"Ich halte auch mal die Klappe"

Felix Sturm ist seit Dezember 2013 wieder Weltmeister im Mittelgewicht
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SPOX: Sie haben Sauerland erwähnt. Wie bewerten Sie als Konkurrent die Situation um den TV-Vertrag mit der "ARD"?

Sturm: Das steht mir grundsätzlich nicht zu, zudem belebt Konkurrenz das Geschäft. Aber meiner Meinung nach werden die Zuschauer die großen Verlierer sein. Wenn sechs bis acht Kampfabende im Jahr wegfallen, gibt es dementsprechend auch weniger Boxen im Free-TV. Das ist für niemanden gut, der mit Herz und Seele an diesem Sport hängt. Auch für die Boxer tut es mir leid. Manche hätten vielleicht eine große Zukunft gehabt, aber man hätte sie frühzeitig als Publikumslieblinge austesten und etablieren müssen.

SPOX: Ist die Lage von Sauerland ein Vorteil für Sie?

Sturm: So denke ich nicht. Wir werden keine Boxer abwerben, wir werden an niemanden herantreten. Das ist nicht unser Stil. Sauerland spielt bei uns keine Rolle. Wir wissen, wer zu uns will und haben mehrere Anfragen, auch aus dem Amateurbereich. Darauf kommt es an. Aber um das deutlich zu machen: Ich wünsche Sauerland, dass sie einen neuen Vertrag unterschreiben.

SPOX: Muss man sich dennoch Sorgen um das deutsche Boxen machen?

Sturm: Ach, es gab immer wieder solche Phasen, das ist ganz normal. Helden werden geboren, alte Legenden treten zurück. Es gibt immer noch genügend Boxer wie Klitschko, Abraham oder mich, die für das Publikum attraktiv sind. Trotzdem muss in Zukunft etwas passieren, damit die Leute auf die nächste Generation aufmerksam werden. Mein Traum ist es, dass wieder vermehrt deutsche Boxer auch in den USA für Furore sorgen.

SPOX: Auch Sie haben seit dem Kampf gegen de la Hoya nicht mehr in Amerika geboxt. Reizt Sie das Thema noch, vielleicht bei einer Titelvereinigung gegen Sergio Martinez oder Gennady Golovkin?

Sturm: Ich bin als Weltmeister in einer komfortablen Position. Wenn die großen Kämpfe kommen, schön, wenn nicht, geht davon die Welt auch nicht unter. Ich weiß, dass mein Name viel Gewicht hat, auch in den USA. Ich muss mir keinen Namen mehr machen. Aber es muss alles passen. Martinez ist doch ein gutes Beispiel. Warum tritt er gegen Miguel Cotto an? Wegen der großen Börse. Er ist mittlerweile 39 Jahre alt, es ist ein PPV-Kampf, wahrscheinlich wird er am Topf beteiligt. Es ist nun mal so, dass man die Kämpfe mit der besten Börse bestreitet.

SPOX: Das heißt, eine Titelvereinigung ist unter gewissen Umständen möglich?

Sturm: Natürlich, ich habe noch drei, vier gute Jahre vor mir. Aber das ist Zukunftsmusik. Früher wurde ich kritisiert, weil ich zu viel geredet habe. Ich habe aus diesen Fehlern gelernt. Für mich zählt nur Sam Soliman.

SPOX: Sie treffen am Samstag zum zweiten Mal auf Soliman. Den ersten Kampf gewann der Australier, dem allerdings im Anschluss die Einnahme des leistungssteigernden Mittels Methylsynephrine nachgewiesen wurde. Wollen Sie sich an ihm rächen?

Sturm: Rache, Revanche, das ist mir alles egal. Ich will nur beweisen, dass ich besser bin als er. Im ersten Kampf habe ich nicht das gezeigt, was ich wirklich zu leisten im Stande bin. Ich war viel zu inaktiv und habe dafür die Quittung bekommen. Es gab danach zwei Möglichkeiten: Noch ein, zwei Fights machen, ein bisschen Geld kassieren und dann abtreten. Oder sich noch einmal zusammenreißen und diese allerletzte Chance nutzen. Seitdem achte ich viel mehr auf mein Gewicht und halte auch mal die Klappe. Ein großer Champion muss nicht überall seinen Senf dazugeben. Ich muss Sam fast dankbar sein, weil er mich ein wenig wachgerüttelt hat. Ich will diese Erfahrung mittlerweile nicht mehr missen.

SPOX: Ganz allgemein gesprochen: Hat das Boxen ein Dopingproblem?

Sturm: Ich glaube, das sind nur Einzelfälle wie Soliman oder Wach, der gegen Klitschko im Ring stand. Es gibt immer schwarze Schafe. Aber wer so dumm ist und etwas nimmt, fliegt früher oder später sowieso auf.

SPOX: Sie sind seit Dezember 2013 der erste Deutsche, der viermal Weltmeister wurde. Ein besonderer Rekord?

Sturm: Das macht mich stolz. Ich bin nicht nur der erste Deutsche, dem das gelungen ist, sondern soweit ich weiß auch der erste Mittelgewichtsboxer. Ich habe meinen Platz in den Geschichtsbüchern sicher, ganz egal, was in Zukunft passiert.

Seite 1: Sturm über de la Hoya und sein Leben als Promoter

Seite 2: Sturm über eine mögliche Titelvereinigung und Doping

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