Montag, 26.07.2010

Leichtathletik-EM in Barcelona: 10 DLV-Athleten im Fokus

Das Model mit dem Diskus

Bei den 20. Leichtathletik-Europameisterschaften in Barcelona (27. Juli bis 1. August) tritt der DLV mit einem 74-köpfigen Team an, das gute Chancen hat, viele Medaillen zu gewinnen und so für positive Schlagzeilen zu sorgen. SPOX stellt 10 Athleten vor, auf die es besonders zu achten gilt.

Nadine Müllers persönliche Bestleistung liegt bei 67,78 Meter
© Getty
Nadine Müllers persönliche Bestleistung liegt bei 67,78 Meter

4 Mal Gold, 4 Mal Silber, 2 Mal Bronze - so lautete die deutsche Bilanz bei der EM vor vier Jahren in Göteborg. Eine Bilanz, die in Barcelona übertroffen werden kann. Auch wenn mit Sebastian Bayer (Weitsprung) und Raul Spank (Hochsprung) zwei potenzielle Top-Athleten aus Formgründen nicht nominiert wurden, ist die Liste der möglichen Medaillenkandidaten lang.

Da gibt es die Reihe der üblichen Verdächtigen um Robert Harting (Diskus), Ariane Friedrich (Hochsprung), Betty Heidler (Hammer), Nadine Kleinert (Kugel), Jennifer Oeser (Siebenkampf) oder Christina Obergföll (Speer) - und selbst im Sprint liegen Verena Sailer und Tobias Unger in der europäischen Bestenliste des Jahres 2010 in den Top 5. Es geht also was.

SPOX stellt außerdem 10 Athleten vor, die ebenfalls das Potenzial zu echten Stars haben. Mit dabei: einige Beautys und der Mann mit der weißen Mütze.

Der 1. Wettkampftag in Barcelona ab 18.45 Uhr im LIVE-TICKER

Nadine Müller (Diskuswurf)

Wer sie sieht und nicht kennt, würde im Leben nicht darauf kommen, dass sie eine der besten Diskuswerferinnen der Welt ist. 1,93 Meter groß, sehr lange Beine und ein bildhübsches Gesicht: Nadine Müller ist so was wie das Model der deutschen Leichtathletik-Szene.

In diesem Jahr pulverisierte die 24-Jährige ihre persönliche Bestmarke um fast dreieinhalb Meter auf 67,78 Meter. Damit ist Müller in Europa die Nummer eins. Die Bundespolizistin, die mit elf Jahren mit dem Diskuswerfen begann - damals segelte der Diskus auf 15 Meter -, träumt inzwischen von der 70-Meter-Marke.

Wenn sie die technischen Defizite, die sie an und ab in ihren Würfen hat, noch abstellen kann, sollte es möglich sein. So oder so scheint klar: Sie wird die Nachfolge der großen deutschen Diskuswerferinnen Ilke Wyludda und Franka Dietzsch antreten - und sie wird verdammt gut dabei aussehen.

Entscheidung: 28. Juli, 18.30 Uhr

Silke Spiegelburg
Silke Spiegelburg
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Carolin Hingst & Silke Spiegelburg (Stabhochsprung)

Deutsche Mädels und Stabhochsprung - das passt! Carolin Hingst steigerte mit 29 Jahren ihre persönliche Bestleistung in diesem Jahr auf 4,72 Meter und ist damit in Europa die Nummer eins. Nur einen Zentimeter dahinter folgt Silke Spiegelburg, die aufgrund ihres Alters (24 Jahre) noch eine größere Zukunft vor sich haben könnte.

Gut, wir wollen nicht verschweigen, dass Jelena Issinbajewa sich nach 4398 Weltrekorden ausgebrannt fühlt und in diesem Jahr vermutlich gar nicht springen wird - das hilft dann natürlich schon, wenn die Super-Russin fehlt. Dennoch sind die Leistungen von Hingst und Spiegelburg absolut top. Der deutsche Rekord von Annika Becker steht bei 4,77 Meter und wäre eigentlich mal fällig. Und man darf ja mal von einem EM-Doppelsieg träumen...

Entscheidung: 30. Juli, 18.30 Uhr

Sebastian Ernst (200 Meter)

Ein schneller deutscher Mann, auf den man achten sollte. Zugegeben, es klingt erst mal seltsam. Aber die Zahlen lügen nicht. Es gibt in Europa nur zwei Männer, die 2010 die 200-Meter-Distanz schneller bewältigt haben als Ernst. Das französische Ausnahmetalent Christophe Lemaitre und Jaysuma Saidy Ndure, ein Sprinter aus Gambia, der für Norwegen an den Start geht.

Aber dann kommt schon Ernst mit seinen 20,38 sec daher. Nicht schlecht. Gar nicht schlecht. Ernst, der eigentlich Fußballer werden wollte, aber dann als Jugendlicher wegen seines Reservistendaseins dem Fußball den Rücken kehrte, sorgte 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen als 19-Jähriger für Furore, als er ins Halbfinale einzog.

Danach verschwand Ernst etwas in der Versenkung, aus der er jetzt aber wieder aufgetaucht ist. Ist übrigens Gelsenkirchener, aber trotzdem Bayern-Fan. Verrückter Typ.

Entscheidung: 30. Juli, 19.25 Uhr

Malte Mohr
Malte Mohr
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Malte Mohr & Raphael Holzdeppe (Stabhochsprung)

Deutsche Jungs und Stabhochsprung - das passt! Altmeister Tim Lobinger hat aktuell keine Chance mehr, weil die Jugend mit Macht nach oben drängt. Malte Mohr und Raphael Holzdeppe haben in diesem Jahr beide schon 5,80 Meter als Bestleistung stehen - nur der Franzose Renaud Lavillenie (5,94 Meter) springt noch in einer anderen Liga.

Der 24-jährige Mohr, der bei der Hallen-WM 2010 Silber holte und als amtierender deutscher Meister nach Barcelona kommt, hat das Potenzial zum 6-Meter-Springer. Sein Mentor Tim Lobinger hat die 6 Meter in seiner Karriere gemeistert - es gibt keinen Grund, warum Mohr es nicht auch schaffen sollte.

Und das gleiche gilt für den erst 20-jährigen Holzdeppe, der 2008 Gold bei der U-20-WM gewann. Wenn bei der EM der Stabhochsprung-Bewerb läuft, ist Einschalten Pflicht. Mohr und Holzdeppe werden richtig Zirkus machen.

Entscheidung: 31. Juli, 18 Uhr

David Storl (Kugelstoßen)

U-18-Weltmeister 2007, U-20-Weltmeister 2008, U-20-Europameister 2009. Man könnte sagen, dass es sich seit einigen Jahren ankündigt, dass David Storl der nächste deutsche Kugelstoß-Star wird. Manche bezeichnen ihn sogar als Jahrhunderttalent. Noch ist der erfahrene Ralf Bartels (21,14) einen Tick stärker, aber der 19-Jährige kommt immer näher.

In diesem Jahr verbesserte er seine Bestmarke auf gute 20,77 Meter. Für eine Medaille wird das wohl noch nicht ganz reichen, aber dran schnuppern könnte er. "Mit ihm haben wir wieder einen, der über 21,50 Meter stoßen kann", sagt Bartels.

Nachdem er bei der WM in Berlin noch Lehrgeld bezahlen musste und in der Qualifikation ausschied, sind die Voraussetzungen nun besser. Auch weil Storl das Abi bestanden hat und sich voll auf den Sport konzentrieren kann. Storls Leistungskurse hießen neben Sport übrigens Geschichte und Deutsch. "Goethe ist ganz okay", sagte Storl einmal lapidar.

Entscheidung: 31. Juli, 18.30 Uhr

Matthias de Zordo
Matthias de Zordo
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Matthias de Zordo (Speerwurf)

Ein deutscher Speerwerfer, der ganz vorne in der europäischen Spitze mitwerfen kann? Seit Boris Henry gab es das im DLV nicht mehr. Aber jetzt sorgt der Trainer Henry dafür, dass da ein Talent heranwächst, das es in sich hat. De Zordo steigerte sich in dieser Saison auf 84,38 Meter - und bei dieser Weite soll noch lange nicht Schluss sein.

Bei der Team-EM verwies er sogar Olympiasieger, Welt- und Europameister Andreas Thorkildsen aus Norwegen auf Rang zwei. De Zordo hat ein ähnlich großes Potenzial wie Henry früher - und lustigerweise hat er auch das gleiche Ritual. Ohne Mütze geht nix.

Seine weiße Mütze darf im Wettkampf nie fehlen. "Das ist meine Glücksmütze. Ich habe im Winter festgestellt, dass es mit Mütze besser klappt als ohne. Das meine ich im Ernst", sagt der 22-jährige Lefty. De Zordo ist einer der ganz wenigen Linkshänder im Speerwerfen. Sein Ziel: als erster Linkshänder über 90 Meter werfen.

Entscheidung: 31. Juli, 20.05 Uhr

Carolin Nytra (100 Meter Hürden)

Weltjahresbestenliste über 100 Meter Hürden 2010: 1. Lolo Jones (12,55 sec). 2. Priscilla Lopes-Schliep (12,56 sec). 3. CAROLIN NYTRA (12,57 sec)! Die 25-Jährige ist in diesem Jahr in eine völlig neue Dimension vorgestoßen. Eine EM-Medaille ist bei dieser Vorleistung, die sie bei den deutschen Meisterschaften mit einer weiteren Klasse-Zeit (12,72 sec) noch bestätigte, fast schon Pflicht.

Der Grund für die Leistungsexplosion bei der Freundin von Sebastian Bayer ist schnell gefunden: alles eine Frage des Kopfes. Bei der WM war sie mental noch zu schwach. Also reagierte Nytra und arbeitete mit einem Psychologen an ihren Ängsten.

Sie hatte Sorge, an zwei Tagen hintereinander einen Wettkampf bestreiten zu müssen, weil sie das Gefühlt hatte, ihr fehlt die Kraft dafür. Außerdem musste sie lernen, die Hürde nicht als Hindernis zu sehen. "Ich muss sie auffressen und attackieren wollen", sagt Nytra, die im letzten Jahr noch Angst hatte, in die Hürden zu rennen.

Entscheidung: 31. Juli 2010, 20.25 Uhr

Christian Reif
Christian Reif
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Christian Reif (Weitsprung)

25 Jahre, wollte als Kind Polizist werden, Lieblingsschauspieler sind Denzel Washington, Johnny Depp und Will Smith - und musikalisch schwankt er zwischen David Garrett und Gentleman. Ach ja, Christian Reif ist auch noch DIE deutsche Weitsprung-Hoffnung bei der EM.

Nicht 8,71-Meter-Mann Sebastian Bayer, Reif ist Deutschlands Nummer eins. In diesem Jahr hat er mit starken 8,27 Metern eine neue persönliche Bestleistung aufgestellt und ist damit sogar Europas Nummer eins. Sprich: ein Goldfavorit.

Besonders beeindruckend: Er ist in diesem Jahr schon dreimal weiter als 8,20 Meter gesprungen und hat damit Konstanz bewiesen. Olympiasieger Irving Saladino glaubt, dass Reif weit über 8,30 Meter springen kann. Seine große Angst dreht sich um folgende Frage: Habe ich meine Top-Form in diesem Jahr zu früh erreicht? Wir wollen es nicht hoffen.

Entscheidung: 1. August 2010, 20.10 Uhr

Der Terminplan der EM: Alle Entscheidungen im Überblick

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