Dienstag, 09.12.2014

Im Schottenrock auf Mission

Young läuft jeden Tag Marathon

Mit kniehohen Strümpfen, Schottenrock und Joggingschuhen macht sich Rob Young auf den Weg - jeden Tag, meist in aller Herrgottsfrühe. Seit April hat der 31-Jährige ein ehrgeiziges Ziel: in einem Jahr mehr als 366 Marathonläufe zu absolvieren und damit den Weltrekord zu brechen.

Rob Young läuft seit sieben Monaten jeden Tag einen Marathon
© getty
Rob Young läuft seit sieben Monaten jeden Tag einen Marathon

Der Familienvater aus London quält sich für einen guten Zweck: Young sammelt Spenden für benachteiligte und misshandelte Kinder. "Für mich geht es darum, Kinder und Erwachsene zu inspirieren", sagt der "MarathonManUK" im Interview mit AFP. "Ich nehme einen Tag nach dem nächsten, ich mache mir darüber hinaus nicht viele Gedanken. Ich beschäftige mich noch nicht mal damit, den Rekord brechen zu wollen."

Seit dem 28. November ist Young zum Nichtstun verpflichtet: Nach insgesamt 241 Marathonläufen (10.169 Kilometer) an 227 aufeinander folgenden Tagen zwingen ihn Knochen- und Sehnenverletzungen zu einer Auszeit. "Nach dieser Pause werde ich weiter über meine Grenzen gehen. Mein Motto ist: Gib niemals auf. Das wird mich beflügeln - und ich werde es schaffen," heißt es in einem Statement auf seiner Homepage.

In den ersten Monaten stand Young vor drei Uhr morgens auf, absolvierte 42,195 Kilometer oder mehr auf seiner Laufstrecke im Londoner Stadtteil Richmond und ging danach zur Arbeit. Damit er sich ganz auf seine Mission konzentrieren und das Pensum von manchmal zwei Läufen an einem Tag schaffen kann, gab er vor einigen Wochen seinen Job auf und lebt nun von seinen Ersparnissen. Denn für ihn ist das Engagement eine Herzensangelegenheit.

Young hält Motivationsreden in Schulen

Bis zum Alter von sechs Jahren wurde Young von seinem Vater misshandelt. Danach musste er sich fünf Jahre in einem Heim durchschlagen, bevor er mit elf Jahren adoptiert wurde und sich durch die neue Familie sein Leben veränderte. Heute lebt er mit seiner Verlobten und seinem zweijährigen Sohn in der britischen Hauptstadt und hat zudem eine fünfjährige Tochter aus einer früheren Beziehung.

Neben dem Laufen und dem Spendensammeln hält der Wahl-Londoner Motivationsreden in Schulen. "Er ist nun mal kein emotionsloses Motivationsposter an der Wand. Er sieht den Kindern in die Augen und sagt: Was ich kann, könnt ihr auch", sagt Ali Parkes, langjähriger Wegbegleiter und Manager von Young. Die Spenden gehen an britische Organisationen wie die nationale Gesellschaft zur Prävention von Kindesmissbrauch NSPCC oder "Dreams Come True", die todkranken Kindern Wünsche erfüllt.

Mittlerweile hat Young rund 29.000 Euro gesammelt, 250.000 Euro sollen es einmal werden. Wenn der Extremläufer sein Pensum nach der Zwangspause wie geplant wieder aufnimmt, wird er den Weltrekord beim London Marathon im April 2015 brechen und bis dahin die Entfernung zwischen seiner Heimatstadt und Sydney bewältigt haben - ganz nach dem Motto: Gib niemals auf.


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