Vier Viertel und viele Pausen

"Eishockey immer ähnlicher"

SID
Freitag, 21.03.2014 | 13:18 Uhr
Leandro Negre sieht positive Auswirkungen durch die Änderungen
© getty
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An der jüngsten Revolution scheiden sich die Geister. Über die massive Reform mit der Vierteilung einer Begegnung anstelle der bisherigen zwei Halbzeiten und der zehnminütigen Spielzeitverkürzung gehen auch bei den deutschen Olympiasiegern die Meinungen auseinander.

Deutschlands Sportfans werden 2016 einen ihrer Olympia-Lieblinge womöglich kaum wiedererkennen. Denn Hockey könnte sich bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro nach einer auch für so manchen Insider überraschenden "Revolution" der Weltöffentlichkeit als erheblich veränderter Sport darstellen.

An der künftigen Vierteilung einer Begegnung anstelle der bisherigen zwei Halbzeiten und der Spielzeitverkürzung von derzeit noch zweimal 35 Minuten auf künftig viermal 15 Minuten scheiden sich auch bei den Goldmedaillen-Gewinnern von Peking 2008 und London 2012 die Geister.

Weise wenig begeistert

"Bei uns wird jedes Jahr irgendwie immer herumgefrickelt und herumgedoktert, und es ist jedes Jahr das gleiche Ding, dass am Sport vorbei diskutiert und entschieden wird. Ich bin davon nur wenig begeistert", sagte Herren-Bundestrainer Markus Weise dem "SID" in einer ersten Reaktion auf die ab September für Topturniere gültige Entscheidung des Weltverbandes FIH: "Durch diese neuerlichen Änderungen werden wir dem Eishockey immer ähnlicher."

Weises Vergleich mit den "großen Brüdern" auf Kufen erscheint durch weitere Reglementsänderungen durchaus angebracht. Einmal im Reform-Fieber kupferte die FIH-Spitze in ihrem Kampf um eine olympische Zukunft nämlich noch weitere Elemente aus dem Erfolgsmodell Eishockey sowie den US-Topsportarten Basketball und Football ab.

Nach jedem Tor und jeder Strafecke erfolgen nunmehr 40-sekündige Auszeiten, und außer der zehnminütigen Pause in der Spielmitte finden in Zukunft auch nach dem ersten sowie dem dritten Viertel für jeweils zwei Minuten zusätzliche Erholungsphasen statt.

Suche nach dem Sinn

"Angeblich werden wir dadurch telegener oder irgendein anderes Blabla. Aber ich verstehe den Sinn nicht", klagt Weise: "Doch irgendwelche intelligenten Leute werden das schon erklären können."

Der spanische FIH-Präsident Leandro Negre mühte sich jedenfalls nach Kräften um eine positive Deutung der für Außenstehende durchaus schon an eine Verzweiflungstat erinnernde Reform. "Das ist für die Fans attraktiver, und auch die Trainer haben nun mehr Möglichkeiten, ihre Mannschaften taktisch neu einzustellen", sagte der Verbandsboss.

Experten halten durch die Reformen eine Verlagerung der Gewichte zugunsten spielstärkerer und dafür athletisch weniger ausgebildeter Mannschaften für möglich. "Mannschaften mit einer schwächeren Bank", meint Weise, "können durch die geringere Spielzeit bisherige Nachteile besser ausgleichen. Mehr Pausen bringen auch Vorteile für Teams, die physisch nicht so stark sind."

Fürste erwartet keine großen Auswirkungen

Weises "Musterschüler" Moritz Fürste indes erwartete im "SID"-Gespräch weder für den Spielcharakter noch für die Kräfteverhältnisse im Welthockey nennenswerte Auswirkungen "Ich sehe das ganz emotionslos: Eine Verkürzung der Brutto-Spielzeit bedeutet längst nicht auch eine Verkürzung der Nettospielzeit, und in der absoluten Weltspitze sind die Mannschaften auch im physischen Bereich so nahe beieinander, dass Spielzeit oder Pausen kaum einen Unterschied machen dürften", sagt der zweimalige Olympiasieger und frühere Welthockeyspieler.

In Kreisen mancher Fachleute erntete die FIH-Entscheidung auch Spott. Bundesliga-Trainer Christoph Elste vom Münchner SC kann besonders die Unterbrechungen nach Toren und Strafecken nicht nachvollziehen. : "Die nächste 'super Idee'. Bei torreichen Spielen", orakelte der Coach auf seiner Facebook-Seite, "verschieben sich nachfolgende Spiele auf Montagvormittag..."

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