakler mit Rennsporterfahrung, hatte mit seinem plötzlichen Spurwechsel den Unfall ausgelöst. "Wir überholen an dieser Stelle ganz oft im Rennen. In dem Augenblick, als ich mit 300 km/h neben ihn fuhr, hat er das falsch eingeschätzt", sagte der 27-jährige Rockenfeller.

Im Motorsport wird es niemals eine hundertprozentige Sicherheit geben, das gilt insbesondere für Le Mans: In der 79-jährigen Geschichte des Langstreckenklassikers verloren 116 Menschen an der Sarthe ihr Leben, davon alleine 84 im Jahr 1955, als Mercedes-Pilot Pierre Levegh (Frankreich) mit seinem SLR in die Zuschauertribüne geflogen war.

Fahrzeuge entsprechen höchsten Sicherheitsanforderungen

Heutzutage entsprechen die Fahrzeuge allerhöchsten Sicherheitsanforderungen.

Das haben die Unfälle von Rockenfeller und McNish eindrucksvoll bewiesen. Nun müssen die Organisatoren nachziehen und ein Reglement schaffen, das ebenfalls größtmöglichen Schutz garantiert.

Für Rockenfeller ist jedenfalls klar: "Man muss sich überlegen, ob man für die Amateurfahrer nicht eine andere Lösung finden kann. Es ist einfach zu gefährlich. Es war für mich mehrmals gefährlich, als ich fuhr. In dem Augenblick ging es leider nicht so gut aus." Am Ende war es dann wohl tatsächlich ein Wunder, dass niemand zu Schaden gekommen ist.

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