Digel: "Fürchterlich und ekelerregend"

SID
Donnerstag, 04.12.2014 | 12:25 Uhr
Helmut Digel sieht durch die Enthüllungen das gesamte Anti-Doping-System infrage gestellt
© getty
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Helmut Digel hat entsetzt auf die "ARD"-Dokumentation über staatlich unterstütztes Doping und massive Korruption im russischen Sport, vor allem in der Leichtathletik, reagiert. "Für mich war das ganz fürchterlich. Es ist ekellerregend, was dort über die Sportart berichtet wurde", sagte der Ehrenpräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) dem "SID".

Für Digel könnten die Vorwürfe die Grundfeste des Dopingkampfes erschüttern. "Wenn sich diese Anschuldigungen bewahrheiten, dann ist damit das ganze internationale Anti-Dopingsystems infrage gestellt. Es hätte fatale Konsequenzen für das Kontrollsystem", sagte das Council-Mitglied des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF: "Die Ethik-Kommission der IAAF ist nun gefragt, aber ebenso russische Gerichte und auch die WADA. Über ihre Untersuchungen muss die Öffentlichkeit unterrichtet werden."

Digel forderte zudem, dass auch in der IAAF, die in dem ARD-Beitrag mitbelastet wurde, Vorgänge überprüft werden müssen: "Wenn Verfehlungen im Verband nachgewiesen werden, dann muss es Konsequenzen geben."

Stepanow tritt als Kronzeugin auf

Die "ARD"-Sendung "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" hatte am Mittwoch zahlreiche Zeugenaussagen und belastende Dokumente zu systematischem Doping im russischen Spitzensport, vor allem in der Leichtathletik, geliefert. Entscheidende Kronzeugen in der Dokumentation waren Julia Stepanowa, derzeit wegen Dopings gesperrte 800-m-Läuferin, und ihr Mann Witali Stepanow, zwischen 2008 und 2011 Mitarbeiter der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA.

Zudem hatte Lilia Schobuchowa, jahrelang eine der weltbesten Marathonläuferinnen und derzeit ebenfalls wegen Dopings gesperrt, vor laufender Kamera erklärt, dass sie sich durch eine Zahlung von umgerechnet 450.000 Euro ihren Start bei den Olympischen Spielen 2012 in London erkauft hat.

Zu diesem Zeitpunkt sollen dem russischen Verband bereits ihre extrem auffälligen Blutwerte der Jahre 2009 bis 2011 vorgelegen haben, die der Weltverband IAAF als Dopingverstoß gewertet, aber nicht geahndet haben soll.

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