de Zordo: Der "Wohlfühl"-Mann ist Weltmeister

SID
Sonntag, 04.09.2011 | 13:55 Uhr
Mit 86,27 Meter holte sich der EM-Zweite Matthias de Zordo WM-Gold
© Getty
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Mit seinem Wurf auf 86,27 m hat sich Speerwerfer Matthias de Zordo zum Weltmeister gekrönt. Doch der 23-Jährige ordnet dem sportlichen Erfolg nicht alles unter.

Vom Zappelphilipp zum Weltmeister: Als Kind trieb Speerwerfer Matthias de Zordo seine Mutter mit seinem ausgeprägten Bewegungsdrang fast zur Verzweiflung, bei der Leichtathletik-WM in Daegu entnervte er die Konkurrenz bereits im ersten Versuch. Mit seinem Wurf auf 86,27 m holte sich der EM-Zweite von Barcelona 2010 Gold - und strafte damit auch alle Kritiker Lügen.

"Ich habe meine Mama früher schon ganz schön genervt", erzählte de Zordo. Doch die Tochter eines Italieners zog daraus die richtigen Schlüsse. Um das unruhige Kind zu beschäftigen, meldete sie den Sohn in einem Sportverein an. "Das ist das Einzige, was mich je interessiert hat. Sportler zu werden", sagte de Zordo.

de Zordo "ein fauler Sack"?

Aber selbst in der Stunde seines größten Erfolges musste sich der Weltmeister noch rechtfertigen. Zu trainingsfaul sei er, wurde in den letzten Tagen immer wieder über den 23-Jährigen gesagt. "Natürlich schwingt da Genugtuung mit, dass ich es allen gezeigt habe", gab de Zordo zu: "Zuletzt habe ich immer wieder gelesen, ich sei ein fauler Sack. Das nervt schon, und das stört mich."

Dass de Zordo nicht die Umfänge anderer Athleten trainiert, steht außer Frage. Daraus jedoch auch Faulheit zu schließen, wäre falsch. "Wie man gesehen hat, mache ich ja meinen Job", sagte er: "Es ist die Frage, ob es manchmal nicht zu viel des Guten ist. Ich bin noch jung, will mich noch entwickeln und nicht zu früh verheizen. Ich weiß eben meine Grenzen einzuschätzen."

EM-Silber in Barcelona 2010

Für den Newcomer, dessen Stern im vergangenen Jahr bei der EM in Barcelona aufging, ist eben das "Wohlfühlen" wichtiger für die eigene Leistung als maximale Kraftwerte. Außerhalb des Trainingsplatzes lässt er deshalb auch mal "Fünfe gerade sein". Besuche bei "bösen Fastfoodketten" oder das gemeinsame Bier trinken mit Freunden gehören auch dazu.

In Zeiten, in denen Sportler mit Ernährungsberatern, asketischer Lebensweise oder speziell angefertigten Kraftmaschinen die letzten Prozente an Leistungsfähigkeit herauskitzeln wollen, ein scheinbar "revolutionärer" Ansatz. De Zordo scheint der Beweis dafür zu sein, dass Erfolge bei großen Meisterschaften eben nicht von wissenschaftlichen Werten, sondern von der Einstellung abhängen.

"Ich habe ehrlich gesagt nicht daran geglaubt, dass er hier gewinnt", gab Speerwurf-Bundestrainer Boris Henry zu, der in Daegu selbst eine Achterbahnfahrt der Gefühle erlebte. Erst warf seine Freundin Christina Obergföll an einer Medaille vorbei, anschließend gewann sein Schützling de Zordo Gold: "Ich war am Boden zerstört und dann im siebten Himmel. Aber das Glücksgefühl überwiegt."

Glücklich war auch de Zordo auf seiner Goldparty. Die "kleine Feier" endete für ihn um 4.00 Uhr morgens. Da blieb kaum Zeit, die über 400 Glückwunsch-Mails zu lesen. Das wird de Zordo demnächst nachholen, wenn er es wieder etwas ruhiger angehen lässt. "Ich bin eben jemand, der im Stadion immer 150 Prozent gibt. Aber privat mag ich es eher ruhig."

Der WM-Zeitplan

 

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