"Verband zwei Jahre ausschließen"

SID
Mittwoch, 17.12.2014 | 12:51 Uhr
Doping-Kronzeugin Julija Stepanowa fordert harte Maßnahmen gegen den russischen Verband
© getty
Advertisement
NHL
Capitals @ Islanders
NBA
Celtics @ Bulls
Champions Hockey League
Brünn -
Jyväskylä
Champions Hockey League
Zürich -
Liberec
Basketball Champions League
Oostende -
Bonn
NBA
76ers @ Timberwolves
World Championship Boxing
Jeff Horn vs Gary Corcoran
Basketball Champions League
Yenisey -
Oldenburg
Basketball Champions League
PAOK -
Ludwigsburg
Basketball Champions League
Bayreuth -
Rosa Radom
NBA
Thunder @ Pacers
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 1
European Challenge Cup
Pau -
Agen
NBA
Lakers @ Cavaliers
NHL
Penguins @ Golden Knights
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 2
European Rugby Champions Cup
Ulster -
Harlequins
NBA
Spurs @ Rockets
BSL
Besiktas -
Galatasaray
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 3 -
Session 1
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 3 -
Session 2
NHL
Canadiens @ Senators
NBA
Jazz @ Cavaliers
World Championship Boxing
Billy Joe Saunders vs David Lemieux
ACB
Barcelona -
Gran Canaria
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 4 -
Session 1
European Rugby Champions Cup
Wasps -
La Rochelle
European Challenge Cup
Cardiff -
Sale
ACB
Obradoiro -
Real Madrid
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 4 -
Session 2
NBA
Kings @ Raptors
NHL
Blues @ Jets
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 5
NHL
Kings @ Flyers
NBA
Warriors @ Lakers
Basketball Champions League
Ludwigsburg -
Teneriffa
Basketball Champions League
Bonn -
Zielona Gora
NHL
Hurricanes @ Maple Leafs
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 6
NBA
Cavaliers @ Bucks
Basketball Champions League
Oldenburg -
Sassari
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 7
Basketball Champions League
Straßburg -
Bayreuth
NBA
Lakers @ Rockets
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 8
NBA
Celtics @ Knicks
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 9 Session 1
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 9 Session 2
Premiership
Warriors -
London Irish
NBA
Lakers @ Warriors
BSL
Darüssafaka -
Trabzonspor
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 10 Session 1
NHL
Jets @ Islanders
ACB
Montakit Fuenlabrada -
Iberostar Tenerife
William Hill World Championship
World Darts Championship: Tag 10 Session 2
Pro14
Connacht -
Ulster
NHL
Maple Leafs @ Rangers
NBA
Mavericks @ Hawks
Premiership
Leicester -
Saracens
NBA
76ers @ Knicks
NBA
Cavaliers @ Warriors
NBA
Wizards @ Celtics

Die gesperrte 800-m-Läuferin und Doping-Kronzeugin Julija Stepanowa hat drakonische Maßnahmen gegen Russlands Leichtathletik-Verband gefordert. "Wenn man wirklich das Ziel hat, Doping zu bekämpfen, muss man Funktionäre und Trainer nicht für zwei oder vier Jahre sperren, sondern lebenslang", sagte die 28-Jährige im Interview mit der "FAZ".

Mit den Trümmern des World Trade Centers vor Augen wurde Juri Stepanow zu einem anderen Menschen. Mittlerweile ist der wohl meistgehasste Mann im russischen Sport als Whistleblower zu weltweiter Bekanntheit gelangt. Am Mittwoch haben sich er und seine Frau Julia nach ihren spektakulären Enthüllungen über ein russisches Dopingsystem erstmals öffentlich geäußert - und das ohnehin schon erschütternde Gesamtbild präzisiert.

"Ich war in New York am 11. September 2001, als die Twin Towers einstürzten. Meine Wohnung lag direkt davor, es war unglaublich, so etwas Schreckliches zu sehen", sagte Stepanow der "Süddeutschen Zeitung": "Da begriff ich, wie kurz das Leben sein kann. Wenn es unvorhergesehen endet, sollte man als ehrlicher Mensch in Erinnerung bleiben."

Stepanow hat dies eindrucksvoll beherzigt. Er hat mit seiner Frau Julia Stepanowa in einer "ARD"-Dokumentation schonungslos über das Dopingsystem seiner russischen Heimat ausgepackt, Beweise in Bild und Ton geliefert. Seither ist das Paar - er Ex-Kontrolleur der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA, sie gesperrte 800-m-Läuferin von Weltklasse-Format - zwischen Königsberg und Wladiwostok unerwünscht, lebt an unbekanntem Ort im Exil.

"Als Lügner gebrandmarkt"

"Ich dachte, es sei besser, wir verlassen das Land. Ein guter Entschluss, denn tatsächlich sind die Reaktionen in Russland sehr negativ. Wir werden als Lügner gebrandmarkt, in den Medien heißt es, wir seien keine guten Russen und bekämen große Probleme, wenn wir zurückkommen würden", sagte Stepanow.

Reichlich Sprengstoff bergen die Enthüllungen, die das Paar nun in zwei großen Zeitungsinterviews noch einmal präzisierte. Glaubhaft sind diese vor allem, weil gerade Stepanowa nicht nur über das gesamte System detaillierte Aussagen machte und unter hohem Risiko Belege sammelte, sondern auch kompromisslos über ihre eigene Doping-Vergangenheit auspackte.

"Jeder sagte, wenn ich Spitzenathletin sein wollte, müsste ich mitmachen", sagte die heute 28-Jährige der "FAZ". Ihr Mann wies auf die Normalität von Dopingkonsum in Russland hin: "Wir wussten, dass es nicht richtig war. Aber es war auch für alle ganz normal. Es lief nicht unter Doping, sondern unter Spezialvorbereitung.

Vor zwei Jahren WADA belastet

Stepanowa, die ihre Doping-Karriere exemplarisch für russische Athleten sieht, hatte nahezu das komplette Standard-Repertoire unerlaubter Substanzen eingeworfen: "In Russland wird das Cocktail genannt. Epo für die Ausdauer, Steroide für die Kraft und weitere Mittel." Auch mit Wachstumshormon, laut Stepanowa in Russland weit verbreitet, habe sie experimentiert.

Gedopt worden sei unter Regie des russischen Cheftrainers Alexej Melnikow und des Chefmediziners Sergej Portugalow. Beide habe Stepanowa bereits vor zwei Jahren in einem Brief an die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA belastet - es blieb weitestgehend folgenlos

Das Doping-System Russlands werde von höchster Stelle getragen, die Motive sind gleichermaßen logisch wie banal. "Das Interesse ganz oben ist es zu zeigen, dass Russland besser ist als andere Länder. Die Leute sollen patriotisch gestimmt werden", sagte Witali Stepanow: "Nachdem Putin die Macht übernahm, wollte Russland wieder zur Sport-Supermacht werden."

"Was ermitteln sie bloß?"

Um dem komplett durchseuchten System Herr zu werden, fordert Julia Stepanowa drakonische Maßnahmen. "Wenn man wirklich das Ziel hat, Doping zu bekämpfen, muss man Funktionäre und Trainer nicht für zwei oder vier Jahre sperren, sondern lebenslang", sagte sie. Um eine dopingfreie Leichtathletik in Russland aufzubauen, "sollte der gesamte Verband für zwei Jahre von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen werden."

Von WADA und Leichtathletik-Weltverband IAAF fühlt sich Stepanowa allein gelassen: "Wir hoffen, dass sich nun jemand bei uns meldet, um unser gesamtes Material anzusehen. Was ermitteln sie bloß? Uns hat noch niemand gebeten, ihnen Aufnahmen zur Verfügung zu stellen." Die WADA nannte sie einen "zahnlosen Tiger".

Die Leichtathleten sollen keineswegs das schwarze Schaf in Russlands Sportfamilie sein. "Unser Wissen macht mich glauben, dass es in anderen Sportarten ähnlich läuft", sagte Witali Stepanow. Als RUSADA-Fahnder habe er mitbekommen, dass es vor den Winterspielen 2010 die Anweisung gegeben habe, bestimmte Medaillenkandidaten nicht zu testen. Russlands Doping-Sumpf könnte sich als noch tiefer herausstellen.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung