Donnerstag, 09.10.2014

US-Boy profitiert von Verletzung

Taylor krönt sich zum IBF-Weltmeister

Der Amerikaner Jermain Taylor ist neuer IBF-Weltmeister im Mittelgewicht. Im Beau Rivage Resort in Biloxi besiegte der Herausforderer den vorherigen Titelhalter Sam Soliman einstimmig nach Punkten.

Jermain Taylor (l.) hat sich zum IBF-Weltmeister gekrönt
© getty
Jermain Taylor (l.) hat sich zum IBF-Weltmeister gekrönt

Der 36-jährige Taylor (33-4-1) streckte den Australier Soliman (44-12-0) viermal zu Boden und lag am Ende auf den Zetteln der Punktrichter mit 116:111, 115:109 und 116:109 klar vorne.

Die Schlüsselszene in einem zunächst sehr ausgeglichenen Kampf war eine Knieverletzung Solimans in Runde sieben. Nachdem der Titelverteidiger stark begonnen hatte und selbst einige leichte Treffer gelandet hatte, bedeutete diese Szene die Wende zugunsten Taylors.

"Soliman ist ein Krieger. Er hat das getan, was ich auch getan hätte. In diesem Sport musst du weiterkämpfen. Du darfst nicht aufgeben", zollte Taylor seinem Gegner nach dem Kampf Respekt. In den letzten Runden hatte Soliman sichtlich Schmerzen.

Der Titelhalter humpelte durch den Ring und hatte Probleme, die Balance zu halten. Taylor nutzte das mit vier Niederschlägen in den Runden sieben, acht, neun und elf gnadenlos aus. Immer wieder traf seine starke rechte Schlaghand das Ziel. Soliman war nur noch darauf aus, den Kampf bis zum Schluss zu überstehen.

Umstrittener Titelgewinn

Der Geschlagene erwies sich aber als fairer Sportsmann und weigerte sich, die Niederlage auf die Verletzung zu schieben. "Das ist keine Entschuldigung. Wäre er nicht so ein guter Boxer, hätte ich den Titel verteidigt", so Soliman, der sich den Gürtel im Mai gegen Felix Sturm gesichert hatte.

Für Taylor war es der fünfte Sieg in Folge, nachdem er 2011 sein Comeback im Boxsport gegeben hatte. "Ich habe es schon einmal gehört und ich höre es wieder", sagte Taylor bei der Verkündigung seines Namens als Sieger und spielte damit auf seinen Titel aus dem Jahr 2005 an, als er Bernard Hopkins geschichtsträchtige Titelserie beendet hatte.

Danach folgte allerdings eine schwere Zeit, als Taylor zwischen 2007 und 2009 vier von fünf Kämpfe verlor und bei einem sogar leichte Gehirnblutungen erlitt.

Jedoch gönnte nicht jeder Taylor den Titel. Im Vorfeld des Kampfs waren Stimmen laut geworden, die forderten, Taylor erst gar nicht antreten zu lassen. Grund war ein Familienstreit im August, bei welchem der US-Boy seinen Cousin erschossen hatte. Gegen eine Kaution von 25.000 Dollar war Taylor freigelassen worden.

Nächster Gegner gesucht

Doch das liegt hinter dem neuen Champion, dem womöglich bald schon der nächste große Schlagabtausch ins Haus. Sowohl Hassan N'Dam, der sich durch den Sieg über Curtis Stevens letzte Woche zum Herausforderer Nummer eins machte, als auch der bisher ungeschlagene Peter Quillin wohnten Taylors Kampf gegen Soliman bei. Quillin wird, genauso wie Taylor, durch den Al Haymon vertreten.

Für Taylor kann der nächste Kampf offenbar gar nicht schnell genug kommen: "Wer ist der Nächste? Ganz egal, wen Al Haymon in den Ring schickt, ich bin bereit."

Die Box-Weltmeister in der Übersicht

Benedikt Treuer

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