Boxen

"Man sieht sich immer zwei Mal"

Jack Culcay will gegen Demetrius Andrade siegen

SPOX: Sie haben sich in den letzten Jahren technisch und taktisch enorm weiterentwickelt. An welchen Stellschrauben hat Ihr Trainer Ulli Wegner in dieser Zeit speziell gedreht?

Culcay: Herr Wegner hat sehr viel gedreht. (lacht) Aber nicht nur er hat viel bewirkt, sein ganzes Team ist sehr wichtig für mich. Ich habe das einfache Boxen neu erlernt. Das sichere Boxen war etwas, das mir ein bisschen gefehlt hat. Auch konditionell habe ich einen großen Schritt nach vorne gemacht.

SPOX: Wie gewohnt ging es mit Wegner ins Trainingslager nach Kienbaum. Wie kann man sich das Training in der Abgeschiedenheit eigentlich so vorstellen?

Culcay: In Kienbaum fühlt man sich wie in einer kleinen Jugendherberge. (lacht) Normalerweise sind dort nur Amateure, aber wir können in Kienbaum dank der Kontakte von Wegner auch als Profis unser Trainingslager abhalten. Dort trainieren auch Weltklassesportler aus anderen Sportarten wie der Leichtathletik. Die Bedingungen sind ideal. Sei es die Halle, der Ring, die Umgebung: Es stimmt einfach alles, um sich perfekt auf Kämpfe vorzubereiten. Auch eine Sauna und eine Kältekammer gehören zur Ausstattung.

SPOX: Der Fokus liegt logischerweise auf dem anstehenden Kampf, aber muss man bei dem ganzen Training nicht auch irgendwie den Kopf freibekommen?

Culcay: Es ist sehr abgelegen, wir sind dort immer zusammen. Da ist Boxen natürlich immer ein Thema. Deshalb ist es wichtig, sich auch über andere Themen auszutauschen. Wir sitzen oft zusammen und sprechen neben dem Sport auch über alles Mögliche. Ansonsten spielen wir zum Beispiel Billard. Das hilft dabei, die nötige Ablenkung zu bekommen und stärkt den Zusammenhalt.

SPOX: Ihr Hund darf aber nicht mit.

Culcay: Nein, der muss leider zu Hause bleiben.

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SPOX: Zum Abschluss ein kleiner Ausblick: Wegner bezeichnet Sie als "Mann der Zukunft". Ist diese "Zukunft" jetzt?

Culcay: Die Zukunft ist auf jeden Fall jetzt! Ich meine, ich habe sehr lange darauf gewartet, gegen einen Gegner zu kämpfen, der in der Rangliste ganz weit oben steht. Wenn ich Andrade besiege, dann habe ich es geschafft, mir einen Namen zu machen - und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

SPOX: Sehen Sie den Kampf deshalb auch als eine Art Sprungbrett?

Culcay: In gewisser Weise ist er das, um auch in den Vereinigten Staaten gegen namhafte Gegner antreten zu können. Und das ist mein Ziel. Ich bin 31 Jahre alt, bin Amateur-Weltmeister geworden, Champion der WBA im Halb-Mittelgewicht. Ich will die Besten boxen, muss aber einen Schritt nach dem anderen machen. Und der nächste Schritt trägt den Namen Andrade.

SPOX: Auch der deutsche Boxsport lechzt geradezu nach einem großen Sieg auf internationaler Bühne. Erhöht das den Druck auf Ihre Schultern?

Culcay: Nein, davon lasse ich mich nicht beeinflussen. Ich schaue auf mich und meinen Kampf gegen Andrade. Das ist das, wofür ich trainiere. Ich habe jeden Tag mehr als 100 Prozent gegeben. Mehr kann ich nicht tun.

SPOX: Welche Rolle spielt der Heimvorteil für Sie?

Culcay: Es ist schön, zu Hause zu kämpfen. Aber eine große Rolle spielt das nicht. Wenn man gut trainiert hat, dann ist es egal, ob die Fans mehr für einen schreien oder für den Gegner. Wir werden sehen, wer der bessere Boxer ist.

Alle Box-Weltmeister in der Übersicht

Seite 1: Culcay über das Gefühl als Weltmeister, Andrade und seinen Stil

Seite 2: Culcay über Coach Wegner, das Trainingslager und den Angriff auf die USA

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