Kipchoge verpasst Weltrekord

SID
Sonntag, 27.09.2015 | 11:30 Uhr
Eliud Kipchoge konnte seinen Landsmann nicht übertrumpfen
© getty
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Kurioses Rennen für Eliud Kipchoge: Dem Top-Favoriten aus Kenia rutschten während seines Sieglaufes beim Berlin-Marathon die Sohlen aus den Schuhen. Mit Schmerzen an den Füßen quälte sich der Afrikaner nach 2:04:00 Stunden zum Sieg und verpasste den Weltrekord seines Landsmannes Dennis Kipsang (2:02:57) aus dem Vorjahr deutlich.

Platz zwei ging an Kipchoges Landsmann Eliud Kiptanui (2:05:22). Dritter wurde Feyisa Lilesa aus Äthiopien in 2:06:57.

Zuvor war der Weltrekord auf der schnellen Strecke in der deutschen Hauptstadt zehnmal unterboten worden.

"Ich hatte von Anfang an Probleme mit den Schuhen. Dadurch bekam ich große Schmerzen. Ich hatte keine Zeit, die Sache zu beheben", sagte der 30 Jahre alte Sieger, der von rund einer Million Zuschauern an der Strecke lautstark gefeiert wurde.

"Ich freue mich über meine persönliche Bestzeit und würde gerne wiederkommen", so Kipchoge.

Kein zusätzlicher Geldsegen

Die Schuhprobleme kamen den Kenianer teuer zu stehen. Für den Sieg erhielt er zwar 40.000 Euro, die 50.000 Euro Weltrekord-Prämie gingen ihm durch die Lappen. Auch die Veranstalter hatten auf eine Bestmarke gehofft. Zehnmal wurde der Weltrekord seit 1977 in der deutschen Hauptstadt verbessert.

Rund zehn Kilometer vor dem Ziel reichte Kipchoge trotz Schuhproblematik das Bummeltempo der Führungsgruppe. Der 5000-m-Weltmeister von 2003 zog das Tempo an, setzte sich vom Feld ab und ließ sich trotz schlabbernder Einlagen nicht mehr einholen.

"Wahrscheinlich hat er das mit den Schuhen gar nicht richtig realisiert", mutmaßte 5000-m-Olympiasieger und Experte Dieter Baumann während des Rennens am RBB-Mikrofon.

Hinter Kipchoge kam mit deutlichem Abstand Landsmann Eliud Kiptanui (2:05:22) als Zweiter ins Ziel. Auf Rang drei lief Feyisa Lilesa (Äthiopien/2:06:57). Bester deutscher Läufer wurde Philipp Pflieger. Der Regensburger kam in persönlicher Bestzeit (2:12:50) auf Rang 16, verpasste aber die Norm für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro (2:12:15).

Kritik an der Norm

"Es war knapp mit der Norm. Für mich war es wichtig, heute durchzukommen. Ich denke 2:12:50 ist ordentlich", meinte Pflieger, der jedoch Kritik an der hohen Norm übte. "Da werden einem manchmal Knüppel zwischen die Beine geworfen", so Pflieger. Zweitbester Deutscher wurde Julian Flügel (Vellmar/2:13:57) auf Rang 19.

Bei den Frauen siegte Gladys Cherono in 2:19:25 und machte den kenianischen Doppelsieg bei der 42. Austragung perfekt. Beste Deutsche wurde Anna Hahner auf Rang 13. In 2:30:19 verpasste die deutsche Spitzenläuferin allerdings die Olympianorm (2:28:30) deutlich. "Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl zu Beginn, doch dann wurde der Lauf plötzlich zäh", erklärte Hahner.

Bei optimalen Bedingungen mit Sonnenschein und milden 12 Grad Celsius waren rund 40.000 Läufer auf der Straße am 17. Juni an den Start gegangen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und die frühere Top-Marathon-Läuferin Uta Pippig hatten das Feld auf die Reise geschickt.

Kein Happy End erlebte der frühere Formel-1-Fahrer Alessandro Zanardi, der erstmals mit dem Liegend-Handbike an den Start ging. Der Italiener hatte mit einem technischen Defekt (Kettenriss) zu kämpfen und kam beim Sieg von Vico Merklein (Babenhaus) auf Rang 71 ins Ziel. Nach seinem schweren Unfall im September 2001 im Champ-Car-Rennen auf dem Lausitzrennen, bei dem Zanardi beide Beine verloren hatte, war er in einer Berliner Klinik operiert worden.

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