Freitag, 30.07.2010

Leichtathletik-EM

Verena Sailer: "Für mich zählte nur der Titel"

Verena Sailer packt sich an den Kopf, und die ganze Wut, die sie offenbar in Geschwindigkeit umgesetzt hat, sprudelt aus ihr heraus.

Verena Sailer hatte nach ihrem Gold-Lauf allen Grund zu feiern
© Getty
Verena Sailer hatte nach ihrem Gold-Lauf allen Grund zu feiern

"Da haben doch einige glatt gesagt, was ich als deutsche Sprinterin bei einer EM zu suchen hätte", sagte Europas neue 100-m-Königin und gesteht: "Das hat mich nur noch mehr motiviert, obwohl für mich schon vor Barcelona feststand: Für mich zählte hier nur der Titel. Ich hatte das Bild vor Augen, als Erste durchs Ziel zu laufen. Dann habe ich die Birne ausgeschaltet und bin nur noch gerannt."

Siegessicher und selbstbewusst war Deutschlands erste 100-m-Europameisterin seit dem gestürzten Glamourgirl Katrin Krabbe 1990 in persönlicher Bestzeit von 11,10 Sekunden ins Ziel gestürmt.

"Ich wusste: wenn dir ein guter Start gelingt, bist du nicht zu schlagen. Dann nahm ich nach der Hälfte des Rennens die Französin Veronique Mang neben mir wahr und sagte mir: Jetzt spielst Du Deine Stärke zwischen 40 und 80 Meter aus."

Was folgte war ein Sieg mit 0,01 Sekunden Vorsprung und unbändiger Jubel im Ziel. Und dem soll am Sonntag noch ein Staffel-Triumph folgen.

"Dieser Titel ist ganz besonders wichtig"

Am Abend nach dem historischen 100-m-Gold wurde die 24-Jährige, die schon 2009 als WM-Hablfinalistin beste Europäerin und Weiße zugleich gewesen war und bisher eine Bestzeit von 11,18 hatte, im Deutschen Haus von Barcelona groß gefeiert. Donnernder Applaus, als sie die Bühne betritt. "Ich bin nur noch glücklich", sagte sie ins Mikrofon.

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Keine Angst, es ist nicht Sebastian Vettels Kopf, der da beim Training zum Ungarn-GP raucht. Der Dampf kommt vom Trockeneis, das den Motor kühlt
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Joaquin Arias und Coco Crisp nehmen eine gegenseitige Leibesvisitation vor. Gesehen beim MLB-Spiel Texas Rangers gegen Oakland Athletics
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"In der öffentlichen Wahrnehmung ist dieser Titel ganz besonders wertvoll", meinte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). "Klasse, wie sie das gemacht hat. Solche Typen brauchen wir", sagte Melanie Paschke, die 1994 mit EM-Bronze die letzte deutsche Sprintmedaille geholt hatte.

"Das war Spannung pur. Selbst Alfred Hitchcock hätte kein besseres Drehbuch schreiben können", erklärte der Mannheimer DLV-Cheftrainer Rüdiger Harksen, und sein Kollege Herbert Czingon sagte: "Sie und der Franzose Christophe Lemaitre zeigen, dass weiße Läufer mit intelligentem Training erfolgreich sein können. Sie müssen nur an sich glauben."

Das tat Verena Sailer, aber sie erzählte nur dem Trainer, dass sie fest auf dieses Gold spekulierte. Als die anderen sie dann feierten, hielt sich die glückselige Sportmanagement-Studentin ganz bewusst mit Alkohol zurück.

"Jetzt noch so ein Ding, das wäre der absolute Hammer"

"Mein Gott, ich kann nichts mehr trinken. Ich habe vorhin bei der Dopingkontrolle zu viel in mich hineingeschüttet. Und gefeiert wird erst zum Schluss", sagte die gebürtige Allgäuerin der MTG Mannheim mit Blick auf die 4x100-m-Staffel am Sonntag.

"Jetzt noch so ein Ding, das wäre der absolute Hammer", meinte die Hallen-EM-Dritte, die das deutsche Quartett schon bei der WM 2009 in Berlin beim Sturz ins Ziel zum "Europameister" hinter Jamaika und den Bahamas gemacht hatte. Jetzt sagt sie: "Frankreich ist mit drei 100-m-Finalistinnen saustark - und Russland steht in der Europarangliste vor uns."

Weit von sich schob Verena Sailer die Frage, ob sie irgendwann auch mit den schwarzen Weltstars konkurrieren kann. "Schritt für Schritt. Das ist für mich noch kein Thema", sagte die Europameisterin.

Und Trainer Valerij Bauer, der sie über neun Jahre hinweg zu Spitze führte, wiegelte ebenfalls ab: "Verena kann bald 11,00 laufen. An mehr denken wir noch nicht."

Nach Doppel-Gold läuft´s rund im DLV-Team


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