Montag, 06.09.2010

Nach dem Tod von Shoya Tomizawa in Misano

Bradl: "Nur aufhören eine Alternative"

Nach dem tödlichen Unfall von Misano, bei dem Rennfahrer Shoya Tomizawa ums Leben kam, steht Augenzeuge Helmut Bradl unter Schock und regt Maßnahmen an.

38 Maschinen drängten sich am Sonntag auf der Rennstrecke von Misano
© Getty
38 Maschinen drängten sich am Sonntag auf der Rennstrecke von Misano

Auch am Tag nach der Tragödie von Misano stand Augenzeuge Helmut Bradl noch unter Schock. "Das Ganze ist direkt vor mir passiert. Ich bin extrem bedrückt", sagte der ehemalige 250er-Vizeweltmeister aus Inning zum Tod von Shoya Tomizawa beim 11. Saisonlauf der Motorrad-WM am Sonntag.

Der erste Gedanke gehörte seinem Sohn Stefan, der in dem Moto2-Rennen im italienischen Misano Sekunden nach dem Unfall am reglosen Körper des Japaners vorbeigefahren war. "Natürlich habe ich sofort daran gedacht, dass es auch Stefan hätte sein können. Dieser Moment war fürchterlich", sagte Bradl.

"Das kann man nicht verhindern"

Grundsätzlich sind sich Experten und ehemalige Fahrer in der Bewertung der Ereignisse nahezu einig. "Das kann man nicht verhindern. Das ist kein Fußball oder Golf, sondern harter, harter Motorsport", sagte Ralf Waldmann, in der 90er Jahren zweimaliger WM-Zweiter bei den 250ern.

Stefan Bradls Teamchef Stefan Kiefer meinte: "Man ist nie in der Lage, so etwas komplett auszuschließen. Das ist nunmal kein Kegeln, sondern ein gefährlicher Sport."

Auch Helmut Bradl sind die Risiken des Rennsports natürlich bewusst: "Die wollen fahren, wollen sich messen. Die kennen die Gefahren. Doch nun ist ihnen sicher gewusst geworden, wie gefährlich ihr Sport ist." Während sich aber Ralf Waldmann und Stefan Kiefer einig sind, dass die Rennstrecken "absolut sicher sind", reicht Helmut Bradl der Standard nicht.

Bradl: Teilnehmerfeld ist zu groß

"Es gibt immer etwas zu verbessern. Beispielsweise gehören die Grünstreifen am Fahrbahnrand einfach nicht dahin. Die sind für Autos gut, für Motorräder können die tödlich sein", sagte der 48-Jährige und erklärte es so: "Diese Grünstreifen aus Kunstrasen sind glitschig. Wenn man da draufkommt, rutscht man weg und hat keine Chance mehr. Auf Asphalt kann der Fahrer die Maschine vielleicht noch auffangen oder sie in einem großen Bogen ausfahren."

Bradls zweiter Ansatzpunkt ist die Größe des Teilnehmerfeldes. "Das ist immer zu groß. In Misano waren es 38 Starter, 35 sind aber absolut ausreichend. In der MotoGP sind es nur 17, das sind zu wenige", so Bradl, der beklagt, dass immer erst etwas Schlimmes passieren muss, ehe sich etwas verändert: "Das ist in anderen Bereichen auch so. Das ist unbefriedigend, aber ich kann mich da nicht alleine hinstellen und nach Verbesserungen schreien."

"Man kann doch den Sport nicht verbieten"

Bei aller Tragik bricht Ralf Waldmann, bis vor kurzem noch selbst Teamchef in der Moto2-Klasse, eine Lanze für den Motorradsport. "Misano war ein tragischer Unfall, aber man kann doch den Sport jetzt nicht verbieten so wie in der Schweiz. Das müsste man mit dem Flugsport, der Formel 1 und dem Boxen doch auch machen."

Für wie sicher er die Rennstrecken hält, verdeutlicht Waldmann so: "Ich hätte mehr Bauchschmerzen, wenn mein Sohn im Straßenverkehr Fahrrad fährt als mit dem Motorrad auf einer Rennstrecke."

Es habe sich in punkto Sicherheit so viel getan in seinem Sport, "wenn man sich alleine die Kleidung anschaut". "Da ist soviel geschehen. Wenn ich mit Tempo 250 stürze, stehe ich auf, schüttle mich und fahre weiter. Das sagt doch alles", so Waldmann.

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