Boxen

Knockout-Sieg als Statement

SID
Wladimir Klitschko langte gegen Pulev von Beginn an zu und schlug ihn letztlich hart zu Boden
© getty

Kurze Nacht nach kurzem Kampf: Seinem chancenlosen Gegner Kubrat Pulev brummte immer noch der übel malträtierte Schädel, da jettete Wladimir Klitschko bereits über den Atlantik, voller Vorfreude auf die erste Babypause seines Lebens. "Unser Mädchen ist schon fast da, ich will auf keinen Fall zu spät kommen", sagte der alte und neue Schwergewichts-Weltmeister vor seinem Abflug in die USA zu seiner hochschwangeren Verlobten Hayden Panettiere.

Vor dieser spannenden Auszeit vom Boxen hatte der Ukrainer in seiner alten Wahlheimat Hamburg eindrucksvoll wie seit Jahren nicht mehr seine überragende Klasse unter Beweis gestellt. "Ich sehe keinen in der Welt, der ihn schlagen kann. Das Alter macht ihn noch stärker", lobte sein Bruder Vitali, der ungeachtet seines herausfordernden Amtes als Bürgermeister von Kiew wie gewohnt in der Ecke des 38-Jährigen stand.

Und nicht schlecht über sein "kleines Brüderchen" staunte. Motiviert durch die Pfiffe der zahlreichen Landsleute des bulgarischen Herausforderers und genervt von den Sticheleien und Sprüchen seines Gegners erteilte der Titelverteidiger dem 33-Jährigen eine kurze und schmerzhafte Lektion: Ein krachender linker Haken beendete das ungleiche Duell in der fünften Runde mit dem insgesamt vierten Niederschlag.

Pulev im Krankenhaus

Böse zugerichtet wurde der Bulgare ins Krankenhaus gebracht, wo man eine Gehirnerschütterung und zwei tiefe Cuts im Gesicht diagnostizierte. Der Verdacht auf eine Mittelgesichtsfraktur am rechten Jochbein bestätigte sich laut Sport Bild online allerdings nicht. Der zuvor ungeschlagene ehemalige Europameister wird sich nun wieder hinten anstellen müssen, wobei das Klitschko-Lager keinen Gedanken an ein Re-Match verschwendet.

Der Klitschko-Sieg im RE-LIVE

Auch für Klitschko war die "Akte Pulev" rasch geschlossen. Voraussichtlich am April 2015 wird der Champion von WBA, IBF und WBO wieder in den Ring steigen. Möglicherweise erstmals seit dann sieben Jahren wieder in den USA, denn nachdem der dort wichtigste Boxsender HBO lange mit dem als langweilig abgestempelten Olympiasieger gefremdelt hatte, waren die Reaktionen auf den Kampf in der Hansestadt nun gerade euphorisch.

Klitschko ungewohnt offensiv

Denn diesmal boxte Klitschko nicht beherrscht-abwartend, sondern suchte die schnelle Entscheidung, auch als erzieherische Maßnahme: "Pulev hat nie Respekt gezeigt, war unfair und hat sich schlecht benommen. Dafür sollte es im Ring keinen Platz geben. Deshalb wollte ich ihn unbedingt eliminieren."

Eine Lehrstunde allerdings, die beim Gegner nicht so recht fruchtete. Pulev faselte von Mafia und Glück für Klitschko, vielleicht hätte ihm irgendjemand im wahrsten Sinne des Wortes einen Spiegel vorhalten sollen. Eine ganz leichte Schwellung unter dem linken Auge war hingegen bei Klitschko die einzige erkennbare Spur des Kampfes.

Uraltrekorde in Reichweite

"Dr. Steelhammer" präsentierte sich in der Hansestadt so überzeugend, dass für ihn auch die Uraltrekorde von Schwergewichts-Legende Joe Louis nicht mehr unereichbar erscheinen. Der "Braune Bomber" war von 1937 bis 1949 Champion aller Klassen und verteidigte seinen Titel 25 mal. Klitschko trägt seinen WM-Gürtel seit April 2006 und gab seither 17 Herausforderern im Seilgeviert das Nachsehen.

Als nächste Gegner kommen die beiden bislang ungeschlagenen US-Fighter Bryant Jennings und Deontay Wilder sowie der ebenfalls noch unbesiegte Engländer Tyson Fury in Betracht. Keine Option ist Stalker Shannon Briggs, dessen verbale Rüpeleien an der Stätte seiner schwersten Niederlage nur noch peinlich wirkten. Vor vier Jahren hatte Witali Klitschko den US-Boxer an gleicher Stelle ins Krankenhaus geprügelt - genau wie sein Bruder diesmal Pulev.

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