Paralympics-Star erschießt Freundin

Oscar Pistorius unter Mordverdacht

SID
Donnerstag, 14.02.2013 | 12:37 Uhr
Oscar Pistorius gewann bei den Paralympics 2012 in London zwei Goldmedaillen
© Getty
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Fataler Irrtum oder kaltblütige Tat? "Blade Runner" Oscar Pistorius hat am frühen Donnerstagmorgen in seinem Haus seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen. Am Freitag wird der sechsfache Paralympics-Sieger nach Angaben der Staatsanwaltschaft einem Haftrichter in Pretoria vorgeführt. Dieser muss entscheiden, ob gegen den am Donnerstag festgenommenen Sportler formell Mordanklage erhoben wird und er möglicherweise gegen eine Kaution zunächst auf freien Fuß gesetzt wird.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur "AP" berichtet, es sei bereits während der polizeilichen Vernehmung Mordanklage gegen den 26-Jährigen erhoben worden.

Die Frau wurde nach Polizeiangaben mit vier Schüssen an Arm und Kopf getroffen. Der französischen Nachrichtenagentur AFP bestätigte Pistorius' Vater Henk die Tragödie. "Wir stehen unter Schock. Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht viele Informationen. Die einzige Person, die genau sagen kann, was passiert ist, ist Oscar selbst", sagte Henk Pistorius.

Wie die Polizei am Vormittag auf einer Pressekonferenz in Pretoria mitteilte, werde Oscar Pistorius nicht gegen eine Kaution auf freien Fuß gelassen. Sie legte Wert darauf, dass die Vermutung von einer versehentlichen Tat "nicht von ihnen" stamme. Die Polizei berichtete zudem, es habe in der Vergangenheit schon mehrmals Fälle von Gewalt im Haus von Oscar Pistorius gegeben.

Wollte Steenkamp Pistorius überraschen?

Mit der 30 Jahre alten Reeva Steenkamp war der vier Jahre jüngere Pistorius seit einem Jahr zusammen. Das blonde Model, im vergangenen Jahr Cover-Girl eines britischen Männer-Magazins (FHM), habe ihren Freund laut eines Bericht der südafrikanischen Zeitung "Beeld" anlässlich des Valentintages überraschen wollen. Steenkamps Model-Agentur bestätigte inzwischen, dass es sich bei der Toten um ihre Klientin handele.

Oscar Pistorius, der im vergangenen Sommer in London als erster amputierter Athlet an Olympischen Spielen teilgenommen hatte, wurde nach seiner Festnahme von der örtlichen Polizei des Distrikts Silverwood vernommen und noch am gleichen Tag dem Haftrichter vorgeführt. Südafrika gehört zu den Ländern mit der weltweit höchsten Kriminalitätsrate. Es ist üblich, dass Hausbesitzer Waffen haben, um sich vor Überfällen zu schützen.

Vier Schüsse mit 9-mm-Pistole

Polizeisprecherin Katlego Mogale erklärte, dass "ein 26 Jahre alter Mann festgenommen wurde, weil er eine 30 Jahre alte Frau erschossen hat". Gegen 4.00 Uhr morgens habe die Polizei einen Anruf erhalten und sei sofort zu Pistorius' Haus gefahren. Der Anrufer soll aber nicht Pistorius selber gewesen sein.

Zur Tat sagte die Sprecherin: "Das Opfer wurde viermal getroffen und starb noch am Tatort. Es wurde eine 9-mm-Pistole sichergestellt. Es wird vermutet, dass es sich um die Freundin des Schützen handelt." Ein anderer Polizeibeamter teilte mit, Pistorius sei "traumatisiert, weil er eine Person verloren hat, die ihm sehr nahe stand".

Oscar Pistorius ist der Star unter den Behindertensportlern. Im Alter von elf Monaten wurden Pistorius beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Er läuft auf Karbonstelzen. Pistorius wollte bereits bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 antreten, erhielt aber vom Leichtathletik-Weltverband IAAF keine Starterlaubnis. Die IAAF sah in den Wunderstelzen einen unzulässigen Wettbewerbsvorteil.

Historischer Auftritt in London

Pistorius zog gegen diese Entscheidung vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne - und bekam Recht. Somit war der Weg frei für seinen historischen Auftritt bei Olympia 2012 in London. Bei der Leichtathletik-WM 2011 holte er mit der 4x400-m-Staffel seines Landes Silber. In London trat er dann mit der 4x400-m-Staffel seines Landes und auch über die Einzelstrecke an, auf der er im Halbfinale ausschied.

Nach Olympia holte er anschließend bei den Paralympics an gleicher Stelle mit der 4x100-m-Staffel und über 400 m Gold.

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) wollte am Donnerstag vor dem Hintergrund der laufenden polizeilichen Ermittlungen keine Stellungnahme abgeben, übermittelte der Familie des Opfers aber sein aufrichtiges Beileid.

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