Donnerstag, 29.07.2010

Leichtathletik-EM

Christophe Lemaitre - Europas Usain Bolt

Christophe Lemaitre ist Europas neuer Sprintstar. Der Franzose unterbot 2010 erstmals die Zehn-Sekunden-Schallmauer und hat eine Menge mit Usain Bolt gemeinsam.

Christophe Lemaitre blieb bei den französischen Meisterschaften erstmals unter zehn Sekunden
© Getty
Christophe Lemaitre blieb bei den französischen Meisterschaften erstmals unter zehn Sekunden

Bei der Pressekonferenz macht er ständig Faxen mit seinem Strohhut, den ihm ein Fan bei der Ehrenrunde zugeworfen hat. Christophe Lemaitre, Europas weißer Usain Bolt, gibt wie Jamaikas Weltstar gern den Clown. Und der erste weiße Sprinter, der die 100 m unter zehn Sekunden rannte (9,98), strebt wie der Mann aus der Karibik das goldene Triple an. "Er ist schon jetzt ein Großer", sagt Armin Hary, der erste 10,0-Sprinter.

14 Stunden nach seinem 100-m-Triumph in 10,11 Sekunden nahm der gerade mal 20 Jahre alte Junioren-Weltmeister schon die erste Hürde auf dem Weg zum zweiten Titel. In 20,64 Sekunden gewann der Mann aus Aix-le-Bains den 200-m-Vorlauf. Mit Frankreichs 4x100-m-Quartett führt Lemaitre in 38,50 zeitgleich mit der deutschen Staffel die Europarangliste an. Schneller waren 2010 weltweit nur Jamaika mit Bolt (37,90) und die USA (38,33).

Erstmals unter zehn Sekunden

"Ich feiere erst, wenn ich das dritte Gold in der Tasche habe", sagt Lemaitre, der vor drei Wochen bei den französischen Meisterschaften mit dem 9,98-Sprint aufwartete. In Barcelona hatte der Rest des Kontinents keine Chance gegen den Youngster. Vier stürmten zeitgleich in 10,18 ins Ziel. Und sein vermeintlich größter Rivale Dwain Chambers wurde sechs Tausendstelsekunden hinter seinem britischen Landsmann Mark Lewis-Francis (10,172) nur Fünfter.

"Mein Start war nicht toll, aber ich konnte hinten enorm beschleunigen", sagte Lemaitre über sein Rennen. Und Chambers gestand: "Meine Erfahrung war zu wenig. Aber meine Chance wird noch kommen." Nicht jedoch 2012 in London, denn der Brite darf als ehemaliger Dopingsünder nicht bei Olympia starten.

Bolt in London fordern

Demnach wäre eher Lemaitre der Mann, der Usain Bolt in den nächsten Jahren fordern kann - soweit dies überhaupt einer schafft. "Ich kenne Usain Bolt nur von der Bahn. Mein Ziel ist nicht, ihn zu erreichen, das wäre natürlich trotzdem großartig. Ich will mich auf mich konzentrieren", sagt Lemaitre. Als Student der Elektrotechnik betont er: "Dieser Ausgleich ist für mich sehr wichtig. Ich werde das Studium fortsetzen, auch wenn ich lieber auf der Bahn bin."

Dort sieht er schon bald Steigerungsmöglichkeiten: "Ich denke, eine Zeit von etwa 9,92 kann ich bald noch schaffen", sagt Lemaitre, der nach seinem Sieg alle Welt wissen ließ: "Es ist das pure Glück. Die Freude über den Titel überwiegt meinen ersten Lauf unter 10 Sekunden."

Armin Hary, der vor seinem Olympiasieg von Rom genau diese zehn Sekunden als erster Mensch in Zürich gelaufen war, sagt: "Lemaitre wirkte bei seinem Lauf auffallend entspannt. Er stützt meine These, dass es nicht die Sache der Gene ist, dass die Schwarzen im Sprint dominieren. Sie sind nur hungriger als wir. Grundsätzlich haben die Weißen die gleiche Chance."

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