Leichtathletik

Die Finals: "Sensationell" und "großartig" - Wellbrock und Klosterhalfen in ihrer eigenen Welt

SID
Konstanze Klosterhalfen (l.) lief eine Fabelzeit über 5000 m. Auch Doppelweltmeister Florian Wellbrock deklassierte die Konkurrenz.

Das neue Format Die Finals mit deutschen Meisterschaften in zehn Sportarten hat für viel Belebung gesorgt. Einigen Verbänden geht der Reformprozess aber nicht weit genug. Unter anderem knackte Konstanze Klosterhalfen den 20 Jahre alten deutschen Rekord über 5000 Meter.

Sportvielfalt in Dauerschleife, gute Stimmung in den Arenen und eine starke TV-Quote: Das neue Format "Die Finals" hat am Wochenende in Berlin die hochgesteckten Erwartungen erfüllt. Die deutschen Meisterschaften in zehn Sportarten lieferten dank des Sende-Marathons von ARD und ZDF das versprochene Spektakel.

"Dieses Deutsche-Meisterschafts-Hopping war grandios, schade, dass es das nicht schon zu meiner Zeit gegeben hat", sagte der frühere Diskus-Star Robert Harting. "Ich habe vor meinem Wettkampf den ganzen Tag Sport schauen können", meinte Sprinterin Gina Lückenkemper, "mir hat es echt Spaß gemacht. Ich denke, das ist ein Modell für die Zukunft."

Henry Maske: "Der Sport ist wieder viel interessanter"

Der ehemalige Boxweltmeister und Olympiasieger Henry Maske war extra nach Berlin gereist. "Ich fand es großartig. Der Sport in der Breite wird wieder viel interessanter", sagte Maske. "Ich hätte nie gedacht, dass das so ein sensationelles Event wird", meinte Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe.

Der Wert der DM werde "durch die erkennbare Freude der Athleten am Wettkampf erheblich erhöht", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Das neue Format habe "zweifellos das Potenzial, ein breit gefächertes sportinteressiertes Publikum anzusprechen und zu erreichen", sagte Dagmar Freitag (SPD), Vorsitzende im Sportausschuss des Deutschen Bundestages.

Die Finals: Unzufriedenheit bei Terminansetzung

Eine Fortsetzung von Mini-Olympia soll es auf jeden Fall geben - wenn auch nicht im nächsten Jahr. "Das schaffen wir zwischen Fußball-EM und den Olympischen Spielen nicht. Aber für das Jahr darauf kann ich mir eine Wiederholung vorstellen, zumal auch die beteiligten Verbände und die Athleten zufrieden waren", so Balkausky.

Allerdings äußerten die Verbände auch Bedenken. Mit dem Termin waren nicht alle zufrieden, dadurch verlor die DM enorm an Wert. Für die Turner waren die Finals als echte Qualifikation für die Heim-WM zu früh, bei den Schwimmern war eine Woche nach der WM die Luft etwas raus. Im Boxen traten acht Top-Athleten nicht an, weil sie sich im Ausland auf die WM in Jekaterinburg/Russland vorbereiteten.

Die Finals: Highlights im Überblick

  • 5000 Meter: Klosterhalfen mit Demonstration

Für viele Zuschauer DER Moment der "Finals": Konstanze Klosterhalfen pulverisierte am Samstag im Olympiastadion den 20 Jahre alten deutschen Rekord von Irina Mikitenko über 5000 m. Dabei überrundete sie bis auf die zweitplatzierte Alina Reh die chancenlose Konkurrenz.

"Das ist auch für mich unbeschreiblich", sagte die 22-Jährige. Der Zweifel läuft mit bei ihr, denn Klosterhalfen trainiert in den USA im umstrittenen Nike Oregon Project. Schon am 30. Juni hatte sie ihren eigenen Rekord über 3000 m um zehn Sekunden unterboten.

  • Weitsprung: Malaika Mihambo gewinnt mit neuer Bestleistung

Den nächsten Kracher zündete am Sonntag Weitspringerin Malaika Mihambo. Seit dem EM-Gold vor einem Jahr an gleicher Stelle ist sie nicht mehr zu bremsen, im letzten Durchgang der DM flog sie neun Zentimeter über ihre bisherige Bestleistung hinaus und holte sich mit 7,16 m und einem Riesen-Vorsprung ihren dritten nationalen Titel.

"Ich bin nicht sehr gut in den Wettkampf gekommen, im letzten Versuch habe ich dann aber die Chance genutzt", sagte Mihambo nach ihrem Traumflug: "Das ist ein absolut cooles Gefühl."

  • Diskuswerfen: Für Harting zählt nur Olympia

Die Nullnummer des Christoph Harting war ihm selbst völlig wurscht. "Es könnte mir nicht egaler sein. Es ist nur eine deutsche Meisterschaft - halb so wild", sagte der Olympiasieger von 2016, nachdem er am Samstag nicht einen gültigen Versuch hinbekommen hatte.

Ob er die WM in Doha/Katar (27. September bis 6. Oktober) anpeilt, ließ er offen. Für einen Harting zählt nur Olympia in Tokio 2020. Und natürlich der Weltrekord, der irgendwann fallen soll.

  • Speerwerfen: Hofmann gewinnt vor Weber und Röhler

Beim Blick auf die Startliste glaubte Olympiasieger Thomas Röhler fast, schon bei der Weltmeisterschaft zu sein. In keiner Disziplin ist in Deutschland die Leistungsdichte derzeit so hoch, die spannende "Mini-WM" entschied Andreas Hofmann für sich.

Der Vize-Europameister und Titelverteidiger kam mit einer Steigerung im letzten Versuch auf 87,07 m, damit lag er vor Außenseiter Julian Weber (86,60) und Europameister Röhler (82,70). Weltmeister Johannes Vetter konnte nicht starten, nachdem beim Aufwärmen neue Verletzungsprobleme aufgetreten waren.

  • Turnen: Nach Sturz vom Schwebebalken - Seitz siegt am Stufenbarren

Nach dem missglückten Balance-Akt auf dem Schwebebalken durfte Elisabeth Seitz doch noch feiern. Hatte sie am Samstag den Mehrkampftitel nach einer ungewohnt schwachen Vorstellung klar verpasst, sicherte sie sich einen Tag später den ersehnten Rekord.

Am Stufenbarren, ihrem Paradegerät, gewann sie DM-Titel Nummer 22 und stellte damit die 56 Jahre alte nationale Bestmarke von Ingrid Föst ein. "Das ist cool und einfach sagenhaft", jubelte Seitz.

  • Bogenschießen: Richter nutzt Fehler von Unruh aus

Am Ende fehlte nur eine Kleinigkeit. "Ich habe die Zehner nicht getroffen, es haben immer ein paar Millimeter gefehlt", sagte Lisa Unruh im ZDF.

Und deshalb verlor sie den deutschen Meistertitel mit dem Recurve-Bogen an Elena Richter. 4:6 nach fünf Durchgängen. Zu oft traf Unruh nur die Neun. Sie wird es verschmerzen können. Wichtig wird es für die Silbermedaillengewinnerin von Rio im kommenden Jahr in Tokio.

  • Schwimmen: Wellbrock düpiert die Konkurrenz

Die Ehrenrunde von Florian Wellbrock auf seiner Gold-Strecke hatte wenig von einem echten Rennen. Satte 35 Sekunden schneller als alle anderen schlug der zweifache Weltmeister am Samstag über die 1500 m an. Lässig lehnte er danach auf dem Seil und wartete, dass die anderen Schwimmer eintrudeln.

"Ich habe mich darauf konzentriert, dass es einigermaßen schnell wird. Ich wollte hier nicht abbaden, das wäre unsportlich gewesen", sagte Wellbrock. Auch über 400 und 800 m Freistil triumphierte er und feierte wie seine Freundin Sarah Köhler das Titel-Triple.

  • Kanu: Brendel von Vandrey entthront

"Kanu-König" Sebastian Brendel wurde zwar entthront, doch Gewinner waren die Kanuten trotzdem irgendwie alle. Die ungewöhnlichen Parallelsprint-Wettkämpfe an der East Side Gallery wurden vom Publikum angenommen, die Stimmung war prächtig. "Ich habe daran vorher nicht geglaubt.

Ich hoffe, dass das Zukunft hat", sagte Olympiasieger Ronald Rauhe, der sich die Titel im Kajak-Einer und im Mixed mit Sabrina Hering-Pradler gesichert hatte. Für Brendel im Canadier blieb am Sonntag beim Sieg von Rio-Olympiasieger Jan Vandrey nur Rang drei.

  • Triathlon: Lange legt vollen Fokus auf Hawaii

Dem Mann mit dem eisernen Siegeswillen reichte beim Sieg von Valentin Wernz diesmal Platz 25. Sein Abstecher auf die Kurzdistanz war für den zweimaligen Ironman-Weltmeister Patrick Lange eher eine PR-Tour. Und die war ein voller Erfolg.

"Ich trainiere für den Ironman auf Hawaii, nicht für die Finals. Dennoch wollte ich das Format unterstützen und zeigen, dass Triathlon der geilste Sport der Welt ist", sagte Lange. Glücklich schien er - auch weil ihn das Format der "Finals" begeistert: "Die Stimmung hat uns nach vorne gepeitscht, und ich kann nur bitten, das alles zu wiederholen."

  • Bahnrad: Friedrich gewinnt Herzschlagfinale

Nach der starken Qualifikation blickte Lea Sophie Friedrich ungläubig auf ihre Top-Zeit, nach dem Sieg im Herzschlagfinale des Sprintturniers war sie einfach nur "unglaublich glücklich." Zum Abschluss der Bahnrad-Wettkämpfe wurden die Zuschauer im Velodrom an der Landsberger Allee Zeugen eines Duells auf Weltklasse-Niveau.

Friedrich (19) kämpfte gegen Emma Hinze (21) verbissen um das Prestigegold in der Königsdisziplin. Nach drei Läufen hatte die vierfache Junioren-Weltmeisterin Friedrich in einer knappen Entscheidung das bessere Ende für sich. Zufrieden konnten dennoch beide sein. Gemeinsam gelten sie als Erbinnen von Kristina Vogel. Ihr Ziel: Die Olympischen Spiele in Tokio. "Ich will dort mit Emma den Teamsprint fahren", sagte Friedrich. Sie wären ein erfolgversprechendes Duo.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung