Boxen

Abraham beendet das britische Kapitel

Arthur Abraham (r.) ist weiterhin WBO-Weltmeister im Super-Mittelgewicht
© getty

Arthur Abraham (42-4-0) hat seinen WBO-Titel im Super-Mittelgewicht erfolgreich verteidigt. Der 35-jährige Weltmeister bezwang Paul Smith (35-5-0) in Berlin einstimmig nach Punkten und behielt damit auch im Rückkampf mit dem Briten die Oberhand.

In der Berliner o2 World dominierte Abraham den Fight über weite Strecken und ließ seinem Gegner kaum eine Chance. Smith hatte gerade mit der Doppeldeckung des Weltmeisters enorme Probleme, bewies aber einmal mehr sein Kämpferherz und ging trotz einiger harter Treffer nicht zu Boden.

Nachdem im ersten Aufeinandertreffen noch Kritik an der zu eindeutigen Wertung der Punktrichter aufgetaucht war, weshalb sogar WBO-Präsident Paco Valcarcel nach Berlin reiste, ließ König Arthur diesmal keine Fragen offen und schloss im 20. WM-Kampf seiner Karriere das Kapitel Smith endgültig.

Auch sehr zur Freude seines Boxstalls, immerhin konnte Sauerland Event durch den eindeutigen Sieg seines größten Zugpferdes einen erfolgreichen Start in eine neue Ära feiern. Für den größten deutschen Promoter war es die erste Veranstaltung bei "Sat.1", nachdem der Vertrag mit der "ARD" im vergangenen Jahr ausgelaufen war und nicht verlängert wurde.

Und es soll nicht der letzte glanzvolle Abend gewesen sein. Im Hintergrund arbeiten man bereits an einem Kampf mit Felix Sturm, der jahrelang als deutscher Mega-Fight galt. Der ehemalige Mittelgewichts-Champion boxt wie Abraham bei "Sat.1", sogar ein Pay-Per-View-Event scheint im Gespräch zu sein. Davor könnte es im Mai allerdings noch zum vierten Duell zwischen Abraham und WBO-Pflichtverteidiger Robert Stieglitz kommen.

Reaktionen

Arthur Abraham: "Der Gegner hat hart gekämpft, Respekt auch für ihn. Dieser Sieg gehört auch meinem Team. Jetzt schaue ich weiter. Der nächste Gegner wird Robert Stieglitz oder Felix Sturm. Mal sehen, wie das Management entscheidet. Wir haben jetzt dreimal mit Stieglitz geboxt, jetzt direkt gegen Sturm zu kämpfen, wäre für mich besser."

Abrahams Titelverteidigung im RE-LIVE

SPOX-Scoreboard1. Runde23456789101112Score
Arthur Abraham (GER)91010101091010101099116
Paul Smith (GBR)1099991099991010112

Die Wertungen der Punktrichter:

Glenn Feldman (USA): 116:112

Robin Taylor (USA): 117:111

Gerardo Martinez (PUR): 117:111

Der Ringrichter: Raul Caiz jr. Der Sohn des renommierten Ringrichters Raul Caiz sr. machte in der aufgehitzten Atmospähre einen guten Job. Caiz behielt zu jeder Zeit die Übersicht, sorgte für einen fairen Kampf und musste nur selten eingreifen. Starke Vorstellung des Amerikaners!

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Der Schlag des Kampfes: Abrahams Jab. Der Weltmeister hat in den letzten beiden Jahren noch mal eine Entwicklung durchgemacht. Nachdem sich König Arthur zu Beginn seiner Karriere meist nur auf seine Power Shots verließ, kann er mittlerweile auch auf seinen Jab vertrauen. Gegen Smith war es immer wieder die Führhand, die aus der Doppeldeckung eine Kombination schön vorbereitete.

Das fiel auf:

  • Wie beim ersten Kampf in Kiel sorgten die englischen Fans auch in Berlin für eine Gänsehaut-Atmosphäre und verwandelten die o2 World in ein Tollhaus - zahlreiche Buh-Rufe für Abraham inklusive. Den Ringsprecher gab Russ Bray, der vor allem als Caller beim Darts-Verband PDC bekannt ist.
  • Abrahams Einmarsch sorgte für einiges Schmunzeln. Hatte er früher - passend zu seinem Spitznamen - eine Krone auf dem Kopf, trug der Weltmeister diesmal auf dem Weg zum Ring einen Smoking.
  • Die erste Runde war eine Blaupause vom ersten Duell beider Boxer. Abraham begann gewohnt zurückhaltend und überließ Smith das Feld. Der Brite probierte viel, konnte den Weltmeister aber nicht sonderlich in Bedrängnis bringen. Die meisten Schläge trafen nur die Doppeldeckung des Champions.
  • Abraham machte seinem Ruf als "Runden-Klauer" alle Ehre. Er hatte zwar weniger Aktionen, dafür allerdings die klareren Treffer. Insbesondere am Ende einer Runde setzte der Weltmeister meistens den letzten Treffer.
  • Der Weltmeister marschierte immer wieder aus einer Doppeldeckung in die Offensive. Mit seiner Führhand "drückte" Abraham Smith quasi in die richtige Distanz, um mit der Rechten nachzulegen.
  • Ungewohnte Töne gab es von Ulli Wegner. Abrahams Coach, normalerweise gefürchtet für seine lautstarken Tiraden, lobte seinen Schützling gerade im ersten Teil des Kampfes überschwänglich und war sichtlich zufrieden mit dem Auftritt des Weltmeisters
  • In der fünften Runde stieg Abraham das Selbstbewusstsein fast ein wenig zu Kopf, als er an den Ringseilen stehend Smith aufforderte, in die Offensive zu gehen.
  • Der komplette Fight fand eigentlich nur in der Distanz statt. Zu einem echten In-Fight samt Clinchen kam es so gut wie nie.
  • Smith setzte in der zweiten Hälfte des Kampfes häufig auf Körpertreffer, um Abraham die Luft zu nehmen. Das gelang zeitweise auch, allerdings hatte der Champion mit einfachen Eins-Zwei-Kombinationen die passende Antwort parat.
  • In der Schlussphase schaltete Abraham merklich ein, zwei Gänge zurück. Anders als in der Vergangenheit ging er nicht mal mehr in der zwölften Runde mit aller Macht auf den K.o. Am klaren Punktsieg gegen einen erneut mit viel Herz kämpfenden Smith änderte dies aber nichts.

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