Raymond van Barneveld im Interview

"Deutschland wird zu einer Darts-Nation"

Dienstag, 25.10.2016 | 16:59 Uhr
Raymond van Barneveld wurde 2007 Weltmeister
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Raymond van Barneveld gehört zu den großen Legenden des Darts-Sport und hat die Entwicklung in den Niederlanden vorangetrieben. 2007 krönte der heute 49-Jährige seine Karriere mit der WM-Trophäe. Vor dem European Darts Championship in Hasselt (live auf DAZN) hat Barney mit SPOX über die Anfangszeit, seine Rolle beim Darts-Boom, Max Hopp und Michael van Gerwen gesprochen.

SPOX: Herr van Barneveld, Sie haben mit 17 Jahren angefangen, Darts zu spielen. Wie kamen Sie dazu?

Raymond van Barneveld: Als ich 1984 zum ersten Mal Darts in der Hand hielt, war der Sport nur in England populär. Aber als das Kabelfernsehen kam, konnten wir plötzlich all die ehemaligen Darts-Stars wie Keith Deller sehen. Zu dieser Zeit gab es im Jahr zwar nur fünf, sechs TV-Turniere, aber diese waren dann ein großes Highlight für uns.

SPOX: Heute findet fast jedes Wochenende ein Event statt und viele Turniere werden im Fernsehen übertragen. Haben Sie diese Entwicklung erwartet?

Van Barneveld: In diesem Ausmaß konnte man sich das nicht einmal erträumen. Als ich 1998 das erste Mal Weltmeister wurde, sah das bei meiner Rückkehr aus wie bei den Beatles - es waren extrem viele Menschen wegen mir am Flughafen. Das war unglaublich. Bei der Entwicklung des Sports war es entscheidend, dass man die Spiele nicht nur in der Halle verfolgen kann, denn mit der Wiedererkennung steht und fällt alles für den Spieler: Sponsoren, Fans, Marketing. Bei Darts sieht man im Fernsehen ständig das Gesicht der Spieler und deshalb erkennen dich die Leute auf der Straße. Vor einigen Jahren bin ich nach Deutschland gereist und wurde nicht erkannt, geschweige denn auf der Straße angesprochen. Das hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren komplett geändert, Deutschland wächst zu einer Darts-Nation heran.

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SPOX: Den Darts-Boom, der in Deutschland derzeit in den Startlöchern steht, gab es in den Niederlanden schon vor etlichen Jahren. Welche Rolle haben Sie dabei gespielt?

Van Barneveld: Zu dem Zeitpunkt, als ich 2006 zur PDC wechselte, ging die Aufmerksamkeit für Darts erstmal zurück. Keine Ahnung warum, aber als ich 2007 meinen ersten WM-Titel bei der PDC holte, interessierte das nur die Hardcore-Fans. Durch die Erfolge von mir und mittlerweile Michael van Gerwen ist das heute ganz anders: Wenn ein großes Event ansteht, bekommen das in Holland alle Fans mit.

SPOX: Auffallend viele Darts-Profis kommen aus Ihrem Heimatland. Warum?

Van Barneveld: Ich habe da eine nette Geschichte gehört. Einst sollen die Engländer am Hafen von Holland angekommen sein und ein Darts-Board im Gepäck gehabt haben. Dann haben sie in den anliegenden Pubs gespielt und von dort aus hat es sich ausgebreitet. Ich weiß nicht, was da dran ist, aber ich bin grundsätzlich davon überzeugt, dass die Qualität der Spieler auch mit der Sprache zusammenhängt.

SPOX: Das müssen Sie uns erklären.

Van Barneveld: Wir Niederländer sind viel kommunikativer. Bei uns werden die Filme nicht synchronisiert, wodurch wir besser Englisch sprechen und die niederländischen Spieler schneller Anschluss finden. Als ich in Skandinavien war, haben sich alle skandinavischen Spieler abgegrenzt. Wir Niederländer sprechen sofort alle an und lernen so durch die Erfahrungen der anderen.

SPOX: Wie verhalten sich die deutschen Spieler auf der Tour?

Van Bernaveld: Max Hopp oder auch Jyhan Artut lernen Englisch extrem schnell, aber Andre Welge sagt nur "Hey, Ray" und das war's. Er kommt nicht ins Gespräch. Das ist der Knackpunkt und deshalb werden sie immer auf einem unterschiedlichen Niveau agieren. Kommunikation hebt dich auf ein neues Level.

SPOX: Wie groß ist das Potenzial von Max Hopp?

Van Barneveld: Er ist ein fantastisches Talent und ich mag ihn wirklich sehr. Sein Vorteil ist eben diese Kommunikation, er redet mit jedem Spieler auf der Tour. Aber Max braucht einen Spieler wie mich. Es ist wichtig, dass jemand mit dir rumreist, der das Geschäft kennt und dich in gewissen Situationen einbremst.

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SPOX: Welchen Tipp würden Sie Max mit auf den Weg geben?

Van Barneveld: Viele deutsche Talente gehen das Projekt Darts falsch an. Sie sagen: 'Ich habe keinen Sponsor und kann nicht zu den Turnieren fahren.' Wenn du talentiert bist, musst du alle anderen Hobbys zurückstellen. Wenn du dann Erfolg hast, ist der Umgang mit dem Geld wichtig. Als ich mein erstes Turnier gewonnen habe, habe ich meiner Frau 100 Gulden (etwa 50 Euro, d. Red.) auf den Tisch gelegt und 200 behalten, um das nächste Turnier zu bezahlen. Sponsoren zu finden ist einfach. Aber wenn du es richtig machst, kannst du dich auch selbst füttern. Ich investiere seit dem Anfang meiner Karriere jeden Euro in mich selbst und bin fokussierter, weil ich mich nicht darauf verlasse, dass andere mir das Geld geben.

SPOX: Wie war das bei Ihnen? Wer hat Sie in der Anfangszeit inspiriert?

Van Barneveld: Eric Bristow. Sein Verhalten war fantastisch, auch wenn er arrogant war. Nicht viele Menschen konnten damit etwas anfangen, aber ich habe ihn genau für dieses Auftreten geliebt. Deshalb waren meine ersten Darts auch Eric-Bristow-Darts. In den 33 Jahren als Darts-Spieler habe ich ihn natürlich auch mal kennengelernt und er ist ein toller Typ.

SPOX: Sie haben Ihrem Vorbild erfolgreich nachgeeifert, sind fünf Mal Weltmeister geworden und haben eine ganze Darts-Generation geprägt. Wie haben Sie es geschafft, so konstant auf diesem Niveau zu agieren?

Van Barneveld: Ich habe viele hochtalentierte Spieler kommen und gehen sehen, die nach fünf oder sechs Jahren wieder von der Bildfläche verschwunden sind. Aber ich bin immer noch da. Das ist nicht einfach, weil es einfach nicht reicht, einzelne Matches zu gewinnen, man muss Trophäen sammeln. Ich habe so viele Titel geholt - und darum geht es. Nur so generiert man neue Fans, deshalb hat Michael van Gerwen auch so viele Anhänger. Die Leute sollen "Barney Army" und meinen Namen rufen. Das will jeder.

Seite 1: Van Barneveld über die Anfangszeit, den Darts-Boom in Holland und Max Hopp

Seite 2: Van Barneveld über van Gerwen, Taylor und die Wichtigkeit von Titeln

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