Donnerstag, 26.03.2015

Gatlin-Deal mit Nike sorgt für Aufregung

"Ein völlig falsches Zeichen"

Der neue Sponsorenvertrag für den umstrittenen Sprinter und ehemaligen Dopingsünder Justin Gatlin mit dem US-Sportartikelriesen Nike sorgt in der Leichtathletik-Szene für Aufregung.

Justin Gatlin wird ab sofort von Nike ausgerüstet
© getty
Justin Gatlin wird ab sofort von Nike ausgerüstet

"Da platzt mir nur noch der Kragen, das ist ein völlig falsches Zeichen", sagte Sprinter Sven Knipphals, der mit der deutschen Sprintstaffel EM-Silber in Zürich gewonnen hatte, dem "SID": "Der kassiert ordentlich ab und wir können froh sein, wenn wir ein paar Klamotten bestellen dürfen."

Auch britische Athleten sind nach dem neuen Vertrag für Gatlin wütend. "Das ist ein Schlag ins Gesicht für 99 Prozent der Jungs, die sauber sind", sagte der britische Ex-Sprinter Marlon Devonish. Auch Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe, die selber von dem Unternehmen gesponsert wird, zeigte sich "sehr enttäuscht. Ich glaube nicht, dass dies die Grundwerte von Nike, die ich stolz repräsentiere, noch die Integrität oder die Ideale der Menschen dort widerspiegelt, mit denen ich täglich zusammenarbeite."

"Das ist ohne Stoff nicht möglich"

Julian Reus, der in der Vorsaison in 10,05 Sekunden deutschen Rekord lief, wollte sich aktuell zum Fall Gatlin nicht äußern. Nike sponsort ebenso seinen Klub TV Wattenscheid wie den Deutschen Leichtathletik-Verband. Reus verwies darauf, dass die Manager der großen Meetings ihrer Verantwortung gerecht werden müssten. Würden überführte Doper nicht mehr zu den lukrativen Meetings eingeladen werden, würden sie auch für Sponsoren weniger attraktiv.

Knipphals wurde in der Vergangenheit bereits von Nike ausgestattet. Doch weil der 29-Jährige zu "langsam" lief, sei er "rausgeflogen. Mir wurde gesagt, dass ich mich wieder melden kann, wenn ich signifikant schneller laufe", sagte Knipphals, dessen Bestzeit bei 10,20 Sekunden liegt: "Aber das ist ohne Stoff nicht möglich."

Gatlin auch als Welt-Leichtathlet nominiert

Gatlin, Olympiasieger über 100 m von 2004, war 2014 als erster Sprinter seit Jamaikas Superstar Usain Bolt 2009 in einer kompletten Saison ungeschlagen geblieben. In 9,77 Sekunden lief er schneller als jemals zuvor und sorgte deshalb für Argwohn - sieben der zehn besten Zeiten über 100 m gingen 2014 auf Gatlins Konto. Auch seine Nominierung als Kandidat bei der Wahl zum Welt-Leichtathleten sorgte für Wirbel. In den vergangenen drei Jahren wurde Gatlin von einer chinesischen Firma ausgestattet.

Gatlin wurde in seiner Karriere zweimal des Dopings überführt. Einer lebenslangen Sperre entging er 2006, weil er sich als Kronzeuge zur Verfügung stellte. 2010 erwirkte er eine Halbierung seiner eigentlich acht Jahre währenden Wettkampfsperre.

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