Leichtathletik

Kienle gewinnt - Frodeno Dritter

SID
Triathlet Sebastian Kienle krönte sich in Frankfurt/Main zum neuen Europameister im Triathlon
© getty

Triathlet Sebastian Kienle (Karlsruhe) hat am Sonntag seinen ersten Ironman gewonnen und sich damit in Frankfurt/Main zum neuen Europameister gekrönt.

Verhalten im Wasser, famos auf dem Rad und abgezockt im Marathon: An seinem 30. Geburtstag hat sich Triathlet Sebastian Kienle selbst beschenkt und zum ersten Mal die Ironman-EM in Frankfurt/Main gewonnen.

Der zweimalige Weltmeister über die halbe Strecke setzte sich nach 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen deutlich vor Weltmeister Frederik van Lierde (Belgien) sowie Peking-Olympiasieger Jan Frodeno (Saarbrücken) durch.

Frodeno, der in der Bankenmetropole von Krämpfen geplagt ein vielversprechendes Debüt über die Langdistanz feierte, überzeugte mit unbändigem Willen. An die Glanzleistung von Triumphator Kienle, dem sein erster Ironman-Erfolg gleich in Frankfurt-Rekordzeit von 7:55:14 Stunden gelang, kam an diesem Tag aber niemand auch nur annähernd heran.

"Scheiß auf den Geburtstag, das ist ganz egal. Den Titel zu gewinnen ist super, klasse. Jetzt mache ich aber erst einmal drei Tage lang Eistonne", sagte ein euphorisierter Kienle im hr-Fernsehen.

Überragend auf dem Rad

Der Karlsruher ließ insbesondere mit einem Husarenritt auf zwei Rädern erkennen, dass er an seinem Ehrentag Großes geplant hatte. "Man muss hier ständig am Gas sein", sagte er vor dem Rennstart über ein mögliches Erfolgsrezept.

Nach der durchschnittlichen Leistung im Langener Waldsee attackierte Kienle auf dem Rad auch deshalb von Beginn an. Die ersten 88 Kilometer absolvierte er in etwas mehr als zwei Stunden - Top-Favorit van Lierde hatte er bei dieser Marke bereits überholt.

Angefeuert von rund 500.000 Zuschauern trat der Deutsche danach weiter wie entfesselt in die Pedale. So schnell wie vor ihm noch kein Anderer beendete Kienle den Abschnitt auf dem Rad, selbst Hawaii-Sieger van Lierde konnte dem horrenden Tempo nicht folgen und musste den Marathon-Lauf mit 5:32 Minuten Rückstand in Angriff nehmen.

Sieg nie in Gefahr

"Da ist noch gar nichts entschieden", sagte Kienle beim Wechsel in der Frankfurter Innenstadt dennoch, "ich kenne Frederik. Das Rennen geht jetzt erst richtig los." Weil er sein Polster auf van Lierde aber nicht nur verwaltete, sondern noch weiter ausbaute, geriet der Triumph zu keiner Zeit in Gefahr. "Ich bin nur froh, im Ziel zu sein. Es war entscheidend, die Schwächen zu verbergen. Das ist mir gut gelungen", sagte Kienle.

Während Kienle mit seiner Gala-Vorstellung in der zweiten Teildisziplin den Grundstein für den Erfolg legte, platzten ausgerechnet dort Frodenos Träume von einem Überraschungscoup.

Als Erster stieg der 32-Jährige, der in diesem Jahr bereits drei Rennen über die Halbdistanz gewonnen hatte, noch aus dem Wasser. Nach etwa 40 Kilometern aber fiel Frodeno wegen zwei Defekten und Reifenwechseln weit zurück, zu allem Überfluss verlor er 90 Kilometer später noch seine Trinkflasche.

Frodeno trotzt Krämpfen

Aber auch mehr als 15 Minuten Rückstand nach dem Radfahren, Orientierungsschwierigkeiten zu Beginn des Marathons und immer wiederkehrende Krämpfe konnten "Frodo" nicht aufhalten. Der Hüne kämpfte sich auf einen Podestplatz, verringerte sogar die Lücke zu van Lierde - und überquerte 11:51 Minuten nach Kienle erleichtert die Ziellinie.

Der frühere Vize-Weltmeister Andreas Raelert (Rostock) musste das Rennen vorzeitig beenden, der Vorjahres-Zweite Jan Raphael (Hannover) wurde Neunter. Beim Sieg der Britin Corinne Abraham (8:52:40) belegte Kristin Möller (Gera) als beste Deutsche den vierten Platz.

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