Dienstag, 03.02.2015

Markus Weise im Interview

"Kann Rammstein und Metallica hören"

Markus Weise ist dreifacher Olympiasieger. 2004 gewann er als Bundestrainer der Damen-Nationalmannschaft seine erste Goldmedaille, 2008 in Peking und 2012 in London wiederholte er den Triumph mit den Männern. Im SPOX-Interview spricht er über seine Co-Trainer-Rolle bei der Hallen-WM in Leipzig, seinen Musikgeschmack und Ähnlichkeiten zu Pep Guardiola.

Bundestrainer Markus Weise ist seit 2006 Trainer der Herren-Nationalmannschaft
© getty
Bundestrainer Markus Weise ist seit 2006 Trainer der Herren-Nationalmannschaft

SPOX: Herr Weise, bevor wir zum Sportlichen kommen, müssen wir über Jan-Marco Montag sprechen. Ein ehemaliger Spieler von Ihnen - und der letzte Kandidat bei "Schlag den Raab". Haben Sie seinen Auftritt verfolgt?

Markus Weise: Ich habe es teilweise gesehen, aber es hat sehr wehgetan. Jede Show bedeutet für Raab Training, das ist sein großer Vorteil. Je länger es diese Sendung gibt, desto schwerer wird es, ihn zu schlagen. Man muss ihn über die Physis packen, aber leider hat Jan-Marco das Schlittschuh-Spiel verloren, weil er weggerutscht ist. In solchen Situationen darf man den Kollegen Raab nicht unterschätzen, sonst bestraft er jeden Fehler.

SPOX: Vielleicht hätten Sie ja bessere Chancen. Als Hockey-Bundestrainer gelten Sie als harter Hund.

Weise: Ich kann auch hart sein, das stimmt. Aber ich bediene eine breitere Palette des Verhaltensspektrums (lacht). Ich verhalte mich situativ unterschiedlich, weshalb ich mich eher als konsequent bezeichnen würde.

SPOX: Können Sie Trainern, die nur über den Schmerz und die Qual gehen, etwas abgewinnen?

Weise: Man muss den Spielern hin und wieder zeigen, wo die Grenze ist. Aber genau diese Grenze kann man auch mal überschreiten. Der Kopf sagt dir: "Du kannst nicht mehr." Aber der Körper kann noch deutlich mehr, als der Kopf glaubt. Wenn man das als Mannschaft versteht, ist das eine der besten Teambuilding-Maßnahmen, die es gibt. Man muss nicht unbedingt in den Klettergarten gehen und Spaß haben, sondern sich einfach mal gemeinsam quälen. Hinterher kann man sagen, dass es brutal war, aber auch geil.

SPOX: Diese Herangehensweise passt auch zu Ihrem Musikgeschmack. Der Privatmensch Markus Weise soll zwar einerseits ein Fan anspruchsvoller Literatur sein, gleichzeitig aber auch mal Punkrock hören. Stimmt das?

Weise: (lacht) Also mein Musikgeschmack ist ziemlich breit. Mitunter geht es da schon ein bisschen heftiger zu, das muss ich zugeben. Ich kann Rammstein und Metallica hören, aber auch klassische Musik. Man darf sich nicht einengen lassen. Heutzutage gibt es so viel zu entdecken: In der Musik, in der Kunst, auch in Videospielen. Man kann total spannende und interessante Sache machen, man muss nur die Augen und Ohren offen halten. Nur R'n'B zu hören, wäre mir beispielsweise zu wenig.

SPOX: Kommen wir wieder zurück zum Sport. Sie gewannen insgesamt drei Mal Olympisches Gold. Bei der anstehenden Hallen-WM in Leipzig sind Sie aber nur als Co-Trainer dabei. Warum?

Weise: Ich bin seit 2003 relativ raus aus dem Hallenhockey. Zudem wird jetzt auch noch in einem neuen Format gespielt, es wäre töricht, wenn ich Stefan Kermas nicht den Vortritt lassen würde. Er ist viel näher am Geschehen in der Halle dran. Aber es wird trotzdem kein Selbstläufer. Durch das neue System, bei dem nur fünf anstatt sechs Spielern auf dem Feld stehen, ändert sich das Spiel. Man muss abwarten, aber natürlich haben wir eine starke Mannschaft und gehören zum Favoritenkreis.

SPOX: Können Sie sich denn so einfach unterordnen?

Weise: Klar, damit habe ich absolut kein Problem. Mit Stefan habe ich bereits in der Vergangenheit mehrere Jahre sehr erfolgreich und sehr gut zusammengearbeitet. Wir kennen dieses Kastendenken nicht, wer ist übergeordnet, wer ist untergeordnet. Es geht mehr um eine ziel- und chancenorientierte Zusammenarbeit.

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SPOX: Das ist trotzdem nicht gang und gäbe. Man stelle sich vor, Pep Guardiola würde beim FC Bayern München für ein Spiel oder ein Vorbereitungsturnier als Co-Trainer auftreten.

Weise: Wenn Sie es jetzt so sagen: Stellen Sie sich vor, die Bayern würden ein Hallenturnier bestreiten. Und Guardiola ist der Meinung, dass er jemanden in seinen Reihen hat, der mehr Ahnung von Hallenfußball hat. Dann würde er wahrscheinlich genauso handeln.

SPOX: Sie gelten wie Guardiola als Trainer, der versucht, Trends zu setzen. Gibt es Ähnlichkeiten?

Weise: Was ich bei ihm sehe, ist das variable Spiel mit den häufigen Rollenwechseln der Spieler. Das ist eine Sache, die auch bei uns zum Alltag gehört.

SPOX: Der Vergleich zwischen Fußball und Hockey wird häufig gezogen. Dabei blicken Sie auch über den Tellerrand hinaus. Sogar vom Schach sollen Sie sich Anregungen holen.

Weise: Schach ist meine Leidenschaft, ich habe auch die WM im letzten Jahr verfolgt. Hauptsächlich sind es natürlich strategische Überlegungen, die ich in den Hockey-Sport einfließen lasse. Wissen Sie, es wird immer nur von Taktiken gesprochen und nie von einer Strategie. Das ist die völlig falsche Richtung, in die man denkt. Wer im Schach keine strategischen Pläne hat, landet auf der Nase. Fußball und Hockey kann man natürlich auch vergleichen, weil bei beiden Sportarten Elf-gegen-Elf gespielt wird. Es gibt sehr viele Ähnlichkeiten, aber auch klare Unterschiede. Während Fußballspielen schaue ich auch immer mit der Trainerkrankheit zu.

SPOX: Trainerkrankheit? Was bedeutet das?

Weise: Ich verfolge eine Partie vielleicht nicht so wie ein normaler Fan, sondern frage mich ständig: Was kann ich sehen? Was kann ich erkennen?

Seite 1: Ähnlichkeiten zu Pep, Anregungen vom Schach und der Musikgeschmack

Seite 2: Fördergelder, die indische Profiliga und das deutsche Sportsystem

Interview: David Schmitt

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