Darts-WM: Favoritencheck mit Elmar Paulke - Taylor Wonderland oder MvG-Demonstration?

Von Adrian Fink
Phil Taylor tritt bei der WM zum letzten Mal auf der großen Darts-Bühne an
© getty
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4. Gary Anderson - Patz 3 der Order of Merit (SPOX-Interview)

Anderson, der 2017 drei Players Championships sowie die Dubai und Perth Masters eintütete, hatte sportlich gesehen in den vergangenen zwölf Monaten nicht nur Höhen, zuletzt war er aber wieder voll da. Ähnlich wie Barney beflügelt die Aura Ally Pally auch Anderson: Zwei Mal krallte sich der Schotte am Ende den Pokal (2015, 2016) und auch im letzten Jahr marschierte er bis ins Finale, hatte aber gegen Mighty Mike das Nachsehen.

Drei Finalteilnahmen am Stück sind kein Zufall, der Set-Modus ist Anderson auf den Leib geschnitten. Anderson hat dank seiner mentalen Stärke ein Händchen für die wichtigen Momente, in denen er sein unfassbares Niveau abrufen kann. Das wird er in diesem Jahr auch brauchen, denn der Weg zum Glück hat es in sich. Im Viertelfinale könnte Taylor warten, im Halbfinale Wright und im Finale der Endgegner MvG. Na dann viel Erfolg!

Elmar Paulke: "Er hat einen ähnlichen Verlauf hinter sich wie im Jahr zuvor. Er war ein paar Monate nicht ganz so präsent und hat bewusst einige Events ausgelassen, weil er nochmal Vater wurde und sich um die Familie kümmern wollte. Er hat neue Kraft getankt. Jetzt ist er sportlich wieder auf Kurs, zumal er weiß, dass er im Ally Pally gut spielen wird. Er ist kein Arbeiter, deshalb liegt ihm dieses Turnier. Bei der WM hat Anderson seine Pausen und genießt es noch mehr als sonst, dass er seinen Beruf zum Hobby gemacht hat - da ist er charakterlich anders als der Arbeiter van Gerwen."

3. Peter Wright - Platz 2 der Order of Merit

Bei Snakebite stand die WM-Teilnahme lange in den Sternen, denn Wright musste Ende November wegen Gallenproblemen ins Krankenhaus. Kurz vor der WM die gute Nachricht: Die Nummer zwei der Welt tritt an. In erster Linie ist das natürlich eine gute Nachricht für Wright selbst, denn er hätte nicht das Okay bekommen, wenn er nicht gesundheitlich so weit wäre. Darüber hinaus ist das aber auch ein sportlicher Mehrwert für die WM.

Wright hat 2017 den nächsten Schritt gemacht, steigert sich im Laufe eines Turniers und hat mit den UK Open endlich den ersten großen Titel unter Dach und Fach gebracht. Bleibt natürlich die Frage, inwiefern ihn seine fehlende Vorbereitung zurückwirft. Da kommt ihm die Auslosung sicher entgegen: Nach Pflichtaufgaben in den ersten beiden Runden würde auch in der dritten Runde noch kein ganz großes Kaliber warten (Alan Norris oder Kim Huybrechts).

Elmar Paulke: "Es war klar, dass er die WM nur spielen wird, wenn er tatsächlich fit ist und da er jetzt dabei ist, wird er fit sein. Gesundheit geht bei ihm natürlich immer vor. Die ungewohnte Vorbereitung ist gerade zum Auftakt eine Ungewissheit. Aber wenn er ohne Beschwerden spielen kann und die ersten Runden gewinnt, kommt das Selbstvertrauen zurück und alles kann passen. Wright hat Bock auf die WM und hat im letzten Jahr viel gelernt. Nach dem World Matchplay gegen Taylor hat er zum Beispiel gesagt, dass er zu emotional war - das passiert ihm nicht nochmal. Auch die Tatsache, dass er endlich wichtige Matches gegen van Gerwen gewonnen hat, prägt ihn. Er traut sich selbst den großen Wurf zu. Und ich auch."

2. Phil Taylor - Platz 6 der Order of Merit (SPOX-Interview)

Was wäre das für eine Cinderella-Story, wenn Taylor es noch einmal schaffen würde! Der glanzvolle Abgang der Legende - auf der größtmöglichen Bühne. Und The Power hat es noch im Kreuz, das musste die Konkurrenz beim World Matchplay empfindlich feststellen: 10:5 gegen den Newcomer Price, 11:3 gegen die Legende Barney, 16:6 gegen den Dominator van Gerwen, 17:9 gegen Doppel-Weltmeister Lewis und 18:8 gegen den Paradiesvogel Wright. Statement!

Und jetzt kommt die WM. Der Wettbewerb, bei dem er schon alles erlebt hat: Von schmerzhaften Niederlagen (2007 gegen Barney - das war in der Circus tavern!) über triumphale Machtdemonstrationen (4 White Washs in Finals) bis hin zum WM-Sieg gegen van Gerwen (2013). Und falls Taylor doch noch eine Extra-Portion Motivation bräuchte: Es winkt das Traumfinale gegen van Gerwen.

Elmar Paulke: "Der 17. WM-Titel wäre natürlich Taylor Wonderland vom Feinsten. Und ich bin tatsächlich davon überzeugt, dass er eine Chance hat. Egal, mit wem ich in den letzten Wochen gesprochen habe - es gibt keinen, der ihm das nicht zutraut. Die freien Tage im Laufe der WM sind wichtig für ihn, damit er Energie tanken und jedes Match wie eine neue Aufgabe angehen kann. Taylor ist wie getrieben, er lässt keine Melancholie zu. Er hat seine Karriere 30 Jahre lang gelebt und schaut immer nach vorne. Deshalb spielt er 2018 180 Exhibitions. Sein Vater hat ihm die Mentalität 'du bist nur so gut wie dein nächster Titel' eingeimpft."

1. Michael van Gerwen - Platz 1 der Order of Merit (SPOX-Interview)

Nummer eins der Welt, Titelverteidiger, Dominator des letzten Jahres - natürlich ist Michael van Gerwen auch in diesem Jahr wieder der absolute Topfavorit. Nachdem er - anders als 2016 - in diesem Jahr zumindest vereinzelt der Konkurrenz den Vortritt überließ, zeigte er bei den letzten vier TV-Turnieren keine Gnade. Misserfolge lassen van Gerwen nicht zweifeln, er schüttelt sich kurz und schon steht er wieder bei 100 Prozent.

Wer trotzdem die Hoffnung nicht vor dem ersten Pfeil begraben will, kann sie wie üblich im Modus suchen. Die Aufteilung in Sets kommt van Gerwens Explosivität nicht entgegen: Für seine Höhenflüge über ein paar Minuten, mit denen er allen davon galoppiert, kommt der Gegner bei der WM auch mal mit "nur" einem Satzverlust davon. Bekommt der Gegner dann den Fuß in die Tür, ist noch nicht Hopfen und Malz verloren. Soweit die Theorie.

Elmar Paulke: "Nach seinen nicht ganz so dominanten Monaten hat er wieder zur alten Konstanz gefunden und das ist Wahnsinn. Van Gerwen lässt es nicht zu, dass die Konkurrenz über einen längeren Zeitraum das Gefühl bekommt, er sei verwundbar. Trotzdem betonen auch alle anderen Spieler immer wieder: Wenn er schlagbar ist, dann bei der WM. Ein Anderson, ein Taylor, ein Wright - sie alle können van Gerwen in diesem Modus schlagen. Allen anderen rechne ich kaum Chancen aus. Auch weil van Gerwen in meinen Augen die nächste Entwicklungsstufe genommen hat. Er wurde Vater und man hat ihm angemerkt, dass da etwas passiert ist. Aus diesem Familienglück tankt er die neue Kraft und kann jede Aufgabe mit voller Motivation angehen."

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