Freitag, 02.07.2010

DTM

Spengler: Formel 1 ist für mich noch ein Traum

Spitzenreiter Bruno Spengler hat nicht nur den diesjährigen DTM-Titel im Visier. Im Interview gerät der Kanadier auch über ein Cockpit in der Formel 1 ins Träumen.

Bruno Spengler in seinem Mercedes-Fahrzeug
© sid
Bruno Spengler in seinem Mercedes-Fahrzeug

Bruno Spengler ist in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) der Mann der Stunde. Der Kanadier kommt als Spitzenreiter zum Rennen des Jahres am Sonntag auf dem Nürnberger Norisring. Der DTM-Titel ist das große Ziel des Kanadiers in dieser Saison, insgeheim hofft er sogar auf einen Platz in der Formel 1. "Das ist für mich noch ein Traum. Ich will zumindest mal testen", sagte der Mercedes-Pilot im Gespräch.

Frage: Bisher hatten in dieser Saison in der DTM alle Sieger im darauffolgenden Rennen Pech. Haben Sie Angst, dass Ihnen das auf dem Norisring genauso gehen könnte?

Bruno Spengler: Nein, darüber mache ich mir keinen Kopf. Ich denke, dass jedes Rennen komplett anders ist. Die Karten werden auf dem Norisring wieder ganz neu gemischt. Wir haben eine Chance, das Rennen zu gewinnen. Es kann aber auch sein, dass es nicht klappt, weil Audi sehr stark unterwegs sein wird. Sie haben sich auf dem Norisring in den letzten Jahren stark verbessert. Aber im Motorsport kann man sich nie sicher sein, was passieren wird. Es ist wichtig, das ganze Wochenende sein Bestes zu geben. Am Sonntagabend zählen wir dann, wie viele Punkte wir haben.

Frage: Ihr Selbstvertrauen muss aber groß sein. Das erste Mal nach drei Jahren wieder als Sieger zu einem Rennen zu kommen, ist sicher ein schönes Gefühl, oder?

Spengler: Ein sehr schönes Gefühl. Es war eine lange Zeit. Ich habe immer gekämpft. 2008 hatte ich einen neuen Renningenieur bekommen, da lief es nicht immer reibungslos. 2009 stimmte dann der Speed, aber ich hatte sehr viel Pech. Zwei Jahre kein Rennen zu gewinnen, war sehr schwierig. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass der Erfolg kommt, und dann ist es ein großartiges Gefühl. Man darf aber nicht zu sehr an diesen Sieg denken, sondern muss nach vorne schauen. Und wer weiß, vielleicht kommen ja noch ein oder zwei Siege dazu.

Frage: Wie man auf dem Norisring gewinnt, wissen Sie ja schon ...

Spengler: Der Norisring ist meine Lieblingsstrecke. Ich war hier bis jetzt immer ziemlich gut. Aber wie gesagt: Jedes Jahr ist anders. Wenn wir gute Arbeit machen von Freitag über das Qualifying am Samstag und das Rennen am Sonntag, sollten wir normalerweise auch mit vorne sein.

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Frage: Nach zwei zweiten Plätzen und einem Sieg führen Sie die Gesamtwertung mit neun Punkten Vorsprung an. In den letzten Jahren galten Sie vor Saisonbeginn immer als Titelfavorit, in diesem Jahr standen bei Mercedes eher Paul di Resta oder Gary Paffett auf der Liste. Ist es Ihnen lieber, vielleicht etwas mehr Ruhe zu haben?

Spengler: Ich habe nichts anders gemacht. Ich wollte auch in diesem Jahr die Meisterschaft gewinnen. In den letzten Jahren hatte ich immer in den ersten Rennen Pech und musste dann aufholen. Jetzt habe ich viele Punkte, das ist bei einer kurzen Saison wichtig. Aber wir haben noch einige Rennen, da kann noch viel passieren. Ich werde mich auf jedes Rennen einzeln konzentrieren, und am Ende des Jahres schauen wir, wo wir stehen.

Frage: Ihre Teamkollegen di Resta und Paffett sind parallel zur DTM auch in der Formel 1 als Testfahrer unterwegs. Ist die Formel 1 auch für Sie ein Ziel?

Spengler: Das ist für mich noch ein Traum. Ich will zumindest mal testen. Aber in diesem Jahr bin ich sehr auf die DTM konzentriert, das ist mir sehr wichtig. Am Ende des Jahres schauen wir dann mal, was passiert.

Frage: In der Formel 1 gab es nach dem Unfall von Sebastian Vettel und Mark Webber in Istanbul Diskussionen über teaminterne Duelle. In der DTM hat man noch viel mehr Teamkollegen. Ist es schwieriger, gegen die zu kämpfen?

Spengler: Es ist nicht einfach. Man will nicht mit einem Teamkollegen kollidieren, aber ihn trotzdem überholen, denn er ist ein Gegner wie jeder andere. Aber zwischen Teamkollegen sollte man auch Respekt haben und sich nicht ins Auto fahren. Man sollte lieber die sicherere Variante für ein Überholmanöver wählen oder eine Runde länger warten. Aber solche Entscheidungen trifft man so schnell. Wenn alles klappt, ist alles gut, wenn nicht, wäre das schlecht für unsere Mannschaft.

Frage: Sie sind bei Mercedes auch eine Art Teamkollege von Michael Schumacher. Hat es Sie gefreut, dass er in die Formel 1 zurückgekommen ist?

Spengler: "Ich habe mich sehr gefreut, denn ich bin ein großer Fan von Michael Schumacher seit ich ein kleiner Junge war. Ich kann mich daran erinnern, dass ich 1996 als Kind mit meinem Vater bei den Ferrari Days am Nürburgring war. Ich bin an den Bodyguards vorbeigeschlichen und habe mich neben ihn gestellt, sodass mein Papa ein Bild machen konnte. Was Michael bislang in dieser Saison gemacht hat, ist gut. Wenn man so lange nicht fährt, ist es schwer, wieder auf das höchste Niveau zu kommen. Wenn ich im Winter vier Monate lang nicht testen kann, spüre ich nach den ersten beiden Testtagen meinen Nacken. Da kann ich trainieren so viel ich will. Er ist wieder im Rhythmus, und ich bin sicher, da kommt noch mehr von ihm."

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