Mittwoch, 25.08.2010

Motorsport

Hannawald voller Vorfreude auf Nürburgring

Der 35-Jährige ist zurück auf der Sportbühne und hat die Skischanze gegen den Nürburgring eingetauscht. Dort kann er am Wochenende seinen ersten Titel als Rennfahrer einstreichen.

Sven Hannawald holte in seiner Karriere als Ski-Springer insgesamt 18 Weltcup-Siege
© Getty
Sven Hannawald holte in seiner Karriere als Ski-Springer insgesamt 18 Weltcup-Siege

Sven Hannawald war als Skispringer mit den deutschen Adlern ganz oben. Er war Olympiasieger, ihm gelang ein historischer Erfolg bei der Vierschanzentournee, er stand als Sportler des Jahres im Rampenlicht. Dann der jähe Absturz: Burn-out-Syndrom, das Ende der Karriere.

Doch dieses dunkle Kapitel ist für den 35-Jährigen endgültig abgeschlossen. Hannawald ist zurück im Sportlerleben, seine Skier hat er allerdings mit dem Lenkrad vertauscht. Er sucht jetzt sein Glück im Rennauto, aber der neue Hannawald will den Erfolg nicht mehr um jeden Preis. Er will Spaß und gibt Gas. Am Wochenende ist es wieder soweit.

Zusammen mit dem ehemaligen DTM-Piloten Thomas Jäger (München), mit dem er die erste komplette Saison im ADAC-GT-Masters bestreitet, will er auf dem Nürburgring die Post abgehen lassen. Einen Titel kann Hannawald auch gewinnen: Sollte er bei beiden Rennen in seiner rund 500 PS starken Corvette Z06-GT3 ganz vorne liegen, hätte er die Fahrer-Krone als bester Amateur sicher.

Vom Porsche in die Corvette

Seine Rennfahrer-Karriere startete Hannawald 2005, als er beim DTM-Finale in Hockenheim im Rahmenprogramm im Seat-Cup am Start war. Nach weiteren sporadischen Einsätzen in Markenpokalen versuchte sich Hannawald ab 2008 im ADAC-GT-Masters. Zunächst in einem Porsche 911 GT3, jetzt in einer Corvette. Vier Siege sind ihm in dieser Saison schon in der Amateurwertung gelungen.

Wenn er an seine Anfänge im Rennauto denkt, huscht ein Grinsen über sein Gesicht. "Das hat viel Spaß gemacht, obwohl ich natürlich restlos überfordert war von der Geschwindigkeit und der Power des Autos. Aber allein drinzusitzen und mal ein bisschen am Lenkrad zu kurbeln, war schon ein tolles Gefühl", sagt Hannawald im Gespräch mit dem "sid".

Hannawald will sich austoben

Für Hannawald ist mit dem Rennsport ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. "Jeder kleine Junge möchte große, schnelle Autos fahren. Auf der Rennstrecke darf man das. Alles fährt nur in eine Richtung, es gibt keine Ampeln und Kreuzungen. Man kann sich halt einfach austoben", sagt der 35-Jährige.

Und was ist mit der Angst vor schweren Unfällen? Es sei schon ein etwas komisches Gefühl dabei, wenn er ins Rennauto steige, gibt Hannawald zu. Doch das Risiko beim Skispringen schätzt er viel höher ein. "Im Auto habe ich meinen Gurt und meine Sicherheitszelle, die mich auch schützt, wenn mal was passieren sollte. Beim Springen hatte ich das nicht", sagt Hannawald.

Keine Rückkehr zum Skispringen

Neben dem Rennfahren sucht Hannawald Ablenkung beim Fußball. Als Stürmer des TSV Neuried will der ehemalige "König der Lüfte" Kondition, Reaktion und Schnelligkeit verbessern: "Das sind alles Dinge, die ich im professionellen Rennsport gut gebrauchen kann."

Eine Rückkehr auf die Sprungschanze war für Hannawald nie ein Thema. "Wenn ich damals nach der Behandlung oder nach meiner Auszeit wieder angefangen hätte mit Skispringen, wäre ich ganz sicher nicht vorwärtsgekommen", sagt er.

Heute kann Hannawald offen über die schwierigste Zeit seines Lebens sprechen. Er hat verstanden, was schiefgelaufen ist, und seine ganz persönlichen Lehren daraus gezogen. "Ich denke, dass es ein Zeichen war. Man hat etwas übersehen, jahrelang, und man muss einfach wieder neu anfangen. Welchen Weg man geht, weiß keiner", sagt Hannawald.

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