Usain Bolt im Interview

Bolt: "Ich will eine Legende werden"

Von Interview: Florian Regelmann
Montag, 22.08.2011 | 14:58 Uhr
Usain Bolts beste 100-Meter-Zeit in der Saison 2011 bis jetzt: 9,88 Sekunden
© Getty
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Am Samstag beginnt die Leichtathletik-Weltmeisterschaft im südkoreanischen Daegu. Im Mittelpunkt wird wieder Sprint-Superstar Usain Bolt stehen. Der 25-jährige Weltrekordler über die schnellsten Bayern-Spieler, seine Bewunderung für Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney - und seinen Untergang beim Stabhochsprung.

SPOX: Usain, bevor wir zur Leichtathletik kommen, müssen wir über Fußball sprechen. Sie haben immer wieder gesagt, dass Sie eventuell eine Karriere als Profi-Fußballer anstreben, wie sieht es damit denn aus?

Usain Bolt: Es ist nach wie vor etwas, das in meinem Kopf herumschwirrt und das ich gerne probieren würde. Aber erst, wenn meine Leichtathletik-Karriere vorbei ist.

SPOX: Was wäre denn Ihre Position? Ich habe gehört, dass Sie in der High School im defensiven Mittelfeld gespielt haben. Usain Bolt als moderner Sechser?

Bolt: (lacht) Das stimmt, ich habe früher im defensiven Mittelfeld geackert, aber vielleicht könnte ich auch auf dem Flügel ganz effektiv sein. Das werden wir dann hoffentlich noch sehen.

SPOX: Wer ist denn Ihr Idol unter den Fußballern?

Bolt: Es war lange Zeit Ruud van Nistelrooy. Als er bei Manchester United seine ganzen Tore geschossen hat, bin ich überhaupt zum Fußball gekommen. Ich habe die Art und Weise, wie er gespielt hat, sehr gemocht. Jetzt bewundere ich Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney sehr.

SPOX: Auch wenn Ronaldo jetzt für Real Madrid spielt, heißt das, Sie würden am liebsten für ManUnited spielen, wenn Sie es sich aussuchen könnten? Sie haben ja auch mal beim FC Bayern vorbeigeschaut...

Bolt: Das stimmt. Ich war bei den Bayern zu Gast. Ich habe die Verantwortlichen und die Spieler getroffen, das war toll. Bayern ist ein großer Klub, aber was soll ich machen? Manchester United ist mein Verein, es gibt nichts anderes für mich.

SPOX: Wer sind denn die schnellsten Fußballer, die Ihnen bislang so aufgefallen sind?

Bolt: Also bei Bayern ist das, denke ich, eine enge Kiste zwischen Arjen Robben und Franck Ribery. Keine Ahnung, wer da ein Rennen gewinnen würde. Ansonsten ist Cristiano Ronaldo ganz klar einer der schnellsten Spieler, die ich je gesehen habe.

SPOX: Lassen Sie uns zur Leichtathletik kommen. Die WM in Südkorea steht vor der Tür. Sie haben alles erreicht, was man nur erreichen kann. Wie motivieren Sie sich da für eine weitere Weltmeisterschaft?

Bolt: Das ist ganz einfach: Ich will eine Legende werden. Und wenn ich eine Legende werden will, dann bedeutet das für mich, dass ich meine WM-Titel und meine olympischen Goldmedaillen verteidigen muss. Immer und immer wieder.

SPOX: Gab es seit den letzten Olympischen Spielen gar keine Momente, in denen Sie sich schwer taten, wieder die Lust für hartes Training zu finden?

Bolt: Nein, wirklich nicht. Ich habe das große Glück, dass ich mit Glen Mills einen großartigen Coach an meiner Seite habe. Im Racers Track Club habe ich auch tolle Trainingspartner. Ich habe überhaupt keine Probleme, mich zu motivieren.

SPOX: Es macht den Anschein, dass Sie in dieser Saison nicht in der Lage sind, Ihren Fabel-Weltrekord über die 100 Meter anzugreifen. Was ist denn eine realistische Zeit, die Sie bei der WM laufen können?

Bolt: Jeder fragt mich immer nach den Zeiten. Dabei denke ich darüber überhaupt nicht nach. Ich will gewinnen. Das zählt für mich.

SPOX: Okay, aber 2012 bei den Olympischen Spielen in London greifen Sie dann den Weltrekord wieder an?

Bolt: Ich kann mich nur wiederholen. Ich habe keine Zeiten im Kopf. Ich will gewinnen.

SPOX: Ihr Landsmann Asafa Powell ist wohl Ihr größter Rivale in Daegu. Wie sehen Sie Ihre Konkurrenz?

Bolt: Asafa ist ein großartiger Athlet, aber es gibt auch andere Sprinter, die in diesem Jahr gut drauf sind. Es macht den Wettbewerb nur spannender, wenn es mehrere Leute gibt, die stark in Form sind.

SPOX: Wie steht es eigentlich um Ihre Pläne, zum Weitsprung zu wechseln?

Bolt: Bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London werde ich mich ganz auf die 100 und 200 Meter konzentrieren. Danach werde ich mich mit meinem Trainer zusammensetzen und einen Plan für die kommenden Jahre machen. Vorher werde ich mich nicht entscheiden, wie es weitergeht.

SPOX: Edwin Moses hat uns kürzlich ein Interview gegeben und darin im Spaß angedeutet, dass die 400 Meter Hürden nichts für Sie wären. Denn das sei etwas für echte Männer. Was ist Ihre Antwort darauf?

Bolt: (lacht) Ich sage nur so viel: Ich habe noch nie darüber nachgedacht, die 400 Meter Hürden zu laufen.

SPOX: Als Könige der Athleten werden die Zehnkämpfer angesehen. Glauben Sie, dass Sie in einem Zehnkampf eine gute Figur abgeben würden?

Bolt: Das glaube ich schon. Ich denke, dass ich ein ganz guter Zehnkämpfer sein könnte. Zumindest bis es zum Stabhochsprung kommen würde. Das wäre schwierig für mich. Der Stabhochsprung wäre mein Untergang.

SPOX: Wenn die Leute über Sport-Superstars sprechen, dann sprechen Sie über Roger Federer, Tiger Woods, Lionel Messi, oder auch über Sie. Wie gehen Sie mit Ihrem Ruhm um?

Bolt: Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt. Es ist ein Kompliment und eine Ehre für mich, in einem Atemzug mit diesen Superstars genannt zu werden.

SPOX: Hatten Sie die Gelegenheit, einige dieser Stars einmal persönlich kennenzulernen?

Bolt: Woods, Federer oder Messi habe ich leider noch nicht getroffen, aber ich habe einige Fußballer kennengelernt, wie eben Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney. Der Speed von Cristiano hat mich am meisten beeindruckt.

SPOX: Sie haben jetzt noch einen neuen Weltrekord aufgestellt: Sie sind der erste Jamaikaner, der auf Facebook fünf Millionen Fans hat. Wie wichtig ist Ihnen der Kontakt zu Ihren Fans?

Bolt: Es ist großartig. Ich bekomme so viel Unterstützung, aus der ganzen Welt. Auch das motiviert mich, weiter hart zu trainieren.

SPOX: Die meisten Fans haben Sie in Mumbai, Rom und London. Was ist mit Berlin los?

Bolt: Gute Frage. Hey, nach allem, was ich in Berlin geleistet habe, schuldet Ihr mir was! (lacht) Vielleicht muss ich einfach lernen, Deutsch zu sprechen.

SPOX: Letzte Frage: Was macht Usain Bolt in zehn Jahren? Irgendeine Idee?

Bolt: Ich hoffe, dass ich dann weiterhin mein Leben genieße und auf eine erfüllte Karriere zurückblicken kann. Das wäre schön.

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