Freitag, 24.01.2014

Marco Huck im Interview

"Es ist nur Halligalli angesagt"

Huck vs. Arslan, Part II! Am Samstag muss Marco Huck seinen WM-Titel im Cruisergewicht erneut gegen Firat Arslan verteidigen (Sa., 22.10 Uhr im LIVE-TICKER). Vor dem Rückkampf in Stuttgart spricht der WBO-Champion über seine Laster in der Vorbereitung, das "Wohnzimmer" seines Gegners und zieht den Hut vor Witali Klitschko.

An Selbstbewusstsein hat es Marco Huck noch nie gemangelt
© getty
An Selbstbewusstsein hat es Marco Huck noch nie gemangelt

SPOX: Herr Huck, am Samstag kommt es zum lang ersehnten Rückkampf gegen Firat Arslan. Wie wichtig ist ein eindeutiger Sieg, gerade nach dem kontroversen ersten Duell?

Marco Huck: Ich will ein Zeichen setzen und das Thema Firat Arslan endgültig aus der Welt schaffen. Es lief im ersten Kampf sicherlich nicht alles optimal, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mich für irgendetwas rechtfertigen muss. Man darf nicht vergessen: Ich habe den Fight gewonnen, ich habe den Titel behalten. Das ist alles, was zählt.

SPOX: Trotzdem wurden nach dem ersten Kampf kritische Stimmen laut. Das Publikum bedachte Sie nach dem Punkturteil sogar mit "Schieber, Schieber"-Rufen. Tut das als Sportler weh?

Huck: Ach, wenn ich mir in meiner Karriere alles zu Herzen genommen hätte, was gesagt und geschrieben wurde, dann wäre ich sicherlich kein Champion mehr. Mein Kampfrekord lässt eigentlich keine Fragen offen. Ich bin ein gestandener Weltmeister.

SPOX: Sie geben Arslan dennoch eine zweite Chance.

Huck: Aber genau das unterscheidet einen Champion von einem No-Name. Verlierer haben immer nur Ausreden parat und verkriechen sich im Selbstmitleid. Ein Weltmeister muss dagegen in die Zukunft blicken. Und wenn die Zukunft ein zweites Duell mit Arslan ist, dann soll es so sein.

SPOX: Der Rückkampf findet in Stuttgart statt, Arslans "Wohnzimmer". Erwarten Sie eine hitzige Atmosphäre?

Huck: Ich hoffe auf einen heißen Abend. Es ist doch ganz normal, dass die Fans wahrscheinlich eher auf seiner Seite sein werden. Er ist der Lokalmatador, außerdem feuern die neutralen Zuschauer immer den Außenseiter an. Jeder liebt nun mal die Underdog-Storys, wenn der Ältere und Schwächere gewinnt. Aber da werde ich das Publikum am Samstag leider enttäuschen müssen, es wird kein Happy End für Arslan geben.

SPOX: Schätzen Sie trotzdem seine Leistung? Immerhin ist Arslan mittlerweile 43 Jahre alt und kämpft gegen Sie um einen WM-Titel.

Huck: Natürlich respektiere ich, was er in seinem Alter noch abliefert. Er hat zwar keinen Punch in den Fäusten, hält den Gegner aber mit seinen Schlägen gut in Schach.

SPOX: Sie sind 29 Jahre alt. Können Sie sich eine ähnliche Karriere vorstellen?

Huck: Das weiß ich nicht. Aber man muss sich nur mal Wladimir Klitschko anschauen, der sich mit 37 besser fühlt als mit 27. Ich bin also noch nicht am Ende meines Weges angekommen. Man strebt immer nach Vollendung. Und bei mir ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.

SPOX: Sie sprachen zuletzt häufig über die suboptimale Vorbereitung vor dem ersten Kampf gegen Arslan. Wie lief es diesmal?

Huck: Das Problem beim ersten Fight war, dass ich ihn nicht ernst genommen habe. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie mir ein 42-Jähriger gefährlich werden soll. Das ist diesmal nicht der Fall, ich habe viel besser und intensiver trainiert.

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SPOX: Hat die Vorbereitung mehr Kraft gekostet als sonst, gerade mental?

Huck: Ich muss immer den Schweinehund überwinden. Ein, zwei Monate nach dem letzten Kampf ist nur Halligalli angesagt, darunter leidet die Form. Das ist eine schlechte Angewohnheit von mir. Es ist nun mal so: Wenn man der Gejagte ist, lässt man sich ab und zu mal gehen. Aber genau das kann tödlich sein.

SPOX: Dass Weihnachten und Silvester genau in der heißen Phase der Vorbereitung lagen, erleichtert das nicht unbedingt.

Huck: Wir haben trotzdem gefeiert (lacht). Aber im Ernst: Der Fokus lag natürlich auf der Action im Ring, allerdings muss man sich manchmal auch in der Vorbereitung ablenken, ansonsten bekommt man einen Lagerkoller. Man bringt ja auch so schon genügend Opfer.

SPOX: Zum Beispiel ein kleiner Aufenthalt in einer Kältekammer. Inwiefern profitiert man davon?

Huck: Oh Gott, das ist jedes Mal wie am Nordpol. Ich habe letztens sogar Wasser mitgenommen, das sofort gefroren ist. Aber es macht schon Sinn. Man erholt sich durch die Kältekammer schneller von kleinen Wehwehchen.

SPOX: Das dürfte vor allem nach Ihrer Ellbogenverletzung, wodurch der zweite Kampf gegen Arslan im September verschoben werden musste, nicht gerade unwichtig gewesen sein.

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Huck: Für mich ist damals eine kleine Welt zusammengebrochen. Wir sind sogar zu verschiedenen Ärzten gefahren, weil ich die Diagnose nicht wahrhaben wollte. Man steckt so viel Arbeit in die Vorbereitung und kann danach nicht den Lohn dafür ernten. Das ist nicht einfach. Aber das gehört wohl zu einem Sportlerleben dazu.

SPOX: Sauerland Event braucht allerdings unbedingt einen fitten Marco Huck, immerhin läuft der TV-Vertrag mit der "ARD" Ende 2014 aus. Spüren Sie als eines der Aushängeschilder Druck, große Leistungen abliefern zu müssen?

Huck: Für mich ist das keine neue Situation. Außerdem kann ich mit diesen Erwartungen gut umgehen. Aber natürlich spürt man eine gewisse Anspannung im Team. Wenn ich, Arthur (Abraham, Anm. d. Red.) oder die anderen großen Namen gute Leistungen zeigen, bin ich dennoch überzeugt, dass einer Vertragsverlängerung nichts im Wege stehen.

SPOX: Lassen Sie uns am Ende noch einen Blick in die Königsklasse des Boxens werfen. Durch Witali Klitschkos Rückzug kam ein wenig Bewegung in die Schwergewichtsszene. Tut das dem Geschäft gut?

Huck: Auf jeden Fall. Es muss wieder mehr Abwechslung geben. Trotzdem ziehe ich den Hut vor Witali. Er hat in seiner Laufbahn viel erreicht und stellt seine sportliche Karriere nun hinter dem Wohl seines Heimatlandes an. Ich drücke ihm die Daumen, dass er der Ukraine weiterhelfen kann.

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Bastian Strobl(Product Manager)

Bastian Strobl, Jahrgang 1988, arbeitet bei SPOX.com als Product Manager und ist für Konzeption und Umsetzung des Web- sowie App-Auftritts verantwortlich. Geboren und aufgewachsen in München führte ihn das Journalismus-Studium nach Ansbach. Nach mehreren Praktika bei verschiedenen Münchner Zeitungen und einem längeren Auslandsaufenthalt in Südafrika folgte 2011 der Wechsel zu SPOX.

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