Boxen

Der geborene Außenseiter

Marcos Maidana (r.) ließ unter Trainer Roberto Garcia Adrien Broner keine Chance
© getty

In der Nacht von Samstag auf Sonntag (ab 4.00 Uhr im LIVE-TICKER) trifft WBA-Weltergewichts-Weltmeister Marcos Maidana in Las Vegas auf Floyd Mayweather jr., Titelträger der WBC. Vor dem Kampf wirft SPOX einen Blick auf den argentinischen Außenseiter und dessen Chancen.

Laute Schüsse zerreißen die Stille. Ein tätowierter Mann senkt langsam seine Pistole, er begutachtet das Ergebnis seiner Arbeit und ist zufrieden. Vier Treffer, allesamt ins Schwarze. Der Schütze: Marcos Maidana, WBA-Weltmeister im Weltergewicht. Das Ziel: Eine Scheibe auf einem Schießstand in seiner argentinischen Heimat Santa Fe.

Viel ist über die Vergangenheit des Argentiniers nicht bekannt, lediglich einige Tätowierungen weisen auf sein altes Leben hin. Das Meiste wird wohl für immer in seinen Erinnerungen bleiben, nach außen dringen wird es allerdings nicht. Bevor er im Alter von 15 Jahren zum Boxen und damit zu seiner Bestimmung fand, geriet er immer wieder in Probleme, tat schlimme Dinge. Es seien Fehler gewesen, doch er habe einiges aus der Zeit gelernt und sich entwickelt.

Nur ein weiterer Name?

Er ist an einem Punkt angelangt, an dem sich sein Blick nicht nach hinten richtet. Der Fokus liegt einzig und allein auf der größten Chance seines Lebens, einer einmaligen Chance. Wenn in der Nacht von Samstag auf Sonntag im MGM Grand der erste Gong ertönt, steht Maidana seine zweifelsohne größte Herausforderung bevor. Eine Aufgabe, an der bereits 45 Männer vor ihm scheiterten. Auch er, der Außenseiter, soll nur ein weiterer Name auf einer langen Liste sein.

Oft wird jedoch unterschätzt, wie viel alleine eine Chance wert sein kann. Welche Vorgänge sie auslöst und welche Auswirkungen die Folge sind. Gerade für jemanden, der in seinem Leben nichts geschenkt bekam. Maidanas Eltern hatten durch ihr Leben als Farmer nie viel Reichtum, doch sie arbeiteten hart für ihre Kinder. 'El Chino' und seine acht Geschwister sind ihr ganzer Stolz.

Er lernte früh, dass er für seine Möglichkeiten und für seine Zukunft kämpfen muss. Der Mensch Maidana schien in seiner Jugend zunächst daran zu scheitern, der Boxer nicht: "Ich war mein Leben lang ein Außenseiter... auch in diesem Kampf wird es der Fall sein. Ich habe mir das Recht auf diese Chance erkämpft."

Durch einen Sieg gegen den bis dato ungeschlagenen Weltmeister Adrien Broner, auch hier sollte er eigentlich nicht mehr als eine Durchgangsstation sein, sicherte er sich den WBA-Titel im Weltergewicht. Darüber hinaus gelang ihm noch etwas weitaus Wichtigeres: Er erwarb die Aufmerksamkeit der unangefochtenen Nummer eins der 'Pound-for-Pound'-Rangliste Floyd 'Money' Mayweather Jr. Der beste Boxer seiner Generation und einer der größten Athleten aller Zeiten bot ihm eine Chance, die er nur zu gerne annahm.

Ohne jeden Zweifel

Es war die Art und Weise seines Sieges, die Mayweather, Weltmeister der WBA und WBC, beeindruckte. Nach Niederschlägen in Runde zwei und acht sowie einer dominanten Kampfführung, stand am Ende eine einstimmige Entscheidung nach Punkten. Kein Lucky-Punch, keine Fragezeichen. "Es wird ein großer Kampf werden, der größte den man im Moment bekommen kann", blickt Maidana auf das, was vor ihm liegt. Ein Duell, in dem zwei Welten aufeinander treffen.

Auf der einen Seite Mayweather (45-0-0, 26 Knockouts), der einen extravaganten Lebensstil pflegt, der den Rummel um seine Person nicht nur genießt, sondern als knallharter Geschäftsmann jedes Quäntchen davon veredelt. Ein Athlet, der die Show liebt.

Auf der anderen Seite Maidana (35-3-0, 31 Knockouts), dem der Trubel um seine Person fast peinlich zu sein scheint. Zwar hat auch er verstanden, dass zum Boxen Showelemente abseits des Rings gehören, doch wirkt er dabei wenig überzeugend. "Ich gebe einen Scheiß auf Mayweather", hatte er auf der Pressekonferenz gesagt. Sein Schmunzeln verriet bereits im Moment als die Worte seinen Mund verließen, dass dies nicht seine Welt ist. Laut eigener Aussage würde er am liebsten ohne Zuschauer und Kameras in den Ring steigen. Er liebe es einfach zu boxen - nicht mehr, nicht weniger.

Seine Familie ist dabei das einzige Element, welches über dem Sport steht. Er hat einen neun Jahre alten Sohn und wurde am 10. März diesen Jahres Vater einer Tochter. Um bei der Geburt dabei sein zu können, verschob er seine Reise nach Amerika und trainierte ohne seinen Trainer. Trotz der nicht ganz optimalen Vorbereitung, glaubt er an seine Chance.

Seite 1: Maidanas Sieg über Broner und der Unterschied zu Mayweather

Seite 2: Maidanas Optionen gegen den Unschlagbaren

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