Boxen

Boxen - Eddie Hearn über den Kampf Anthony Joshua vs. Andy Ruiz: "Es wird Krieg sein"

Von SPOX
Anthony Joshua steigt in der Nacht von Samstag auf Sonntag gegen Andy Ruiz in den Ring.

Am frühen Sonntagmorgen (4.30 Uhr LIVE auf DAZN) kommt es in New York zum WM-Fight im Schwergewicht zwischen Anthony Joshua und Andy Ruiz. Box-Promoter Eddie Hearn sieht auf seinen Schützling ernstzunehmende Gefahren zukommen.

Über 20.000 Zuschauer werden das Mekka des Box-Sports, den Madison Square Garden, in ein Tollhaus verwandeln. Es wird für Joshua, den aktuellen Champion der Verbände IBF, WBA und WBO, eine fast ebenso große Hürde wie für seinen mexikanischen Herausforderer Ruiz.

"Für Joshua ist es der erste Fight in den USA, weshalb er ein wenig nervös ist. Er kennt es bislang, dass er in eine Halle einläuft und das Publikum auf seiner Seite steht. Das wird in New York, wo viele Mexikaner leben, wahrscheinlich anders sein. Das heißt für Joshua, dass nicht nur der Gegner, sondern auch die generellen Bedingungen einen gewissen Druck bedeuten", sagte Hearn.

Für den Engländer Joshua ist es nicht nur der erste Fight in Amerika, sondern der erste Kampf überhaupt außerhalb von Großbritannien. Bislang stieg der 29-Jährige lediglich in seinem Heimatland, Schottland und Wales in den Ring.

"Um ein globaler Star zu werden, musst du irgendwann in den USA boxen", erklärte Hearn, der Geschäftsführer der Sportpromotion "Matchroom Sport", im Gespräch mit DAZN: "Den Garden zu füllen, ist ein Statement."

Allerdings nur dann - und das weiß der Sohn von Barry Hearn, der unter anderem der Boss des Darts-Weltverbandes PDC ist, ganz genau - wenn man die Halle mit einem Sieg verlässt. "Der Madison Square Garden ist ein spezieller Ort", so Hearn: "Man muss es schaffen, sein Selbstvertrauen und den Glauben an sich selbst nicht auf dem Weg in den Ring zu verlieren. Das ist nicht so einfach."

Joshua schafft lediglich gegen Parker keinen Knockout

Wenn es darum geht, in wichtigen Kämpfen kühlen Kopf zu bewahren, sollte Joshua allerdings im Vorteil sein. Schließlich gewann AJ bislang alle seine 22 Kämpfe als Profi. Lediglich einmal, beim Punktsieg im März 2018 gegen den Neuseeländer Joseph Parker, musste er dabei über die volle Distanz gehen.

Alle anderen Kämpfe beendete der Mann aus Watford vorzeitig durch K.o., unter anderem gegen namhafte Konkurrenten wie Wladimir Klitschko oder bei seinem bis dato letzten Auftritt im September 2018 gegen den Russen Alexander Povetkin.

Eigentlich hätte Joshua nun in New York gegen den US-Boy Jarrell Miller antreten sollen. Doch Miller wurde zwei Mal positiv auf eine Dopingsubstanz getestet, weshalb ihm von der New York State Athletic Commission die Lizenz für den Fight verweigert wurde.

Ruiz hat erst einen Kampf verloren

Hearn fand mit Andy Ruiz schnell einen Ersatzgegner - und das seiner Einschätzung nach ganz gewiss keinen schlechten. "Der Hauptgrund, Ruiz zu nehmen, war, dass er ein großartiger Fighter mit schnellen Händen und auch vom Charakter her ein richtig guter Typ ist", erklärte Hearn.

Der 29-Jährige, der den Kampfnamen "The Destroyer" trägt, absolvierte bislang 32 Kämpfe. 31 Mal verließ der 1,88-Meter-Mann den Ring als Sieger, 20 Mal davon schickte er seinen Gegner in den Staub.

Lediglich einmal musste sich der Linksausleger geschlagen geben. In Auckland unterlag Ruiz im Dezember 2016 nach Punkten ausgerechnet Parker, also dem Mann, der Joshua über die volle Distanz zwang.

Hearn: "Ruiz kann eine Ikone werden"

Seinen bislang letzten Fight bestritt Ruiz erst am 20. April 2019, als sein Kontrahent Alexander Dimitrenko aus Hamburg beim Duell in Kalifornien frühzeitig die Segel strich und nach der fünften Runde aufgab.

Fakt ist: Für Ruiz ist das Aufeinandertreffen mit AJ eine der größten Chancen seines sportlichen Lebens. "Er kann in seiner Heimat eine Legende, ein Super-Held, eine Ikone werden, der erste mexikanische Schwergewichtsweltmeister aller Zeiten", sagte Hearn.

Trotzdem glaubt der Promoter an einen Sieg Joshuas: "Ich glaube, dass die ersten fünf oder sechs Runden Krieg sein wird, und Joshua danach Ruiz ausknocken wird."

Wie geht es für Joshua nach dem Ruiz-Kampf weiter?

Wie es danach - vorausgesetzt AJ bezwingt Ruiz - weitergeht, ist noch unklar. "Es gibt drei Kämpfe, die die Fans sehen wollen: Wilder gegen Joshua, Fury gegen Wilder oder Joshua gegen Fury. Vor allem aber Wilder gegen Joshua. Und auch wir wollen diesen Kampf hinbekommen", sagte Hearn.

Allerdings liebäugelt der US-Amerikaner Wilder derzeit eher mit einem Rückkampf gegen den Engländer Fury, gegen den es im Dezember 2018 nur zu einem unentschieden reichte. Hearn warb auch deshalb um Verständnis dafür, dass es nicht immer ganz so einfach sei, die größten Kämpfe sofort zu organisieren.

"Boxen ist kein normaler Sport. Das ist ein Sport, bei dem Kämpfer im Zweifel sogar ihr Leben aufs Spiel setzen. Sie gehen nicht als Team auf einen Basketball-Platz, wo ein Fehler nicht das Ende bedeutet", erklärte Hearn und ergänzte: "Also wer sind wir, wenn wir den Kämpfern sagen: 'Ach, box doch gegen den oder den. Das ist doch der Fight, den die Fans sehen wollen.'"

Allerdings stellte Hearn abschließend klar: "Natürlich lebt auch Boxen von den Fans. Und deshalb muss man liefern."

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